Nicolas Ghesquière präsentierte seine neueste Frauenkollektion am 30. September in majestätischem Ambiente, im Louvre. Eine historische Taschenuhr hatte dabei einen schönen Auftritt, nicht an Kettenkrawatten oder als Exponat, sondern an einer sehr langen Goldkette um die schmale Hüfte eines Models geschlungen. Ein kleiner Kniff mit grosser Botschaft:
Louis Vuitton, die ihre Uhrmacherei in den letzten Jahren ernsthaft hochgefahren hat, spielt nicht nur mit Technik und Email-Miniaturen, sondern auch mit dem, was Zeit am Körper bedeuten kann: Status? Erinnerung? Rebellion? Aufmerksamkeit auf jeden Fall: Die hatte auch Rihanna, die an der Debütshow von Pharrell Williams für Louis Vuitton mit einer 670’000-Dollar-Jacob&Co. als Choker auftauchte und dann big time viral ging. Und auch Taylor Swift, die an den 66. Grammy Awards mit einer Vintage-Uhr am Hals einen glamourösen Auftritt hatte. Im Fall der Louis-Vuitton-Show geht die Glorie nicht an die Trägerin, sondern an die Uhr an sich. Sie funktioniert am Gürtel wie eine Sirene zwischen Nostalgie und Neuinterpretation: Sie zieht die Blicke dorthin, wo man einst Taschenuhren versenkte – in Westen- oder Taschenfalten –, und verlegt Zeit ins Off-Center: Hüfte statt Handgelenk, Auffälligkeit statt Understatement.