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Luxusuhren

Vom Boom zum Blackout

Die Golfregion hat für die Schweizer Uhrenbranche langsam, aber stetig an Bedeutung gewonnen. Nun legt der Iran-Krieg das Geschäft lahm.

Iris Kuhn Spogat

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Vor dem Krieg: Opulente Shopping-Paläste in Dubai symbolisierten den Luxusboom in der Region, der vom Iran-Krieg nun ausgebremst wird. AFP

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Dubai, Abu Dhabi, Doha – die Golfregion mit ihren bemerkenswerten Metropolen und ihrer High Society gilt für die Schweizer Luxusuhrenindustrie als vielversprechend. Die Nachfrage nach Rolex und Co. entwickelt sich dort stetig, Jahr für Jahr, Monat für Monat: 2022 summierten sich die Ausfuhren der Branche gemäss Zollstatistik auf 1,8 Milliarden Franken, also auf rund sieben Prozent des weltweiten Totals. 2025 waren es mit 2,6 Milliarden Franken rund zehn Prozent. Weniger wichtig als die USA und Europa, aber bedeutungsvoll: «Trotz ihres noch überschaubauren Umsatzanteils bleibt die Region ein wichtiger Wachstumstreiber», sagt Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. 2026 ist gut angelaufen: Im Januar legten die Exporte in die Golfstaaten im Vorjahresvergleich um 8,1 Prozent zu, im Februar um 6,1 Prozent.
Und jetzt? Der Iran-Krieg hat die Golfregion von einem Luxus-Mekka in eine No-Go-Zone verwandelt: Allein in der ersten Kriegswoche wurden in Dubai über 80’000 Hotelbuchungen storniert, Dutzende Airlines haben Flüge gestrichen oder bis Ende April/Mai ausgesetzt.
Auf die Frage, was der Iran-Krieg für ihr Geschäft in der Region bedeute, gibt es nur von Swatch-Group-CEO Nick Hayek und von Rolf Studer, Co-CEO von Oris, eine Antwort, die über «Wir kommentieren das geopolitische Geschehen nicht» hinausreicht. Studer sagt, der Konflikt komme in einer für die Branche bereits sehr anspruchsvollen Zeit – starker Franken, US-Zölle, trudelnde Nachfrage in China – und «nimmt mit den steigenden Energiepreisen eine globale Dimension an». Mit absehbaren Folgen: «Wenn die Zuversicht der Menschen leidet, steht der Kauf einer Schweizer Uhr nicht zuoberst auf der Liste.» Hayek sagte an der Pressekonferenz Mitte März, der Konzern habe in der Gegend über 200 Läden, aber «im Moment geht niemand nach Dubai oder Doha. Dort herrscht Krieg.»

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Für Yves Bugmann, Präsident des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie, erhöht dieser Krieg den bereits hohen Druck für die Branche weiter. Für eine konkretere Aussage sei es noch zu früh. «Erst die Exportzahlen für März werden ein erstes Bild liefern.» Sie erscheinen am 21. April.

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