Nun also doch:
ABB verkauft seine Stromnetz-Sparte mit 36'000 Mitarbeitern an Hitachi, fΓΌr insgesamt 11 Milliarden Dollar. GrossaktionΓ€r Cevian hatte diesen Schritt seit drei Jahren gefordert, die GerΓΌchte ΓΌber eine bevorstehende Abspaltung hatten sich in den vergangenen Monaten zunehmend verdichtet, letzte Woche bestΓ€tigte ABB offiziell entsprechende GesprΓ€che. Das Zusammengehen mit Hitachi stellt Β«die beste Option fΓΌr die zukΓΌnftige Entwicklung des GeschΓ€fts darΒ», jubelt VR-PrΓ€sident Peter Voser.
Was bei der ganzen Aufregung um die Stromsparte unter geht: Viel wichtiger als deren Verkauf ist der zweite Schritt, den Konzernchef Ulrich Spiesshofer heute angekΓΌndigt hat: Die LΓ€nderorganisationen im Konzern werden aufgelΓΆst, die vier Sparten ΓΌbernehmen die alleinige GeschΓ€ftsfΓΌhrung in den MΓ€rkten. Die LΓ€nderchefs sollen nach erfolgtem Umbau lokale Einheiten leiten, fΓΌr die drei Konzernleitungsmitglieder Frank Duggan (Europachef), Greg Scheu (Leiter Americas) und Chunyuan Gu (Asienchef) wird man eine neue Verwendung finden mΓΌssen. Mit anderen Worten: ABB verabschiedet sich nach 30 Jahren von seiner legendΓ€ren Matrixstruktur.
Β«Think global, act localΒ»
Percy Barnevik, erster Konzernchef nach der Fusion von Asea und BBC zu ABB im Jahr 1988, hatte sie etabliert. Β«Think global, act localΒ» lautete damals der Leitspruch des Konzerns. Die Matrix erlaubte ABB ein rasantes Wachstum und machte Barnevik zur Legende. Denn der charismatische Schwede schaffte es, die resultierenden rund 5000 GeschΓ€ftseinheiten unter Kontrolle zu behalten. Doch genau diese Matrix war auch einer der GrΓΌnde, warum ABB in die schwerste Krise seiner Geschichte kam: Barneviks Nachfolgern GΓΆran Lindahl und JΓΆrgen Centerman flog die Struktur um die Ohren, sie waren nicht mehr in der Lage, den ausufernden Konzern zu kontrollieren, ABB erwies sich als kaum mehr fΓΌhrbar. Denn die Matrix verkompliziert die Abstimmung im Management, schafft Doppelspurigkeiten, verwischt Verantwortungsbereiche, vermindert die Transparenz, erhΓΆht die KomplexitΓ€t. Um die Jahrtausendwende stand ABB haarscharf vor dem Konkurs. Der damalige CEO JΓΌrgen Dormann und sein Finanzchef Peter Voser konnten den Industriekonzern durch einschneidende Massnahmen und NotverkΓ€ufe gerade noch retten. Doch die Matrix blieb erhalten, und mit ihr die Nebenwirkungen. Seither bemΓΌhte sich jeder einzelne ABB-Konzernchef, von Fred Kindle ΓΌber Joe Hogan bis Ulrich Spiesshofer, die GeschΓ€ftsbereiche nΓ€her an den Kunden zu bringen, ohne durchschlagenden Erfolg.
Die Matrix ist tot β auch bei ABB
Cevian forderte wiederholt die Vereinfachung der ABB-Struktur, wie sie das auch bei anderen Beteiligungen β etwa ThyssenKrupp β getan und durchgesetzt hatte. Denn die Matrix passt nicht mehr in die heutige Zeit, in der die Anforderungen an FlexibilitΓ€t und Geschwindigkeit unendlich viel hΓΆher sind als vor 30 Jahren. Spiesshofer ist dem Anliegen der aktivistischen Investoren nun gefolgt. Endlich, muss man sagen. Die Matrix ist tot, in vielen Konzernen. Nun auch bei ABB.