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Marken-Ranking: Digitale Brands werden immer stärker

Die Spitzenmarke 
von heute kann morgen schon out sein. Denn: Die digitalen Brands legen zu. «Bilanz» zeigt die Markenstars der Zukunft.

Marc Kowalsky

Was sind die Markenstars der Zukunft? «Bilanz» hat 4221 Personen in der Deutsch- und der Westschweiz befragt und aus den Antworten einen «Brand Aggregate» zwischen 0 und 100 für die Jahre 2017 und 2019 ermittelt. Je höher der Wert, desto erfolgreicher dürfte eine Marke sein. Das werden im Jahr 2019 die stärksten Marken sein:
BankenPlatz 1: MastercardBrand Aggregate 2019: 77.9Brand Aggregate 2017: 71.6
UhrenPlatz 1: SwatchBrand Aggregate 2019: 71.7Brand Aggregate 2017: 60.0
UnterhaltungselektronikPlatz 1: AppleBrand Aggregate 2019: 75.9Brand Aggregate 2017: 66.3
Zalando
LebensmittelPlatz 1: Migros BioBrand Aggregate 2019: 80.9Brand Aggregate 2017: 74.7
GetränkePlatz 1: NespressoBrand Aggregate 2019: 77.6Brand Aggregate 2017: 71.5
TelekommunikationPlatz 1: WhatsAppBrand Aggregate 2019: 86.7Brand Aggregate 2017: 75.0
KrankenkassenPlatz 1: CSSBrand Aggregate 2019: 55.5Brand Aggregate 2017: 45.2
MedienPlatz 1: 20 MinutenBrand Aggregate 2019: 72.0Brand Aggregate 2017: 66.1
ReisenPlatz 1: ebookers.chBrand Aggregate 2019: 67.0Brand Aggregate 2017: 59.9
AutomobilPlatz 1: BMWBrand Aggregate 2019: 71.3Brand Aggregate 2017: 62.1
EnergiePlatz 1: ErdgasBrand Aggregate 2019: 66.2Brand Aggregate 2017: 60.2
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Lange Jahre galt Volkswagen als Starbrand. Zuverlässig, langlebig, deutsche Wertarbeit – dafür stand die Marke. Jetzt ist der Lack ab. Zum einen wegen des Dieselskandals, zum anderen aber auch, weil Volkswagen immer klarer für eine Mobilitätstechnologie des letzten Jahrhunderts steht. Heute heisst der neue Star unter den Autobrands Tesla.
«Traditionelle Marken können sich nicht mehr auf ihrer Markenstärke ausruhen», sagt Frank Bodin, Chairman und CEO von Havas. «Es kann blitzartig gehen, und sie werden konkurrenziert durch neue Herausforderer, nicht nur im Markt, sondern auch in der Wahrnehmung.»
Zalando statt Vögele, WhatsApp statt Nokia, Airbnb statt Hilton – die Liste liesse sich beliebig verlängern. Oft braucht es gar kein Desaster wie den Dieselskandal. Vielfach ist es ein Prozess, den man früher «schleichend» nannte, der aber heute, im Zeitalter von Digitalisierung, Disruption und Social Media, oft eine Frage von wenigen Jahren ist.

Wahrgenommene Zukunftspotenzial einer Marke

Doch welches sind die Markenstars der Zukunft? Welcher Brand ist in zwei Jahren erfolgreich? Das untersucht Havas regelmässig mit der Studie «Brand Predictor». Dabei handelt es sich nicht um eine monetäre Einschätzung des Markenwertes, wie sie etwa Interbrand vornimmt. «Wir wollen vielmehr das wahrgenommene Zukunftspotenzial einer Marke herausfinden», sagt Bodin. Dieses wird durch die beiden Faktoren «Vertrauen» und «Dynamik» definiert. Für verschiedene Branchen liegen «Bilanz» die Ergebnisse der «Brand Predictor»-Studie exklusiv vor.

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Etwa für die Finanzindustrie. Hier fällt auf: Im Jahr 2019 werden die drei stärksten Marken Bezahldienste sein, nämlich Mastercard, PayPal und Visa. Auch Apple Pay wird eine starke Rolle spielen, nicht jedoch die schweizerische Lösung Twint. Und die beiden Grossbanken, einst Leuchttürme unter den Marken, sind nicht in den Top Ten. Immer noch eine Spätfolge der Finanzkrise und des danach eingetretenen Vertrauensverlustes. Aber: «Sie erholen sich derzeit wieder leicht, sowohl in Sachen Vertrauen wie auch in Sachen Dynamik», sagt Bodin. Allen voran die UBS.

Billigmarke dominiert bei den Uhren

Bei den Uhren sticht ins Auge, wie viel höher die Werte des Brand Aggregates 2019 im Vergleich mit 2017 liegen. Das ist wohl auch Ausdruck der derzeitigen Krise der Branche, die in zwei Jahren überwunden sein sollte. Und es dominieren nicht die Luxusbrands, sondern die Billigmarke Swatch (würde man die Ergebnisse von Victorinox und Swarovski miteinbeziehen, die ursprünglich keine Uhrenhersteller, inzwischen aber ebenfalls in dieser Produktkategorie aktiv sind, wäre das Bild noch deutlicher). Das hat auch mit der Erhebungsmethodik zu tun: «Man wird dem Luxussegment nicht gerecht, weil nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sich diese Produkte leisten und ihre Vertrauenswürdigkeit bewerten kann», sagt Bodin. «Prada etwa würde mit unserer Methodik schwach abschneiden.»

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Im Retail werden 2019 drei ausländische Brands am erfolgreichsten sein: Zalando, Aldi und Lidl. Dass Zalando auch bei den Schweizer Kunden Erfolg hat, ist unbestritten. Für den finanziellen Erfolg muss das Unternehmen aber noch die Kosten in den Griff bekommen. Erstaunlich ist, dass es Amazon, Digitec, Galaxus und Siroop nicht in die Top Ten schaffen. Was die stationären Grossverteiler angeht: «Aldi und Lidl sind in der Schweiz angekommen», sagt Bodin, «sie geben sich schweizerischer, als sie eigentlich sind.» Etwa mit der Kampagne «Ich bin ein Aldi-Kind», das die althergebrachte Vorstellung des Migros- bzw. Coop-Kindes aufgreift.

Von lokal bis global

Sehr hohen Einfluss auf den Geschäftserfolg hat die Marke bei Gütern des täglichen Bedarfs. Hier setzen die Schweizer auf hiesige Marken wie Rivella, Swissmilk, Emmi oder Ricola – fast ausschliesslich regional aktive Brands. Von den Weltmarken schafft es, neben den Schweizer Powerbrands Lindt/Lindor, Nespresso und Nestea, gerade mal Coca-Cola in die Top Ten. Bei der Telekommunikation ist es anders. Noch vor den lokalen Anbietern spielen WhatsApp und Netflix die erste Geige, gefolgt von Skype. Und im Bereich Unterhaltungselektronik wird Apple seine Vormachtstellung laut der Studie noch ausbauen.

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Was quer durch alle Branchen auffällt: Die digitalen Marken erobern weitere Felder. Die Brands im Bereich Onlineshopping und bargeldloses Zahlen etwa machen grosse Sprünge und werden sich wohl dauerhaft etablieren – was im Bankenland Schweiz für einige Unruhe sorgen dürfte. Der Trend zu Nachhaltigkeit und Gesundheit setzt sich fort. «Das sieht man besonders bei den Jungen», sagt Bodin. Und trotz oder wegen aller Globalisierung: Regionalität wird immer wichtiger. Das lässt sich selbst in der Finanzindustrie mit den Marken der Raiffeisen- und der Kantonalbanken sowie Swisscanto erkennen.

Korrelationen mit dem wirtschaftlichen Erfolg

Die «Brand Predictor»-Studie ist nicht L’art pour l’art. In der Vergangenheit sah man immer wieder Korrelationen mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines Brands. «Als Samsung als neuer Herausforderer von Apple auftauchte, konnten wir voraussagen, dass er Apple wohl überholen würde – besonders im jüngeren Segment», sagt Bodin.
Was er natürlich nicht voraussagen kann, ist ein Desaster wie die explodierenden Handy-Akkus, die Samsung im vergangenen Jahr in der Markenwahrnehmung weit zurückwarfen. Doch auch hier gilt: Eine vertrauenswürdige und dynamische Marke steckt das deutlich besser weg als andere Brands. Die neuesten Samsung-Smartphones jedenfalls kommen wieder hervorragend an. Auch wenn das im Marken-Ranking noch nicht durchschlägt.

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Diese Markenlogos haben versteckte Botschaften:
Diese Markenlogos haben versteckte Botschaften:Als Anbieter von Vorsorge- und Finanzlösungen hat sich Swiss Life bei der Logowahl von der menschlichen Hand inspirieren lassen: Die drei Linien sollen die Lebenslinien des Menschen auf der Innenseite seiner rechten Hand symbolisieren.
Das Logo des Schraubenherstellers Würth stammt weder von einem Wappen, noch stellt es ein stilisiertes «W» dar. Gründer Reinhold Würth nahm 1956 zwei unterschiedliche Schraubenköpfe als Vorbilder - eine Hälfte zeigt eine Zylinder-, die andere eine Rundkopfschraube.
Die wenigsten wissen, dass der deutsche Kondensmilchhersteller seine Wurzeln in Bern hat und 1982 als Berner Alpenmilchgesellschaft gegründet wurde. Daher auch der Berner Wappenbär im Logo. Das Unternehmen wanderte 1905 nach Deutschland aus und wurde mehrmals unbenannt.
Das Spiel mit der optischen Wahrnehmung beherrscht auch die französische Handelskette Carrefour. Zwischen den beiden Pfeilen im Logo, die darauf anspielen, dass der Markenname in Frankreich auch Kreuzung bedeutet, prangt ein weisses «C».
Die Beats-Kopfhörer des Herstellers, der 2014 von Apple übernommen wurde, spielen auch im Logo eine grosse Rolle: Der rote Punkt stellt einen Kopf dar, das kleine weisse «B» ist der Kopfhörer.
Der Berg ruft auf dem Logo des Schokoladenherstellers aus Bern. Toblerone hat nicht nur das Matterhorn zu seinem Markenzeichen gemacht, sondern auch das brummige Wappentier der Stadt: Wer genau hinsieht, erkennt den Berner Bären in der Mitte des Berges.
Das Namensgeber der Uhrenmanufaktur liess das Malteserkreuz 1880 als Markenlogo eintragen. Das Kreuz ist aber auch eine Nachbildung des Rades, das früher auf dem Federhausdeckel von Uhren befestigt war. Es diente dazu, den Aufzug der Feder zu begrenzen und damit den Gang der Uhr zu verbessern.
Die geflügelte Sanduhr, die Ernest Francillon als Logo für die Uhrenfirma wählte, wurde seit den Anfängen auf alle Produkte eingraviert, welche die Manufaktur fertigte. Die Uhren benannte Francillon nach dem Weiler unterhalb seiner Fabrik - «lange Wiesen», wodurch der Markenname entstand: Longines.
Das Logo des PS-Boliden-Rennen der Formel 1 birgt eine optische Täuschung: Entweder sieht man eine schwarzes «F» und einen roten Speedkamm, oder man erkennt dazwischen eine weisse Eins als Ziffer vor schwarz-rotem Hintergrund.
Der Schwan ist das Markenzeichen des Schreibgeräte-Produzenten. Das Symbol steht nicht nur als Abkürzung des Familiennamens Schwanhäusser, sondern ist religiös begründet: Für fromme Protestanten wie die Schwanhäusser ist der Schwan das Symbol für Martin Luther.
Das US-amerikanische Internet-Netzwerk-Anbieter Cisco wurde 1984 von zwei Informatikern gegründet. Das Logo bezieht sich auf den Firmenstandort San Francisco und zeigt die Golden Gate Bridge, die als Tor zum Pazifik gilt.
Die Supermarktkette entstand 1932 aus dem Zusammenschluss von Gross- und Einzelhändlern. Aus ihrem Slogan bildete sich als Abkürzung der Markenname Despar. Daraus wurde Spar, das im Holländischen auch Tanne heisst und dem Logo zum Nadelbaum verhalf.
Das bekannteste Etappenradrennen der Welt zeigt auch im Logo einen Radfahrer - und zwar im Wort Tour: Wer im «R» und dem Punkt daneben die Figur erkennt, sieht auch gleich die zwei Räder (eines im «O»-Buchstaben) und dem Fahrradsattel im «U».
Der Pfeil, der vom Amazon-«A» zum «Z» verläuft, verweist einerseits auf das allumfassende Produktangebot von A bis Z, das bei Amazon bestellbar ist. Weniger offensichtlich ist das Lächeln, das der Pfeil darstellt und das für Kundenzufriedenheit stehen soll.
Der deutsche Reifenhersteller hat im Logo einen Reifen platziert: Das «C» bildet mit dem «O» zusammen einen dreidimensionalen Pneu. Das Pferd rechts geht auf die Ursprünge zurück: In seinen Anfängen produzierte das Unternehmen Reifen für Fuhrwerke und Gummipuffer für Hufeisen.
Der Pfeil zwischen dem «E» und dem «X» soll für die Geschwindigkeit und Dynamik des US-amerikanischen Kurier- und Logistikunternehmens stehen.
Die französische Warenhauskette hat ihre Wurzeln in Paris. Deshalb haben die Logodesigner die beiden «T» im Schriftzug «Lafayette» so gezeichnet, dass sie dem Eiffelturm gleichen.
Fast jeder Schweizer kennt die Geschichte hinter dem Logo des berühmten Nahrungsmittelkonzerns, dem Familienwappen des Gründer Henri Nestlé mit Vögeln in einem Nest. In der Ursprungsversion für das 1867 lancierte Milchpulver hielt der Vogel rechts noch einen Wurm im Schnabel.
Mit technischem Rafffinement wartet das Logo der Notebook-Marke auf, die einst von Sony lanciert wurde: Das «V» und das «A» zeigen ein Analogsignal, das «I» und das «O» erinnern an die Ziffern Eins und Null, die für ein digitales Signal stehen.
Neben dem eleganten Schriftzug des Schokoladenherstellers findet sich ein Drache. Die Herkunft lässt sich aus dem althochdeutschen Begriff Lindwurm, der einen ungezügelten Drachen bezeichnet, ableiten.
Geschliffene Klingen sind auch im Logo des Rasierklingenherstellers zu finden, und zwar im abgeschrägten Buchstaben «G» und im geschliffenen i-Punkt.
Der Markenname des Lebensmittelkonzerns aus Lenzburg ging aus den Anfangsbuchstaben der Gründer Henckell und Roth hervor. im Schriftzug selbst sind vier Konservendosen versteckt - eine davon bildet geöffnet das «R».
Seit 1890 schmückt das Schaffhauser Industrieunternehmen sein Markenzeichen mit zwei «+». Das Symbol stellt kein Plus, sondern ein Röhrenverbindungsstück dar. Dieses auch Fitting genannte Produkt zählt bis heute zu den wichtigsten des Konzerns.
Tier sind die Attraktion jedes Zoos. Beim Kölner Zoo verstecken sie sich sogar im logo: Vor dem grünen Elefanten stehen Giraffe und Nashorn. Und auch ein Wahrzeichen der Stadt findet sich im Elefanten: Die Türme des Kölner Doms.
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Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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