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Zurückgetretener

Eric Olsen musste zum Rücktritt gedrängt werden

Der Abgang von Lafarge-Holcim-Chef Eric Olsen war nicht freiwillig. Im Verwaltungsrat herrschten Zweifel, ob er wirklich nichts von Lösegeldzahlungen an den IS wusste.

Holger Alich

Marc Kowalsky,

Holger Alich

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Eric Olsen: Sein Rücktritt als Lafarge-Holcim-CEO war nicht freiwillig. Keystone RMS

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Lafarge-Holcim-CEO Eric Olsen begründete seinen Abgang mit hehren Worten: «Obwohl ich in keinerlei Fehlverhalten involviert war oder davon Kenntnis hatte, denke ich, dass mein Rücktritt dazu beitragen wird, Ruhe in ein Unternehmen zu bringen, das während Monaten wegen des Syrien-Falls im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.» Olsen wird bei seinem Rücktritt im Juli 2017 gerade mal zwei Jahre im Amt bei Lafarge-Holcim gewesen sein.
Tatsächlich war sein Abgang weder ehrenvoll noch freiwillig. Zwar sprach ihn der VR öffentlich frei vom Verdacht, von Schmiergeldzahlungen an den IS gewusst zu haben, die 2011 bis 2014 den Betrieb eines Lafarge-Werkes in Syrien sicherstellen sollten. Doch in den Kriegswirren wurden auch insgesamt 13 Angestellte des Zementherstellers gekidnappt und erst gegen Lösegeldzahlungen des Konzerns freigelassen.
Dass Olsen als damaliger Personalchef von Lafarge nichts davon gewusst haben soll, wie er beteuerte, daran hatten diverse VR-Mitglieder ernste Zweifel. Im Communiqué zu Olsens Abgang und im öffentlichen Untersuchungsbericht zu Syrien geht Lafarge-Holcim auf diesen Punkt denn auch nicht ein – anders als bei den Schmiergeldzahlungen.

Wochenlanger Prozess

Internen Quellen zufolge war es ein wochenlanger Prozess, bis Olsen zur Einsicht gebracht werden konnte, zurückzutreten. VR-Präsident Beat Hess gilt als prinzipientreu und Verfechter einer Null-Toleranz-Politik, wenn es um Compliance geht. Grossaktionär Albert Frère (9,8 Prozent), im Board vertreten durch Gérard Lamarche und Paul Desmarais, hat mit seiner Firma Imerys selber gerade einen ähnlichen Skandal am Hals und wollte das Thema bei Lafarge-Holcim raschestmöglich beenden. Grossaktionär Nassef Sawiris (5 Prozent) ist seit langem unzufrieden mit der Performance von Lafarge-Holcim und hatte deshalb keinen Grund, an Olsen festzuhalten. Bei Grossaktionär Thomas Schmidheiny (11,9 Prozent) vermutet die französische Presse, die Vorwürfe seien ein willkommener Grund, Olsen durch einen Chef zu ersetzen, der den Fusionskonzern stärker «helvetisiere».

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Der Nachfolger Olsens wird extern gesucht. Bis er gefunden ist, wird Hess im stolzen Alter von 68 Jahren die CEO-Rolle ausfüllen, unterstützt vom bisherigen Europachef Roland Köhler als neuem COO.
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Das sind die Verbündeten und Gegner von VR-Präsident Beat Hess:
Das sind die Freunde und die Gegenspieler von LafargeHolcim-Präsident Beat Hess:Die Freunde:Als Hess im Sommer 1987 den Zusammenschluss von BBC mit Asea zu ABB aufgleisen sollte, rief er bei Homburger & Partner an. Der einzige Anwalt, der nicht in den Ferien weilte, war…
Peter Kurer, Präsident Sunrise
Mit Peter Voser und dessen Frau Daniela trifft sich das Ehepaar Hess regelmässig privat, etwa zum Grillnachmittag.
Freundschaftlich verbunden ist Hess weiterhin mit Pius Baschera, VR-Präsident bei Hilti und VR bei Roche und Schindler…
…sowie mit Renato Fassbind, zu gemeinsamen ABB-Zeiten dort Finanzchef und heute VR bei Swiss Re sowie zusammen mit Hess bei Nestlé.
Die Gegenspieler:Für einen Juristen hat Hess bemerkenswert wenig Feinde. Epische Schlachten lieferte er sich jedoch mit US-Anwälten. Bei der Asbest-Sammelklage gegen ABB 2001 etwa mit Joe Rice, Gründer der Kanzlei Motley Rice. Dieser kam mit Gulfstream IV, Goldkette und offenem Hemd nach Zürich. Damit ihn Hess empfangen durfte, musste ABB erst einmal 20 Millionen Dollar auf den Tisch legen.
Von ähnlichem Kaliber war Stanley Bernstein von Bernstein Liebhard LLP, der 2004 die Sammelklage gegen Shell wegen zu hoch deklarierter Erdölreserven anführte. Nach langen Verhandlungen legte ihm Hess einen Kompromissvorschlag auf den Tisch mit den Worten: «Entweder Sie akzeptieren jetzt und können sich Ihren Traum einer Villa in Palm Beach erfüllen, oder Ihre Enkel bekommen eines Tages Geld von Shell – vielleicht!» Bernstein akzeptierte.
Als VR musste Hess auch Sonova wegen mangelhafter Hörgeräte gegen eine Sammelklage verteidigen; Gegenspieler war damals Paul Schachter von Schachter, Hendy & Johnson. Mit seinen Erfahrungen bei ABB und Shell bekam Hess die Klage schnell vom Tisch. Bilder: Keystone/PR
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RMS
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