Manuel Emch führt die unabhängige Swiss-Made-Uhrenmarke Louis Erard. Und wagt immer wieder einmal etwas, was sich sonst kaum jemand traut. Fernab von den üblichen Statussymbolen der Branche ist Emch mitunter dabei, eine Kollektion zu etablieren, die die Uhr als kuratiertes Kunstobjekt versteht. Konkret: Emch verwebt Uhrmacherei mit zeitgenössischer Kunst.
Damit schlägt Unternehmer und Kunstliebhaber Emch zwei Fliegen mit einer Klappe: Einmal bringt ihn das Projekt jeweils in Austausch mit Künstlern, die ihn beeindrucken. Zudem schafft er mit den auf jeweils nur gerade 178 Uhren à 3900 Franken begrenzten Editionen etwas, worauf fliegt, wer in der Uhrmacherei das – bezahlbare – Besondere und Rare sucht.
Einmal im Jahr kommt eine Louis Erard heraus, deren 39-Millimeter-Zifferblatt von einem Künstler oder einer Künstlerin gestaltet worden ist. «Ohne Vorgaben», wie Emch sagt. Dass dabei etwas herauskommt, das in sein Konzept und zu seinen Qualitätsansprüchen passt, stellt er mit der Selektion der Kunstschaffenden sicher. Und er ist Teil des Projekts, das Jahre dauern kann. «Wir nehmen uns die Zeit, die Sache richtig zu machen.»
Bislang hat er zwei Künstleruhren herausgebracht – die Noirmont x Olivier Mosset (2024) und die Noirmont x Sylvie Fleurie (2025). Nummer 3 ist Noirmont x Monica Bonvicini. Emch hat sie dieser Tage zusammen mit der berühmten Künstlerin in Genf lanciert.
Partner-Inhalte
Werbung
1 / 2
PRPR
Monica Bonvicini ist eine hochbedeutende, international anerkannte Gegenwartskünstlerin. Werke von ihr sind unzählige Male mit Preisen gewürdigt worden, darunter mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig (1999) und dem Oskar-Kokoschka-Preis (2020). Bonvicinis Arbeiten sind vielsagend – und oft auch raumgreifend. Für das Projekt mit Louis Erard hat sie «NOT FOR YOU», eine ihrer ikonischen Arbeiten, radikal komprimiert (siehe dazu das Interview unten). Die Negation benutzt sie mitunter in grossformatigen Neon-Installationen. Und nun ragen die drei Worte schwarz spiegelpoliert aus dem schwarzen Clou-de-Paris-Zifferblatt hervor. Schön irritierend.
Angetrieben von einem Sellita-Automatikwerk, bleibt die Uhr trotz ihres künstlerischen Tiefgangs ein funktionaler Begleiter. Ein Kunstwerk, das als Uhr oder als Kunstwerk funktioniert. Gut vorstellbar, dass es Leute geben wird, die einen Nagel in die Wand schlagen und ihren «Bonvicini» zu Hause aufhängen, statt ihn zu tragen.
1 / 4
PRPRPRPR
Werbung
Gehäuse: 39 mm, Edelstahl
Werk: Sellita SW261-1 Automatikwerk
Preis: 3900 Fr.
Limitiert auf 178 Stück
Die Künstlerin, die für die Lancierung ihrer Uhr im Dunstkreis der Art de Genève aus Berlin angereist ist, hat mit dem Louis-Erard-Projekt Neuland betreten. Wie es dazu gekommen ist und warum? Wir haben uns mit ihr unterhalten.
Axel Schmidt
Axel Schmidt
Monica, wie sind Sie zu Louis Erard gekommen?
Das war vor ein paar Jahren an einem Charity-Anlass in Basel, der sehr, sehr langweilig war. Doch mein Galerist aus Wien hatte mit seinem Tischnachbarn grossen Spass. Das hat mir gefallen. Auf so einer Grundlage entstehen meist die besten Dinge.
Der Tischnachbar war Manuel Emch.
Genau. Er hat mich daraufhin in meinem Studio in Berlin besucht. Wir haben angefangen, über eine Kollaboration zu sprechen, dann Ideen und Designs ausgetauscht. Das hat ein paar Jahre in Anspruch genommen.
Warum haben Sie sich darauf eingelassen?
Ich mag Herausforderungen. In diesem Fall war das in erster Linie die Kleinheit. Gewöhnlich arbeite ich lieber in der Grösse. Jedenfalls sagte ich ja – und es war alles andere als einfach.
Werbung
Herausgekommen ist «Not for you» - ein berühmter Satz von Ihnen. Was für eine Ehre für Louis Erard.
Ich habe mir das lange überlegt. Die grosse Herausforderung für mich war ja, zu entscheiden, was ich für eine Uhr machen wollte. Die einzige Beschränkung, die es gab, war die Grösse des Zifferblatts – und von meiner Seite her der Wunsch, etwas zu schaffen, dass so zeitlos ist wie eine mechanische Uhr. Ich mochte die Auseinandersetzung damit sehr.
Was war der grösste Kompromiss in diesem Projekt?
Es gab keine Kompromisse.
Mögen Sie Uhren?
Ich liebe Uhren.
Und was ist Zeit für Sie?
Ich denke gerade an Carrara-Marmor. Etwas, was immer da ist.