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Spreu und Weizen

Fintech: Die Zeiten der Euphorie sind vorbei

Einige Player sind verschwunden, andere erfinden sich neu – die Konsolidierung ist in vollem Gange. Jetzt braucht die Branche neue Strategien.

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Co-GrΓΌnder und CEO Jan-Philip Schade hat mit dem Ausstieg aus dem Direktkunden-Business Kaspar& auf den Wachstumspfad gefΓΌhrt. PR

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Es ist eine ernΓΌchternde Erkenntnis, zu der Jan-Philip Schade in den letzten Monaten gekommen ist: Β«Noch vor einigen Jahren hiess es, die Banken mΓΌssten sich warm anziehen wegen der Konkurrenz durch Fintechs. Doch der Hype ist vorbei – vieles wurde zu optimistisch eingeschΓ€tzt.Β» Der GrΓΌnder und CEO der Neobank Kaspar& hat Ende vergangenen Jahres einen drastischen Strategiewechsel vollzogen. Nach vier Jahren hat das St. Galler Fintech das DirektkundengeschΓ€ft aufgegeben. Rund 7000 Kunden – jeder einzelne mit vielen Marketing-Dollars hart erkΓ€mpft – wurde gekΓΌndigt. Der neue Fokus: Business mit GeschΓ€ftskunden. Β«PersΓΆnlich war es ein harter Schlag, aus unternehmerischer Sicht das einzig RichtigeΒ», sagt Schade.
Die Neuausrichtung von Kaspar& ist beispielhaft fΓΌr die Schweizer Fintech-Szene. Die hochgejubelte Branche befindet sich seit mehr als einem Jahr in einer Konsolidierung, die bereits mehrere Opfer gefordert hat.
Zwischen 2016 und 2022 war der Schweizer Fintech-Sektor wie im Rausch von 190 auf 437 Unternehmen gewachsen. Im Jahr darauf erreichte die Zahl der Firmen mit 483 einen HΓΆchststand. Seither stagniert der Markt – NeugrΓΌndungen, Liquidationen und Fusionen halten sich die Waage. FΓΌr Christopher Blaufelder, der bei McKinsey innerhalb der Schweizer Banking Practice die Beratungslinie fΓΌr die Bereiche Finanzinfrastruktur und Fintech leitet, ist das kein Zeichen fΓΌr eine Krise, sondern ein neues Level der Marktreife. Β«Wettbewerb ist sehr wichtig, doch braucht es in der Schweiz nicht unendlich viele sehr Γ€hnliche Fintech-Apps mit Konto, Debitkarten- und Anlagefunktion. In diesem Sinne ist weniger die Anzahl der Fintechs wichtig, sondern deren Nutzen und QualitΓ€t fΓΌr Endkunden, sowie ihre Effizienz und ihre Skalenvorteile. Und da sehe ich ganz klar grosse Erfolge.Β»

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gibt es in der Schweiz. Die Zahl stagniert seit 2023 – NeugrΓΌndungen und Liquidationen halten sich die Waage. Es riecht nach MarktsΓ€ttigung.
sind derzeit in der Schweiz aktiv. Vor drei Jahren waren es noch 16. Trotz einiger Liquidationen bleibt die Dichte in der Schweiz hoch.
gab es im letzten Jahr weltweit, 20 Prozent mehr als 2024. Ein Grund ist der massive RΓΌckgang der Investitionen von Risikokapitalgebern.

Opfer der Konsolidierung

Doch lΓ€ngst nicht alle Fintechs schaffen den Übergang in die neue Marktphase. Zum Opfer der Konsolidierung wurde das Genfer Start-up Swiss4. Die Kombination von Bankingdiensten und Premium-Lifestyle-Services sollte vermΓΆgende Kunden ansprechen, das hoffte zumindest GrΓΌnderin und CEO Zhina Asmaei. 2024 ging die App live mit MultiwΓ€hrungskonten, Mastercard-World-Elite-Karten und einem 24/7 erreichbaren digitalen Concierge fΓΌr Reisen, Events und Lifestyle. Doch nur 250 Kunden fanden das Premiummodell ansprechend. Zu wenig zum Überleben. Knapp ein Jahr spΓ€ter, im MΓ€rz 2025, erΓΆffnete die Finanzmarktaufsicht (Finma) den Konkurs wegen Überschuldung und LiquiditΓ€tskrise. Von den einst 16 Schweizer Neobanken waren damit noch 12 ΓΌbrig – seither ist die Zahl auf 10 geschrumpft.
Zhina Asmaei, CEO und MitgrΓΌnderin von Swiss4, setzte nicht auf Masse, sondern auf Mass Affluents und scheiterte nach weniger als einem Jahr.
Zhina Asmaei, CEO und Mitgründerin von Swiss4, setzte nicht auf Masse, sondern auf Mass Affluents und scheiterte nach weniger als einem Jahr.David Wagnières
Zhina Asmaei, CEO und MitgrΓΌnderin von Swiss4, setzte nicht auf Masse, sondern auf Mass Affluents und scheiterte nach weniger als einem Jahr.
David Wagnières

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Bereits ein Jahr zuvor hatte die Finma ein Konkursverfahren gegen die Genfer FlowBank erΓΆffnet, einen absoluten HoffnungstrΓ€ger der Branche. Schon drei Jahre nach der GrΓΌndung hatte CEO Charles Henri Sabet einen positiven Cashflow erzielt – im Juni 2024 erΓΆffnete die Finma den Konkurs. EigenkapitalmΓ€ngel seien trotz geforderter Sanierungsmassnahmen nicht behoben worden.
Charles Henri Sabet, GrΓΌnder und CEO der FlowBank, wollte sehr schnell wachsen. 2024 zog die Finma den Stecker.
Charles Henri Sabet, GrΓΌnder und CEO der FlowBank, wollte sehr schnell wachsen. 2024 zog die Finma den Stecker.Keystone
Charles Henri Sabet, GrΓΌnder und CEO der FlowBank, wollte sehr schnell wachsen. 2024 zog die Finma den Stecker.
Keystone
Mit Pauken und Trompeten ging im vergangenen Jahr Radicant unter. Die selbst ernannte Β«erste richtig grΓΌne Neobank der SchweizΒ» durchlief vier CEO-Wechsel in vier Jahren. 2024 ΓΌbernahm Anton Stadelmann. Sein Erfolgsausweis war vielversprechend: Die Bezahl-App Twint hatte er zur MarktfΓΌhrerin gemacht. Er verwarf den reinen Nachhaltigkeitskurs, fΓΌhrte aggressives Pricing und neue Features ein – die Zahl der Kunden stieg merklich an. FΓΌr noch mehr Wachstum ΓΌbernahm Radicant im Oktober 2024 das Fintech Numarics fΓΌr das KMU-TreuhandgeschΓ€ft. Ein strategischer Fehler: Die Integration scheiterte und lΓΆste 2025 eine 105-Millionen-Wertberichtigung aus. MehrheitsaktionΓ€rin BLKB stellte das Engagement ein, die Banklizenz wurde zurΓΌckgegeben. Im Dezember einigte sich Radicant mit der Digitalbank Alpian auf den Transfer von rund 20’000 Kunden bis zum April 2026.

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Nach einem turbulenten Aufstieg als Nachhaltigkeits-Plattform scheiterte Radicant unter CEO Anton Β­Stadelmann an strategischen Fehlern.
Nach einem turbulenten Aufstieg als Nachhaltigkeits-Plattform scheiterte Radicant unter CEO Anton Stadelmann an strategischen Fehlern.PR
Nach einem turbulenten Aufstieg als Nachhaltigkeits-Plattform scheiterte Radicant unter CEO Anton Β­Stadelmann an strategischen Fehlern.
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WΓ€hrend einige Fintech-Unternehmen verschwinden, erfinden sich andere neu. Der Strategiewechsel von Kaspar& ist beispielhaft fΓΌr einen Trend am Schweizer Markt. Β«Wir sehen eine Tendenz weg von B2C-GeschΓ€ftsmodellen hin zu B2BΒ», sagt Stephanie Wickihalder, PrΓ€sidentin von Swiss Fintech Innovations (SFTI), dem unabhΓ€ngigen Verein zur FΓΆrderung von Innovationen in der Schweizer Finanzindustrie. Auch Yapeal, die 2020 als erste Finma-lizenzierte Smartphone-Bank fΓΌr Privatkunden startete, hat im vergangenen Jahr ihr Retailkunden-GeschΓ€ft ΓΌber die App aufgegeben und auf Embedded-Finance-LΓΆsungen umgestellt.

Neue Strategie als Rettung

FΓΌr Kaspar& war dieser Schwenk matchentscheidend. Jan-Philip Schade grΓΌndet 2020 mit Lukas Plachel, Lauro BΓΆni und Sebastian BΓΌchler das Fintech Kaspar&, ein Spin-off von HSG und ETH. Digitale VermΓΆgensverwaltung fΓΌr die Masse, lautet das Versprechen. In den Verwaltungsrat holen sie Fintech-GrΓΆssen wie Twint-Erfinder Thierry Kneissler. Ende Februar 2022 geht die App auf dem Schweizer Markt live.

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Doch vor gut zwei Jahren die ErnΓΌchterung: Das DirektkundengeschΓ€ft funktioniert nur harzig. Der Markt fΓΌr digitale Anlage- und BankinglΓΆsungen ist gnadenlos umkΓ€mpft. Zu viele Player mit zu viel Geld wetteifern um potenzielle Kunden. Yuh hat Swissquote im RΓΌcken, andere ebenso kapitalkrΓ€ftige Partner und entsprechende Mittel, um Kunden zu jagen. Kaspar& kann da nicht mithalten.
Zweites Problem: der Preiskampf. Konkurrenten wie Findependent oder Viac locken mit NiedriggebΓΌhren und differenzieren sich primΓ€r ΓΌber den Preis. Kaspar& gelingt es nicht, so zu wachsen, dass gewonnene Kunden dauerhaft profitabel werden. Anders gesagt: Der Zeitraum bis zur ProfitabilitΓ€t dauert zu lange. Schade schwenkt um und bietet die Technologie Banken an. Es entsteht eine Kooperation mit der Acrevis Bank. Doch rasch zeigt sich: Das junge Unternehmen ΓΌbernimmt sich, wenn parallel B2C- und B2B-GeschΓ€ft mit Partnerbanken laufen sollen.
Wer beim Stichwort Fintech noch an hippe Start-ups mit ein paar Tausend Nutzern denkt, hat die RealitΓ€t verschlafen. Global spielen die digitalen Herausforderer lΓ€ngst in einer Liga, die selbst Schweizer Schwergewichte alt aussehen lΓ€sst.
Revolut bringt es mittlerweile auf 65  Millionen Kunden in 39  LΓ€ndern – ein Wachstum von ΓΌber 82  Prozent seit Anfang 2024. Allein in der Schweiz nutzen mehr als eine Million Finanzkunden die Plattform aus Grossbritannien. Zum Vergleich: Die ZKB bedient rund 2  Millionen Kunden, Postfinance 2,5 Millionen und die UBS hierzulande ebenfalls 2,5 Millionen Privatkunden. Nikolay Storonsky, CEO und MitgrΓΌnder von Revolut, hat aber noch grΓΆssere PlΓ€ne. Sein ambitioniertes Ziel lautet: bis Mitte 2027 weltweit 100 Millionen Privatkunden zu erreichen. DafΓΌr will er noch mehr LΓ€nder erobern, neue Produkte entwickeln und Revolut zu einer globalen Marke machen.
Der wahre Gigant sitzt derzeit in Brasilien: Nubank zΓ€hlt ΓΌber 127 Millionen Kunden – mehr als die meisten europΓ€ischen Grossbanken zusammen. In ganz anderen SphΓ€ren bewegt sich inzwischen WeBank. Chinas erste rein digitale Bank, gegrΓΌndet 2014, bedient ΓΌber 420 Millionen Nutzer hauptsΓ€chlich in China. Selbst lokale Schweizer Fintechs wie die Swissquote-Tochter Yuh sind mit ΓΌber 350’000 Nutzern lΓ€ngst keine NischenphΓ€nomene mehr.
Das Erfolgsrezept? Simple Konten, transparente GebΓΌhren, nahtlose Apps. FΓΌr Experten signalisieren die rasant steigenden Kundenzahlen einen fundamentalen Shift: weg von der Filiale hin zur digitalen Schnittstelle. FΓΌr etablierte Institute bedeutet das Druck zur Modernisierung oder zur Kooperation. Viele setzen auf Partnerschaften: Banken bringen regulatorisches Know-how und Vertrauen, Fintechs die Innovationskraft.
Β«Es kam der Moment, in dem wir radikal umdenken und uns fokussieren mussten. Nach dem Motto β€ΉKill Your Darlingsβ€Ί haben wir uns dafΓΌr entschieden, uns nur noch auf die Zusammenarbeit mit unseren GeschΓ€ftskunden zu konzentrierenΒ», sagt Schade. Die Rechnung geht auf: Β«Wir brauchen weniger Kunden, um eine grΓΆssere Anzahl von Endkunden bedienen zu kΓΆnnen. Es ist ja quasi B2B2C: Wir bedienen Banken und ΓΌber die Banken dann die Endkunden.Β» Die Kosten sinken drastisch. Nach Acrevis kommt der Vorsorge-Experte Liberty. Drei weitere Regionalbanken stehen kurz bevor. So weit lΓ€uft das Wachstum. Viele Schweizer Fintechs mit Direktkunden-Modellen kΓ€mpfen mit ganz Γ€hnlichen Herausforderungen wie Kaspar&. Β«Viele junge Fintechs unterschΓ€tzen die Kosten fΓΌr die KundenakquiseΒ», hat Akin Soysal, Partner bei Boston Consulting, in den vergangenen Jahren beobachtet. Β«Das DirektkundengeschΓ€ft kostet am Anfang, wenn man sich am Markt etablieren will, sehr, sehr viel.Β»

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Knappes Risikokapital

Doch selbst wer bereit ist, Millionen ins Marketing zu investieren, stΓΆsst auf ein weiteres Problem: Das Risikokapital ist knapp geworden. Die Β«IFZ FinTech Study 2025Β» der Hochschule Luzern zeigt das Ausmass der Finanzierungskrise: Vom HΓΆchststand von 605 llionen Franken 2022 brachen die Finanzierungen auf nur noch 301 llionen 2024 ein. Besonders dramatisch bei den FrΓΌhphasen-Investments: Startkapital-Finanzierungen sanken von 232 llionen 2023 auf mickrige 19 llionen 2024. Wer heute ein Fintech grΓΌndet, findet kaum noch Investoren.
Der Schweizer Markt ist in mehrfacher Hinsicht speziell. Der Vorteil: Fintechs kΓΆnnen hΓΆhere Preise durchsetzen als in anderen LΓ€ndern. Β«Es ist ein Premiummarkt, gleichzeitig sind die Kunden sehr anspruchsvollΒ», sagt Banken- und Fintech-Experte Soysal. Ein Nachteil ist hingegen die GrΓΆsse. Das erscheint banal, erweist sich aber regelmΓ€ssig als Stolperstein. Β«Wir sehen immer wieder GrΓΌnder, die GeschΓ€ftsmodelle wie beispielsweise Robinhood in der Schweiz kopieren. Doch die lassen sich hierzulande nicht in ausreichendem Umfang skalieren. Solche AnsΓ€tze werden auch weiterhin scheiternΒ», sagt Soysal voraus. Selbst erfolgreiche Player wie Yuh, die Neobank von Swissquote, denken ΓΌber eine Expansion ins Ausland nach – ein Zeichen dafΓΌr, dass auch fΓΌr die Grossen der Schweizer Markt an Grenzen stΓΆsst.

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Fintech-GrΓΌnder Schade ist der Ansicht, dass viele Fintechs eine weitere elementare Herausforderung unterschΓ€tzt haben: Β«Bankkunden sind nicht nur sehr faul, wenn es ums Wechseln des Dienstleisters geht, sondern auch das Vertrauen spielt eine gigantische Rolle. In der Schweiz hat jeder zwei oder mehr Konten und vertraut der Institution, die dahintersteht.Β» Ein Mangel an Bankangeboten besteht in der Schweiz sicher nicht.
Jan-Philip Schade verfolgt mit Kaspar& nun eine andere Strategie.
Jan-Philip Schade verfolgt mit Kaspar& nun eine andere Strategie.PR
Jan-Philip Schade verfolgt mit Kaspar& nun eine andere Strategie.
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FΓΌr Stephanie Wickihalder bleibt die Frage offen, warum die Angebote vieler Fintechs fΓΌr die Finanzkunden oftmals zu wenig attraktiv und teils auch zu wenig bekannt sind. Ein Hemmnis in den letzten Monaten sei die ZurΓΌckhaltung von Banken und Versicherungen bei der Zusammenarbeit mit Fintechs gewesen. Β«Viele FinanzintermediΓ€re besinnen sich derzeit auf ihre Kernkompetenzen, und Partnerschaften mit Fintechs gehΓΆren aktuell weniger dazuΒ», sagt Wickihalder. Der Innovationsappetit habe abgenommen, und die entsprechenden Budgets wΓΌrden stagnieren oder sogar verkleinert.

Starke Teams gefordert

Schlussendlich stehen Fintech-GrΓΌnderinnen und -GrΓΌnder vor denselben Herausforderungen wie alle anderen Start-ups. Β«Es ist das eine, eine gute Idee zu haben. FΓΌr den Erfolg braucht es aber auch ΓΆkonomisches Gedankengut und die FΓ€higkeit, Kooperationen aufzubauen und Γ–kosysteme zu pflegenΒ», formuliert Wickihalder hΓ€ufige Probleme. Β«Vor allem braucht es ein starkes Team. Ich habe schon oft gute Ideen gesehen, aber dann waren nicht die richtigen Personen damit betraut. Nicht jeder GrΓΌnder, der sehr technisch versiert ist, findet die notwendigen Kooperationspartner auf dem Finanzplatz und kann die GeschΓ€ftsidee auch erfolgreich potenziellen Investoren verkaufen.Β»

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Nachhaltigkeits-Falle

Mehr als zehn Prozent der Schweizer Fintechs legen laut Zahlen der Hochschule Luzern einen Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit. In den vergangenen Jahren ist dieses Segment ΓΌberproportional gewachsen. Zuletzt hatten Anlagevehikel mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit AbflΓΌsse verbucht – teilweise in RekordhΓΆhe. Die Politik von US-PrΓ€sident Donald Trump hat die Anti-ESG-Stimmung nicht nur in den USA, sondern auch in Europa befeuert. Β«Ich glaube, die Zeit von ESG als Alleinstellungsmerkmal ist vorbeiΒ», lautet das rigorose Urteil von Stephanie Wickihalder. Β«Ich bin auch ΓΌberrascht, wie schnell es gegangen ist. Player, die primΓ€r in diesem Feld aktiv sind, mΓΌssen sich entweder breiter aufstellen oder neu erfinden.Β»
Β«Diejenigen Fintechs, die den Kunden einen echten Mehrwert liefern, werden sich durchsetzen. Sie sind fΓΌr Banken in gewissen Segmenten bereits ernsthafte KonkurrenzΒ», sagt Christopher Blaufelder von McKinsey. Noch vor fΓΌnf Jahren habe man in den FΓΌhrungsriegen der traditionellen Finanzinstitute Fintechs mitunter belΓ€chelt. Er ist ΓΌberzeugt, dass etablierte Banken auch kΓΌnftig relevant bleiben, jedoch sei man aufgewacht.
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Diese vier Smartphone-Banken fallen in der Schweiz besonders auf

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Immer wieder beklagen Fintech-GrΓΌnder die Zusammenarbeit mit der Finma. Zu lange und bΓΌrokratische Verfahren, zu strenge Regulierung, Wettbewerbsnachteile und mangelnde Innovationsfreundlichkeit – so lauten die Kritikpunkte. Einer, der sich unermΓΌdlich zu diesen Punkten Γ€ussert, ist Michael BrΓΌggler, selbst Fintech-GrΓΌnder und PrΓ€sident der Swiss Fintech Alliance (SFA): Β«Das Hauptproblem ist, dass die Finma die AntrΓ€ge fΓΌr eine Lizenz zwei bis drei Jahre prΓΌft. Und dies, nachdem jedes Fintech fΓΌr diesen Antrag bereits eine sehr grΓΌndliche PrΓΌfung durch eine der grossen WirtschaftsprΓΌfungsgesellschaften hat abschliessen mΓΌssen.Β»

Langes Warten auf Lizenzen

FΓΌr die Schweizer Fintech-Szene sei diese lange Wartezeit ein grosses Hemmnis. Β«In sechs Jahren haben gerade mal sechs Fintechs eine Lizenz erhalten – zwei davon sind inzwischen von der Finma wieder liquidiert wordenΒ», argumentiert BrΓΌggler.
Besonders unverstΓ€ndlich findet BrΓΌggler, dass immer wieder neue Unterlagen nachgeliefert werden mΓΌssen: Β«Es ergibt gar keinen Sinn fΓΌr mich, dass kleine Fintechs so detailliert geprΓΌft werden. Die Finma schickt immer wieder Briefe mit bis zu zwanzig Fragen, teilweise zu Themen, die gar nicht relevant sind.Β» WΓ€hrend dieser Wartezeit entstehen fΓΌr die jungen Unternehmen teilweise Kosten in MillionenhΓΆhe. Das unternehmerische Risiko ist laut BrΓΌggler unter diesen Rahmenbedingungen fΓΌr viele Start-ups nicht tragbar.

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Die Finma nimmt dazu Stellung: Die Fintech-Lizenz schaffe bewusst einen Mittelweg zwischen vollstΓ€ndiger Banklizenz und unreguliertem Bereich. Strenge, aber klare Anforderungen seien aus ihrer Sicht kein Innovationshemmnis. Sie schaffen Vertrauen bei Kundinnen und Kunden sowie bei Investoren – ein zentraler Standortfaktor in einem digitalisierten Finanzmarkt.
Β«Die Finma macht keinen schlechten Job. Sie arbeitet in einem anderen regulatorischen Umfeld als viele internationale AufsichtsbehΓΆrden. Im Vergleich zu den USA ist der regulatorische Rahmen weniger politisch geprΓ€gt, gleichzeitig weniger formalistisch als in Deutschland. Die britische FCA wiederum lΓ€sst in bestimmten Bereichen mehr Raum fΓΌr ExperimenteΒ», sagt Soysal. FΓΌr den Branchenkenner wird die vermeintliche Strenge und TrΓ€gheit der Finma von einigen Playern als Ausrede genutzt.
In einem sind sich die Experten einig: Die Zahl der Schweizer Fintechs wird weiter stagnieren. Die Dichte an Neobanken ist trotz der jΓΌngsten Pleiten in der Schweiz so hoch wie in kaum einem anderen Land. Β«Die Fintech-Landschaft ist so reif und stark geworden, dass sie nicht mehr wegzudenken ist. Jetzt befindet sich der Sektor in einer Konsolidierung; es trennt sich die Spreu vom WeizenΒ», resΓΌmiert Christopher Blaufelder.

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