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Louis Vuittons heisse Wette

Wie teuer darf ein Lippenstift sein?

Louis Vuitton schraubt die Kosmetik-Preise auf ein neues Level. Und tritt damit eine Kontroverse los.

Marcel Speiser Handelszeitung

<p>Doppelt so teuer wie die Lippenstifte von Hermès: La Beauté von Louis Vuitton.</p>

Doppelt so teuer wie die Lippenstifte von Hermès: La Beauté von Louis Vuitton.

ZVG

Der kürzlich verstorbene Leonard Lauder, der Gentleman, der aus der elterlichen Firma den Kosmetikgiganten Estée Lauder geformt hat, sah im Lippenstift eine Art Konjunkturindikator. Je höher der «Lipstick-Index», befand Lauder, desto schlechter die Stimmung der Konsumentinnen und Konsumenten. Denn Lauder deutete den erhöhten Absatz von Lippenstiften als Ersatzhandlung für den Kauf von wesentlich teureren Produkten wie Mode, Schmuck oder Uhren. Weil sich Frauen trotzdem etwas gönnen möchten, würden sie eben zu Erschwinglichem greifen – also Lippenstiften.

Die Stichhaltigkeit von Lauders Theorie wurde schon von diversen Seiten infrage gestellt; selbst seriöse Ökonomen haben sich mit dem «Lipstick-Index» befasst. Nun aber stellt ausgerechnet ein Neuling im Kosmetikbusiness alles, was Lauder einst hochgehalten hat, auf den Kopf.

Mitten in der grossen Luxuskrise lanciert mit Louis Vuitton die grösste Luxusmarke der Welt eine Kosmetiklinie, die sich komplett vom etablierten Preisgefüge verabschiedet. Louis Vuitton verlangt für einen Lippenstift 160 Dollar, für ein Döschen mit Lidschatten 250 Dollar. Zum Vergleich: Hermès verlangt für einen Lippenstift rund 80 Dollar, Chanel und Dior rund 50 Dollar. Im Handel gibt es die Produkte auch für unter 5 Franken.

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