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Uhr der Woche

Der Zufall fuhr Gondel

Der eine baut Uhren für Millionäre, der andere macht Uhrmacherkunst erschwinglich. Wie ein versehentlicher Anruf Manuel Emch und Vianney Halter zusammenbrachte – und was daraus geworden ist.

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Die Futur Antérieur zeigt die Zeit in zwei «Bullaugen».
Die Futur Antérieur zeigt die Zeit in zwei «Bullaugen».PR

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Es war ein Anruf, der gar keiner hätte sein sollen. Manuel Emch sass in einer Skigondel, als sein Mobiltelefon in der Tasche versehentlich die Nummer von Vianney Halter wählte. Der französische Ausnahmeuhrmacher nahm nicht ab, rief aber später zurück. Und Emch – spontan, wie er ist – wusste die Gelegenheit zu nutzen und schlug Halter eine Zusammenarbeit vor. Halter – spielfreudig, wie er ist – sagte zu.
Die Schweizer Uhrenszene ist klein, Emch und Halter kannten sich natürlich bereits, als der Pocketcall in Emchs Skijacke losging. Aus der Bekanntschaft wurde in dem Moment eine Freundschaft und daraus 2020 eine erste Uhr: der ikonische Louis-Erard-Regulator im Halter-Stil. Die Uhr kostete 3500 Franken und war schon allein deshalb eine Sensation.
Denn Vianney Halter spielt gewöhnlich in einer ganz anderen Liga. Der in der Schweiz tätige Franzose gehört zu den eigenwilligsten Vertretern der unabhängigen Haute Horlogerie. Seine Zeitmesser sehen aus wie Fundstücke aus der Zukunft, wie man sie sich im 19. Jahrhundert wohl vorgestellt hat: Nieten, Bullaugen, technische Apparaturen und höchst komplizierte Mechanik prägen seine Kreationen. Berühmt wurde er mit der 1998 vorgestellten Antiqua. Seine Deep Space Resonance, eine mechanische Extravaganz mit dreiachsigem Tourbillon und zwei durch Resonanz synchronisierten Unruhen, kostet inzwischen 1,1 Millionen Franken.

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Kleine, günstige Serien

Manuel Emch seinerseits lebt mit Louis Erard eine ganz andere Philosophie: Seit er die Marke 2019 unter seine Fittiche genommen hat, setzt er auf kleine Serien, die er mitunter in Zusammenarbeit mit Kunsthandwerkern, Künstlern und namhaften Gestaltern herausbringt – stets zu überraschend günstigen Preisen.
Emchs Idee: Uhrenfans Zugang zu aussergewöhnlichen Entwürfen verschaffen, ohne dass sie dafür ein Vermögen ausgeben müssen.
Die Liste der Menschen, mit denen Emch inzwischen schon kollaboriert hat, ist lang und vielfältig. Darauf stehen Künstlerinnen wie Sylvie Fleury und Monica Bonvicini, Ausnahmeuhrmacher wie Stefan Kudoke und Konstantin Chaykin, dazu Emaillieure, Graveure und Guillocheure, die mit ihrem Savoir-faire Uhren geschaffen haben, wie sie sonst der Haute Horlogerie vorbehalten sind.
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Emch und Halter verstehen sich offensichtlich gut: Gerade präsentieren sie die dritte gemeinsame Uhr. Sie ist von Halters Antiqua inspiriert, heisst Futur Antérieur – und sieht viel komplizierter und komplexer aus, als sie tatsächlich ist: Die Zeit wird angezeigt in zwei «Bullaugen» – im grösseren Fenster kreisen Stunden- und Minutenzeiger, im kleineren läuft die Sekunde. Der Clou (abgesehen vom Design): Beide Zeitanzeigen werden von je einem eigenen Automatikwerk, einem Sellita SW100, angetrieben. Technisch notwendig ist das nicht. Aber konsequent im Sinne Halters, der Konventionen gern ignoriert.

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Auch das Gehäuse ist eine Neukonstruktion für Louis Erard. Es besteht aus 67 Einzelteilen, misst 38 mal 44 Millimeter und ist 8,85 Millimeter hoch. Die aufgesetzten Lünetten mit ihren vergoldeten Nieten, die gebläuten Stahlzeiger und zwei separate Kronen zitieren wie die Bullaugen Halters Formensprache.
Die Futur Antérieur gibt es in zwei Ausführungen: Gold mit goldfarbenen Zifferblättern und schwarzem Straussenlederband sowie Silber mit silberfarbenen Zifferblättern und blauem Band.
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Beide Modelle sind auf je 178 Exemplare limitiert und kosten 4950 Franken. Daneben gibt es 78 Sets mit beiden Versionen für 9900 Franken.
So cool diese Zeitmesser, so heiss begehrt sind die limitierten Editionen, die Emch in Kollaboration mit anderen herausbringt: Jedenfalls war die neue «Louis Erard x Vianney Halter»-Serie bereits vor dem offiziellen Launch am Freitag, 30. Oktober, 10 Uhr MEZ, ausverkauft.
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