Start-up

Synthara: Die Rechenmeister

Das Zürcher Start-up Synthara entwickelt ­KI-Chips, die deutlich energieeffizienter sind als bisherige Lösungen.

Marc Kowalsky

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Manu Nair (l.) und Alessandro Aimar ermöglichen mit ihrem Produkt bei Edge-KI-Prozessen einen um bis zu 98 Prozent tieferen Energieverbrauch. Suse Heinz für BILANZ

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Die Geschäftsidee?

Synthara bietet eine Basistechnologie, die es der Industrie ermöglicht, deutlich effizientere KI-fähige Prozessoren zu entwickeln. Unser Produkt ComputeRAM führt Rechenoperationen direkt im Speicher durch, überwindet damit die Speicherbarriere und sorgt für einen um bis zu 98 Prozent geringeren Energieverbrauch bei Edge-KI-Prozessoren sowie für 20 Prozent niedrigere Gesamtbetriebskosten bei KI-Inferenz-Chips für Rechenzentren, ohne das Ökosystem zu beeinträchtigen.

Wie ist sie entstanden?

KI-Prozessoren verbringen den Grossteil ihrer Zeit und Energie damit, Informationen zwischen Recheneinheit und Speicher hin und her zu schleusen – die Speicherbarriere. In-Memory Computing (IMC) versprach seit Jahrzehnten eine Lösung. Doch jeder bisherige Ansatz zerstörte das Halbleiter-Ökosystem und erzwang Kompromisse bei Präzision, Portabilität oder Softwarekompatibilität. ComputeRAM wurde entwickelt, um IMC herstellbar, portabel und einfach integrierbar zu machen.

Warum der Name?

Synthara ist ein Wort, das wir erfunden haben. Es weckt ein Gefühl von Schöpfung und Neuheit.
  • Website: www.synthara.ai
  • Gegründet: Mai 2019
  • Gründer: Manu Nair (39), CEO; Alessandro Aimar (38), CTO
  • Firmensitz: Zürich
  • Anzahl Mitarbeiter: 22
  • Umsatzziel für 2026: 3,5 Mio. Fr.
  • Profitabel: seit 2025

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Woher stammt das Startkapital?

Das Anfangskapital stammte von den Gründern und frühen Investoren im Rahmen der ersten Finanzierungsrunde des Unternehmens.

Womit erzielen Sie die Umsätze?

Durch die Lizenzierung unserer IP an Kunden sowie durch Finanzierungsrunden und öffentliche Innovationsförderung, einschliesslich europäischer und schweizerischer Fördermittel, welche die Entwicklung und Kommerzialisierung der Technologie unterstützen.

Die Vision?

Den Architekturstandard für KI-Prozessoren der nächsten Generation zu definieren.

Die grosse Stärke?

Unser Team. Synthara verfügt über ein hochtechnisches Team von insgesamt 22 Fachleuten mit Expertise in den Bereichen Speicherdesign, Computing, digitale Elektronik, künstliche Intelligenz, Layout-Engineering und Foundry-Technologie. Sie verfügen im Durchschnitt über rund acht Jahre Erfahrung.

Die grösste Herausforderung?

Die grösste Herausforderung bestand darin, zu verstehen, was Kunden wirklich brauchten, und darin, herauszufinden, wer die richtigen Kunden für uns waren. Wir mussten unserer Technologie erhebliche Tiefe und Breite verleihen. Dies schnell und kosteneffizient zu erreichen, erforderte nicht nur viel gezielten Einsatz, sondern auch ein wenig Glück.

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Der bisher grösste Erfolg?

Die Umsetzung von ComputeRAM in Silizium und die Sicherung einer frühen kommerziellen Akzeptanz, einschliesslich unterzeichneter Lizenzverträge im Wert von circa drei Millionen Franken und Kooperationen mit führenden Halbleiterunternehmen in den Bereichen Edge-KI und Rechenzentrumsanwendungen.

Die bisher grösste Überraschung?

Die grösste Überraschung war bisher, zu sehen, wie sich die Branche auf Architekturansätze und Designstrategien zubewegt, die wir schon sehr früh identifiziert hatten.

Der nächste Schritt?

Die Einführung von ComputeRAM skalieren, indem wir weitere Design-Wins und Silizium-Proof-Points auf fortschrittlichen Knoten sichern, die Software-Reife ausbauen, Branchenpartnerschaften stärken und Synthara als De-facto-Standard für Rechenspeicher positionieren.

Expertenmeinungen

▶ «Thema ist jetzt heiss»

«Synthara ist schon seit 2019 unterwegs, jetzt ist das Thema heiss. Ich sehe sehr viele solche Start-ups in den USA, aber die sind fokussiert auf Datencenter mit hohem Energiebedarf. Synthara geht auf kleinere Anwendungen wie Wearables oder smarte Sensoren – da gibt es auch viel Konkurrenz, aber die meisten sind im Stealth-Modus. Halbleiter ist kein einfaches Business, das Ökosystem ist klein, man muss schnell mit den grossen Partnern zusammenkommen. Der Co-Founder von ARM, der im Advisory Board von Synthara sitzt, kann da sicher helfen. Auch der CEO ist well-connected und macht einen guten, hungrigen Eindruck. Was mir gefällt: Die Kunden können die existierende Software auf den Synthara-Chips weiterbenutzen, das hilft beim Onboarding, denn die Sales-Zyklen sind lang. Die Investoren sind namhaft, die Ziele ambitiös sowohl für Funding als auch für Verkäufe. Stimmt die Value Proposition von 98 Prozent weniger Energieverbrauch und 30 Prozent mehr Computerpower, können sie es schaffen. Dazu braucht es gute Partner, die die Chips in grossen Mengen distribuieren. Gelingt hier ein Lucky Punch, könnte aus Synthara eine schöne Firma werden.»
Digital Shapers 2020 Hall of Fame Alex Fries PD
Alex Fries ist Gründer von Digital Twins und lebt im Silicon Valley.PR
Digital Shapers 2020 Hall of Fame Alex Fries PD
Alex Fries ist Gründer von Digital Twins und lebt im Silicon Valley.PR

▶ «Dann scheppert es»

«Synthara entwickelt eine krasse Technologie für einen sehr attraktiven Markt. Wenn man da mal Fuss fasst, kann die Firma riesig werden, das lässt sich super skalieren. Dann scheppert es in der Kasse. Auch die USP, dass man den Synthara-Chip umprogrammieren kann, ohne ihn neu zu designen, gefällt mir. Da ist die Konkurrenz dünn. Aber bei Hardware dauert alles länger, Synthara ist schon seit einiger Zeit unterwegs, die Kunden beissen nur langsam an. Irgendwann müssen die Pilot- in Grossaufträge konvertiert werden. Der CEO sagt selber, sie müssten auf Silicon-Valley-Speed kommen. Deshalb macht eine grosse Funding-Runde jetzt Sinn. Das Team von Synthara ist sicher gut, aber auch da fehlt mir ein Highspeed-Verkäufer – den müssen sie sich irgendwo im Markt holen. Und am besten gleich den ganzen Executive-Level ausbauen, damit man mit den Amerikanern auf Augenhöhe sprechen kann. Oder einen Superstar holen, der die Türen öffnet, wie das die Kollegen von Corinthis mit dem Intel-CEO erfolgreich gemacht haben. Insgesamt glaube ich, dass Synthara für gewisse Anwendungen ihre Nische finden kann. Dann wird aus dieser Firma eine Top-Company!»
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Pascal Mathis leitet ­Founderful mit Fokus auf Schweizer Start-ups.Daniel Kunz
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Pascal Mathis leitet ­Founderful mit Fokus auf Schweizer Start-ups.Daniel Kunz

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Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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