Abo
Der scheue ­Kapitän

Diego Aponte – im Zentrum der milliardenschweren Familien-Dynastie

Der Spross der Genfer Reederdynastie MSC zieht gerne im Hintergrund die Strippen – dabei hilft ihm ein exklusives Netzwerk.

sdf

<p>Diego Aponte, Erbe des MSC-Imperiums, steht im Zentrum eines mächtigen Familiennetzwerks. </p>

Diego Aponte, Erbe des MSC-Imperiums, steht im Zentrum eines mächtigen Familiennetzwerks. 

Fred Merz / lundi13

Werbung

Wie kaum ein anderer scheut Diego Aponte das Rampenlicht. Doch in diesen Wochen machte der 53-Jährige Schlagzeilen am Laufmeter: als wichtiger Drahtzieher hinter dem Zolldeal im Oval Office, als Spross der viertreichsten Schweizer Familie und als Klinik-Käufer. Aponte verfügt über ein gut funktionierendes Netzwerk. In und ausserhalb der Schweiz pflegt er Kontakte mit Wirtschaftslenkern, Politikern, Philanthropen. Einer der Geschäftspartner, mit denen er immer wieder in Verbindung gebracht wird, ist Johann Rupert (75), Präsident des Luxuskonzerns Richemont. Die beiden Genfer übernahmen 2022 gemeinsam den Mediclinic-Konzern für 4,3 Milliarden Franken. Jetzt teilen sie die Beute auf: MSC bekommt Hirslanden, die grösste Privatklinikgruppe der Schweiz. Rupert erhält die südafrikanischen Kliniken über seine Holding Remgro. Finanziell präsentiert sich die Spitalgruppe topfit: 930 Millionen Franken Umsatz im ersten Halbjahr, 122 Millionen Gewinn. Zum Netzwerk gehören 16 Kliniken in neun Kantonen, dazu OP-Zentren und Radiologie-Institute. Die Verträge werden im ersten Quartal 2026 unterzeichnet, die Übergabe folgt bis Ende Jahr. Für Aponte ist es ein kleiner, aber feiner Baustein in seinem diskreten Imperium.

Partner-Inhalte

Die Familie

Diego Aponte steht im Zentrum eines mächtigen Familiennetzwerks, das die Mediterranean Shipping Company (MSC) gemessen an der Flottenkapazität zur weltweit grössten Container-Reederei formte. Mit einem Familienvermögen von rund 25 Milliarden Franken belegt der Clan Platz vier im Ranking der 300 Reichsten der Schweiz. Als Gründer und Patriarch ist sein Vater Gianluigi Aponte der wichtigste Strippenzieher im Hintergrund. Der heute 85-Jährige baute aus einer kleinen süditalienischen Reederei das globale Speditionsimperium auf. Diegos Mutter Rafaela Diamant, Tochter eines in Genf tätigen israelischen Bankiers, brachte Finanzkontakte in die Familie ein.

Diego Aponte selbst startete 1997 als Junior-Ingenieur an Bord von MSC-Schiffen, durchlief diverse Abteilungen und gründete 2000 Terminal Investment Limited (TiL), deren Chairman er ist. 2014 wurde er Group President und CEO von MSC. Eine zentrale Stütze ist seine Ehefrau Elâ Aponte (46). Als Senior Vice President bei MSC leitet sie TiL und verantwortet den Kauf, den Verkauf und die Verwaltung von Containerschiffen. Die Tochter eines türkischen Hafenmagnaten brachte wertvolle Branchenkontakte in die Ehe ein. Gemeinsam haben sie drei Kinder.

Werbung

<p>Gianluigi Aponte, Rafaela ­Diamant (M.), Elâ Aponte.</p>

Gianluigi Aponte, Rafaela Diamant (M.), Elâ Aponte.

AFP, PR / BILANZ-Montage
<p>Gianluigi Aponte, Rafaela ­Diamant (M.), Elâ Aponte.</p>

Gianluigi Aponte, Rafaela Diamant (M.), Elâ Aponte.

AFP, PR / BILANZ-Montage

Die Finanzgeschäfte verwaltet seine jüngere Schwester Alexa Aponte Vago (50), die im Oktober in den Verwaltungsrat von Rolex gewählt wurde. Ein wichtiger Mitstreiter ist sein Schwager Pierfrancesco Vago, der als Executive Chairman die Kreuzfahrtsparte MSC Cruises führt – weltweit die Nummer vier im Kreuzfahrtgeschäft.

Der Sport

Diego Aponte hat ein Netzwerk in der Genfer Sportszene aufgebaut, das die Verbundenheit des Unternehmens mit der Stadt unterstreicht, wo MSC seit 1970 ansässig ist. Seit 2023 unterstützt die MSC Group als Hauptsponsor die Teams des Servette FC – sowohl die Herren- als auch die Frauenmannschaft. Das MSC-Cruises-Logo prangt auf den Trikots. Die dreijährige Partnerschaft umfasst zudem den Genève-Servette Hockey Club und Servette Rugby. Hervé Broch ist seit 2024 Clubpräsident. Die Fondation 1890, welche die Servette-Clubs hält, wird von Didier Fischer geleitet, der Ende 2025 an den Bankier Grégoire Pictet übergibt. Im Radsport ist MSC Cruises seit 2025 Hauptpartner des Teams Tudor Pro Cycling.

Werbung

<p>Grégoire Pictet, Hervé Broch, Didier Fischer (v.l.).</p>

Grégoire Pictet, Hervé Broch, Didier Fischer (v.l.).

Pierre Albouy, Frank Mentha / BILANZ-Montage
<p>Grégoire Pictet, Hervé Broch, Didier Fischer (v.l.).</p>

Grégoire Pictet, Hervé Broch, Didier Fischer (v.l.).

Pierre Albouy, Frank Mentha / BILANZ-Montage

«Team Switzerland»

Diego Aponte gilt als zentraler Kopf hinter dem spektakulären Treffen des «Team Switzerland» mit Donald Trump im Oval Office – jener Mission, die der Schweiz Zölle von 15  rozent auf Exporte in die USA bescherte. Angeblich zog Aponte im Hintergrund der Operation die Fäden, ohne selbst im Rampenlicht zu stehen. Zwar unterschrieb er das Communiqué, in dem sich die Besucher beim US-Präsidenten für dessen «Zeit und Aufmerksamkeit» bedankten – persönlich im Weissen Haus erschien er jedoch nicht.

Stattdessen engagierte Aponte einen Türöffner der Spitzenklasse: Carlos Trujillo, früherer Botschafter und republikanischer Abgeordneter, der über beste Drähte zum MAGA-Netzwerk rund um Trump verfügt. Der Lobbyist ebnete den Weg für Seco-Chefin Helene Budliger Artieda, die daraufhin eine schlagkräftige Public-Private Partnership schmiedete. Zur hochkarätigen Delegation gehörten Daniel Jaeggi, Mitgründer des Rohstoffhändlers Mercuria, Marwan Shakarchi, Mitinhaber des Edelmetallkonzerns MKS PAMP, Rolex-CEO Jean-Frédéric Dufour, Alfred Gantner, Mitgründer der Partners Group, und Johann Rupert, Patriarch des Luxuskonzerns Richemont. Gemeinsamer Nenner: persönliche Trump-Kontakte, Investitionsversprechen und Milliardenvermögen.

Werbung

<p>Carlos Trujillo, Alfred Gantner, Jean-Frédéric Dufour (v.l.).</p>

Carlos Trujillo, Alfred Gantner, Jean-Frédéric Dufour (v.l.).

PR, Dan Cermak für BILANZ / BILANZ-Montage
<p>Carlos Trujillo, Alfred Gantner, Jean-Frédéric Dufour (v.l.).</p>

Carlos Trujillo, Alfred Gantner, Jean-Frédéric Dufour (v.l.).

PR, Dan Cermak für BILANZ / BILANZ-Montage

Die Gegenspieler

Die SP schiesst scharf gegen Apontes Privatdiplomatie. Co-Präsident Cédric Wermuth kritisiert den Deal als Kapitulation gegenüber Trump – eine «Anbiederungsstrategie» mit fragwürdigen Zugeständnissen bei Sicherheitsstandards und Waffenimporten. Die intransparenten Verhandlungen seien ein zu hoher Preis für niedrigere Zölle. Noch härtere Geschütze fahren die Grünen und die Juso auf: Sie haben bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeigen eingereicht. Die Tessiner Nationalrätin Greta Gysin führt die Anzeige gegen unbekannt wegen mutmasslicher Bestechung federführend an. An ihrer Seite kämpft der Waadtländer Nationalrat Raphaël Mahaim, der warnt: Die Glaubwürdigkeit der Institutionen und die Rechtsstaatlichkeit stünden auf dem Spiel.

<p>Cédric Wermuth (l.), Greta Gysin, Raphaël Mahaim.</p>

Cédric Wermuth (l.), Greta Gysin, Raphaël Mahaim.

Keystone, Peter Schneider / BILANZ-Montage
<p>Cédric Wermuth (l.), Greta Gysin, Raphaël Mahaim.</p>

Cédric Wermuth (l.), Greta Gysin, Raphaël Mahaim.

Keystone, Peter Schneider / BILANZ-Montage

Philanthropie

Neben dem Reederei-Imperium engagiert sich Diego Aponte als Philanthrop. 2018 gründete die Familie die MSC Foundation – eine gemeinnützige Stiftung für Umwelt- und humanitäre Programme. Geführt wird die Stiftung von Generalsekretärin Marina Anselme und Geschäftsführerin Daniela Picco, die Projekte wie die Zucht klimawiderstandsfähiger Korallen und die Restaurierung von Riffen finanziert. 2024 kündigte die Stiftung ein bemerkenswertes Projekt an: ein Spitalschiff für Afrika. Die schwimmende Klinik mit sechs OP-Sälen und Kapazität für 600 Personen soll jährlich Tausenden kostenlose Operationen ermöglichen.

Werbung

Für sein Philanthropie-Netzwerk verpflichtete Aponte prominente Botschafter: Die Meeresbiologin Sylvia Earle, «Her Deepness» und Gründerin von Mission Blue, wurde Taufpatin der «Explora I», dem ersten Luxus-Kreuzfahrtschiff der MSC Group. Zudem benannte die Reederei ein Expeditionsschiff für Abenteuerreisen in die Arktis und Antarktis nach ihr.

<p>Sylvia Earle (l.), ­Michael Horn, ­Daniela Picco.</p>

Sylvia Earle (l.), Michael Horn, Daniela Picco.

PR, Dukas, Getty Images / BILANZ-Montage
<p>Sylvia Earle (l.), ­Michael Horn, ­Daniela Picco.</p>

Sylvia Earle (l.), Michael Horn, Daniela Picco.

PR, Dukas, Getty Images / BILANZ-Montage

Ein weiterer Unterstützer ist Mike Horn. Der südafrikanisch-schweizerische Polarforscher – berühmt für seine Äquator-Umrundung ohne Motor und Solodurchquerung der Antarktis – sitzt im Advisory Board der MSC Foundation. An Bord der «Explora II» hält er zudem Vorträge über die Verletzlichkeit der Ozeane.

Über die Autoren
sdf

Anne-Barbara Luft

Anne-Barbara Luft

Relevante Themen

Werbung