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Umbruch

Wie Gaydoul Navyboot und sich selbst neu erfindet

Am Schweizer Schuhmarkt herrscht Grabesstimmung. Aber genau jetzt startet Philippe Gaydoul eine Offensive: Navyboot soll endlich zur Erfolgsstory werden, daran wird sein Image gemessen.

Dirk-Ruschmann

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Philippe Gaydoul: Der Chef in seinem neuen Navyboot-Store beim ZΓΌrcher Opernhaus. Tina Sturzenegger Tim Sturzenegger fΓΌr BILANZ

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Der Schuhmarkt sumpft sich durch die tiefste Branchenkrise seit Menschengedenken. Pasito-Fricker schliesst Filialen, der Weltkonzern Bata zieht sich aus der Schweizer FlΓ€che zurΓΌck, und VΓΆgele Shoes wird gemΓ€ss Branchenleuten fΓΌr eine einstellige Millionensumme zum Verkauf angeboten – inmitten dieser TotentΓ€nze greift Navyboot an. Β«Inhaltlich und punkto Markenwerte ist es ein β€Ήback to the rootsβ€ΊΒ», sagt EigentΓΌmer Philippe Gaydoul. Sortiment, Logistik, Preisgestaltung, Vertrieb und Verkaufsstellen, Β«es gibt nichts, was wir nicht anfassenΒ».
Die Kollektionen haben kΓΌnftig Β«weniger Breite, aber mehr TiefeΒ». Will heissen: Die bisherige ÜberfΓΌlle an Modellen wurde ausgedΓΌnnt. Was verbleibt, wird dafΓΌr weiter aufgefΓ€chert: Gab es frΓΌher diverse Damenballerinas, so gibt es jetzt einen, den Verkaufsschlager – den aber in einer ganzen Farbpalette. GΓΌrtel, Taschen, Accessoires passen kΓΌnftig punkto LederqualitΓ€t und Farbe exakt zu den Schuhen. Die Zahl der Lieferanten hat sich bereits von 100 auf rund 40 dezimiert und soll weiter sinken – Resultat: einfachere QualitΓ€tskontrolle und dank steigender Mengen niedrigere Einkaufspreise.

Einheitliche Auslage

Zugleich wird die Auslage in den Verkaufsstellen vereinheitlicht: Waren bisher rund 40 Prozent der Sortimente identisch, sollen es kΓΌnftig 70 Prozent sein. Zudem wird ein Grundbestand an klassischen Modellen eingefΓΌhrt, die jederzeit vorzufinden sind. Angleichen werden sich auch die Kleidung der VerkΓ€ufer und die akustische Beschallung im Shop: Sechs Monate lang haben SachverstΓ€ndige an der Navyboot-Instore-Musik (New York Club Lounge, Electro Jazz, Ibiza Deep House ...) herumgemixt.

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Einerseits hΓΆherer Wiedererkennungswert, andererseits mehr Abwechslung: Die Zahl der jΓ€hrlichen Kollektionen steigt von zwei auf sechs, dazwischen lassen sich via Β«FlashΒ» aktuelle Modethemen einschieben. Das soll Kunden hΓ€ufiger in die LΓ€den locken. Um SammlergelΓΌste anzufachen, gibt es regelmΓ€ssig limitierte Sondermodelle des Β«OriginalΒ»-Schuhs, den man sich bald Β«customizenΒ», in Wunschausstattung anfertigen lassen kann. So funktionierten Markenartikler heute, sagt ein Branchenmann. Jetzt auch Navyboot.
Β«Ein echtes KundenbindungsprogrammΒ», sagt Gaydoul, habe man jetzt auch. Β«Davor gab es nur eine Sammlung von E-Mail-Adressen.Β» Auf den Kundenkarten steht statt des Namens nur Β«Crew MemberΒ». Das spart weitere Druckkosten, und der neue Leichtmatrose kann seine Karte gleich an der Ladenkasse in Empfang nehmen.

SportmillionΓ€re in Blau

Am wichtigsten sei aber ein verstΓ€ndliches Konzept. Marken brauchten heute eine Story, Β«wir haben eineΒ». Gaydouls Ziel: Ende 2016 soll man Navyboot niemandem mehr erklΓ€ren mΓΌssen.
Doch auch fΓΌr Gaydoul persΓΆnlich steht viel auf dem Spiel. Navyboot muss in die Erfolgsspur einbiegen. Daran wird Gaydouls zweite Karriere gemessen werden, ob er will oder nicht.
Philippe Gaydoul startet wieder neu: Der Ex-Discounter lΓ€sst nichts unversucht, in der Lifestyle-Welt doch noch zum Erfolg zu kommen. Wie ein Unternehmer seine Firma und sich selbst neu erfindet und was fΓΌr ihn persΓΆnlich dabei auf dem Spiel steht, lesen Sie in der neuen Β«BilanzΒ», ab Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.

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