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Industriekonzern

Ende Legende bei ABB

Viel wichtiger als die Abspaltung der Stromnetz-Sparte ist bei ABB die Abschaffung der traditionellen Matrix-Struktur.

Marc Kowalsky

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ABB verkauft seine Stromnetz-Sparte an Hitachi. KEYSTONE/Gaetan Bally

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Nun also doch: ABB verkauft seine Stromnetz-Sparte mit 36'000 Mitarbeitern an Hitachi, fรผr insgesamt 11 Milliarden Dollar. Grossaktionรคr Cevian hatte diesen Schritt seit drei Jahren gefordert, die Gerรผchte รผber eine bevorstehende Abspaltung hatten sich in den vergangenen Monaten zunehmend verdichtet, letzte Woche bestรคtigte ABB offiziell entsprechende Gesprรคche. Das Zusammengehen mit Hitachi stellt ยซdie beste Option fรผr die zukรผnftige Entwicklung des Geschรคfts darยป, jubelt VR-Prรคsident Peter Voser.
Was bei der ganzen Aufregung um die Stromsparte unter geht: Viel wichtiger als deren Verkauf ist der zweite Schritt, den Konzernchef Ulrich Spiesshofer heute angekรผndigt hat: Die Lรคnderorganisationen im Konzern werden aufgelรถst, die vier Sparten รผbernehmen die alleinige Geschรคftsfรผhrung in den Mรคrkten. Die Lรคnderchefs sollen nach erfolgtem Umbau lokale Einheiten leiten, fรผr die drei Konzernleitungsmitglieder Frank Duggan (Europachef), Greg Scheu (Leiter Americas) und Chunyuan Gu (Asienchef) wird man eine neue Verwendung finden mรผssen. Mit anderen Worten: ABB verabschiedet sich nach 30 Jahren von seiner legendรคren Matrixstruktur.

ยซThink global, act localยป

Percy Barnevik, erster Konzernchef nach der Fusion von Asea und BBC zu ABB im Jahr 1988, hatte sie etabliert. ยซThink global, act localยป lautete damals der Leitspruch des Konzerns. Die Matrix erlaubte ABB ein rasantes Wachstum und machte Barnevik zur Legende. Denn der charismatische Schwede schaffte es, die resultierenden rund 5000 Geschรคftseinheiten unter Kontrolle zu behalten. Doch genau diese Matrix war auch einer der Grรผnde, warum ABB in die schwerste Krise seiner Geschichte kam: Barneviks Nachfolgern Gรถran Lindahl und Jรถrgen Centerman flog die Struktur um die Ohren, sie waren nicht mehr in der Lage, den ausufernden Konzern zu kontrollieren, ABB erwies sich als kaum mehr fรผhrbar. Denn die Matrix verkompliziert die Abstimmung im Management, schafft Doppelspurigkeiten, verwischt Verantwortungsbereiche, vermindert die Transparenz, erhรถht die Komplexitรคt. Um die Jahrtausendwende stand ABB haarscharf vor dem Konkurs.

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Der damalige CEO Jรผrgen Dormann und sein Finanzchef Peter Voser konnten den Industriekonzern durch einschneidende Massnahmen und Notverkรคufe gerade noch retten. Doch die Matrix blieb erhalten, und mit ihr die Nebenwirkungen. Seither bemรผhte sich jeder einzelne ABB-Konzernchef, von Fred Kindle รผber Joe Hogan bis Ulrich Spiesshofer, die Geschรคftsbereiche nรคher an den Kunden zu bringen, ohne durchschlagenden Erfolg.

Die Matrix ist tot โ€“ auch bei ABB

Cevian forderte wiederholt die Vereinfachung der ABB-Struktur, wie sie das auch bei anderen Beteiligungen โ€“ etwa ThyssenKrupp โ€“ getan und durchgesetzt hatte. Denn die Matrix passt nicht mehr in die heutige Zeit, in der die Anforderungen an Flexibilitรคt und Geschwindigkeit unendlich viel hรถher sind als vor 30 Jahren. Spiesshofer ist dem Anliegen der aktivistischen Investoren nun gefolgt. Endlich, muss man sagen. Die Matrix ist tot, in vielen Konzernen. Nun auch bei ABB.
รœber die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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