Heute endet mal wieder eine Deadline des Commanders-in-Chief an den Iran, und natürlich weiss niemand, wahrscheinlich nicht mal er selbst, wie er reagieren wird. Ein Muster lässt sich jedoch erkennen: Druck aufbauen über das Wochenende, wenn die Börsen geschlossen sind – und dann am Montag den Druck ablassen, damit sich Börse und Ölpreis erholen. Mit einem Tweet die Börsen rund um Welt bewegen zu können, ist für den lange belächelten Immobilien-Mann die wohl grösste Befriedigung. Dass 15 Minuten vor seinem Deeskalations-Post am Montag Händler mit Futures im Wert von fast 600 Millionen Dollar auf einen Fall des Ölpreises wetteten, passt ins Bild. «Wir waren es nicht» sagt das Weisse Haus natürlich. Aber es behauptet ja auch, dass es aktiv mit dem Iran verhandelt. So weit sind wir gekommen: Die Aussagen des weltgrössten Terrorregimes erscheinen glaubwürdiger als jene der westlichen Supermacht.
Noch scheint eine Lösung fern. Derzeit sind wir alle Geografie-Experten, und da fällt uns beim Blick in die digitalen Archive die legendäre Aussage des Irak-Feldherrn Norman Schwarzkopf aus dem Jahr 1991 ein: Zur Sperrung der Strasse von Hormuz braucht es nur eine Ankündigung der iranischen Regierung – dann liegt der Schiffsverkehr lahm, weil die wirtschaftlichen Risiken für die Tanker-Betreiber viel zu gross sind. Jetzt hat Trump dem Iran die einfachste Schreckenswaffe der Welt prominent ins globale Schaufenster gestellt: Einen Blockade-Knopf für die weltweite Energieversorgung.
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Dabei lohnt sich ein noch tieferer Blick in die digitalen Archive. Das Ziel einer Armada von mehreren tausenden Elitesoldaten, die heute in der Region eintreffen sollen, so heisst es, sei die Insel Kharg, über die der Iran mehr als 90 Prozent seines Erdölgeschäfts abwickelt. «Ein Schuss auf einen unsere Männer oder Schiffe», so Trump, bedeute für die Insel Kharg: «I’d go in and take it.» Von wann stammt dieser Ausspruch? Aus dem Jahr 1988, als der damals 42-jährige Immobilienjongleur schon einmal mit einer Präsidentschaftskandidatur flirtete. Da sage noch jemand, er habe keine Geografie-Kenntnisse.
Finks Wandlungen
Besonders trefflich ist derzeit auch Trumps Zuarbeiter Larry Fink unterwegs, der ihm schon mal seine Gelder managt («Larry did a great job for me.») Am Montag veröffentlichte der Blackrock-Chef wieder seinen jährlichen Aktionärsbrief, angelegt als grosse Weltwirtschafts-Erklärung, angekommen als massives Wendemanöver. Denn vom Kampf gegen die Klimaerwärmung und für ESG, einst Finks zentraler Fokus, ist nichts mehr zu finden, obwohl gerade die aktuelle Energiekrise genügend Argumente böte für klimaneutrale Quellen wie Atom, Wind und Sonne. Die Biegsamkeit ist auch für die Financial Times der Beweis, dass Fink vor allem eine «Marketing-Übung» veranstalte. Willkommenes Mittel für eine noch grössere Bühne: Das seit kurzem permanente Co-Präsidium beim WEF.
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Blackrock verwaltet so viele Gelder von staatlichen Stellen wie keine andere Firma der Welt – mehr als 800 Milliarden Dollar. Da ist der exklusive Zugang zu den Regierungschefs, den nur das WEF in dieser Form bietet, besonders lohnend. Dass selbst im WEF-Reglement steht, dass Stiftungsräte bei einem Interessenkonflikt zurücktreten müssen? Kümmert Fink nicht.
Und dann ist da noch die Frage, warum er so zögerlich mit dem tief im Epstein-Sumpf versunkenen GeschäftsführerBrende umging. Einen möglichen Grund nennen wir in unserer heute erscheinenden Ausgabe: Auch Finks Sohn Joshua, regelmässiger WEF-Gänger seit 2011, taucht mit einer unappetitlichen Geschichte in den Epstein-Files auf. Er hatte eine Beziehung zu einer russischen Epstein-Gehilfin, die wiederum Brendes norwegischen Epstein-Verbündeten kannte. Nicht auszuschliessen, dass Fink da Brendes Epstein-Verbindungen nicht allzu hoch hängte. Die hohen moralischen Ansprüche des WEF? Bestenfalls mit der Lupe sichtbar.
Migros-Mission
Und dann ist da noch die Migros. Ein Zeichen überbordenden Selbstvertrauens war der Jahreszahlen-Auftritt von Konzernchef Mario Irminger am Dienstag nicht. Ein Konglomerat abzuwickeln, ist keine kreative Meisterleistung. Dass er sich da viel losgelöster fühlt («wir haben durch die Verkäufe eine neue Freiheit gewonnen»), sei ihm zu gönnen, wirkt aber im Vergleich zum ewigen Rivalen Coop wenig ambitioniert. Eigentlich müsste er dann wenigstens im Kerngeschäft zum grossen Angriff blasen. Doch selbst da hat Coop aufgeholt, und Irminger sagt via NZZ sogar einen Satz, für den früher jeder Migros-Chef auch ausserhalb der Konzernzentrale lebenslanges Alkoholverbot erhalten hätte: «Es ist völlig bedeutungslos, ob Coop uns überholt.»
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Auf den ersten Blick noch verstörender wirkt sein Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit. «Das ist so» antwortet er auf die Frage, ob die Genossenschaft Zürich weiter in Deutschland mit Tegut viel Geld hätte verlieren können, ohne dass er als CEO dagegen etwas hätte tun können. Doch es könnte auch ein Signal sein: Die Migros-Struktur mit ihren zehn eigenständigen Regional-Genossenschaften ist längst aus der Zeit gefallen. Es wäre der letzte Akt des 60-Jährigen: Die überfällige Zusammenlegung durchzuziehen. Das wäre dann ein Abwracken, mit dem er positiv in die grosse Migros-Geschichte einginge.
Nächste Woche: Jahrestag Liberation Day
Nächsten Donnerstag kommt es zum Jahrestag der bizarrsten Schautafel der jüngeren Wirtschaftsgeschichte: Am 2. April 2025 präsentierte der Zoll-Fan Trump an seinem «Liberation Day» im Garten des Weissen Hauses die Werte, deren Berechnung bis heute ein Mysterium ist.
Es dauerte dann genau einen Monat, bis der Financial-Times-Journalist Robert Armstrong die geniale Kombination TACO erfand, die bis heute die gesamte Weltwirschaft in Atem hält. Grund zum Feiern bietet der Jahrestag nicht. Für Aktienkäufer bleibt TACO der ultimative Trump-Hedge, der uns weiter stetig begleiten wird und hoffentlich beschützen wird. Bislang gilt für die Börse noch, was auch die Schweizer Wirtschaft auszeichnet: Sie hält viel aus.
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