Zuoberst steht in roten Lettern: «Yes, you can talk about it now!!!» Ja, du kannst bereits jetzt darüber berichten. Die drei Ausrufezeichen kommen nicht von ungefähr: Während die Uhrenhersteller ihre Neuheiten, die sie vom 4. bis 7. September an den Geneva Watch Days vorstellen werden, im Vorfeld zwar bekannt machen, aber mit einem Embargo versehen, legt
Manuel Emch, Lenker von Louis Erard, bereits sein Ass auf den Tisch: Er bringt eine aufwendig von Hand gravierte Version des schnörkellosen Klassikers Noirmont. Sie heisst Gravée Main und kommt in einer auf 99 Stück limitierten Auflage heraus.
Gehäuse, Lünette, Bandanstösse, Krone und die Dornschliesse – alles ist aus hartem, sprich schwieriger als Gold zu gravierendem Edelstahl gefertigt – wurden in der Ukraine von Hand mit barock-floralen Motiven verziert. Gemäss Manuel Emch stecken in jeder Uhr 50 Stunden Handarbeit. Das Resultat? Lauter Einzelstücke, die dank ihrem Human Touch unmöglich zu reproduzieren sind und gemäss Emch «weit über das hinausreichen, was eine Maschine leisten kann».
Gemacht hat die 99 Zeitmesser der Ukrainer Maksym Shavlak, ein Uhrmacher, Graveur und Künstler, der in seinem Land dafür bekannt ist, antike Zeitmesser wie Taschenuhren neu zu gestalten und zu modernisieren.
Diode SA - Denis Hayoun RMS
Wir haben Emch gefragt, wie er Shavlak gefunden hat. Die Kurzversion: Den Hinweis hat er vom amerikanischen Hi-Fi-Pionier Mark Levinson – einem Louis-Erard-Kunden – bekommen. Dieser hat bei Kriegsausbruch in seinem Palazzo in Venedig, wo er seine Firma Hertz und seinen Showroom untergebracht hat, einigen Flüchtlingen Obdach gewährt. Darunter war auch jemand mit Kenntnis, Liebe und Connections zur Uhrmacherkunst, was Levinson Emch weitergesagt hat. Und Emch wäre nicht Emch, hätte er nichts mit diesen Inputs anzufangen gewusst …
Er nennt das Resultat eine «schöne Resilienzgeschichte»: Die Unikate sind trotz kriegsbedingt widriger und komplizierter Umstände während der vergangenen drei Jahre entstanden. Emch ist stolz. Sein Fazit: «Wie so oft im Leben muss man einfach offen und interessiert sein und Sachen auch einfach einmal laufen lassen.»
Die Gravée Main ist ein weiteres Exemplar in der Louis-Erard-Serie «Métiers d’Art». Und wie schon die Vorgängermodelle mit Grand-Feu-Email, Holzintarsien und Guilloché-Verzierungen sind sie nicht Sammlern mit tiefen Taschen vorbehalten, sondern mit einem Preis von 5450 Franken erschwinglich.
Steckbrief Gravée Main
Gehäuse: 42 mm, Edelstahl Kaliber: Sellita SW261-1, mit kleiner Sekunde bei 6 Uhr
Preis: 5450 Fr. (vor Steuern)