Gepriesen sei Novartis: Zusammen mit seinen 97β000 Mitarbeitern hat Β«Super-DanΒ» Vasella seinen Pharmakonzern vom drittletzten Platz des Vorjahres auf die Spitzenposition gehievt β 2008 schuf Novartis den meisten Wert. Satte 22 Milliarden Franken bescherte Daniel Vasella den EigentΓΌmern an zusΓ€tzlichem Firmenwert, und das mitten in der hereingebrochenen Finanzkrise. Das ist doppelt so viel, wie der Zweite, Roche, zulegen konnte, und rund 50 Milliarden besser als die Β«LeistungΒ» des β kaum ΓΌberraschenden β Letztplatzierten, der UBS. 27 Milliarden Franken Wertverlust verantworten der BankprΓ€sident auf Abruf, Peter Kurer, und der bereits abgetretene Marcel Rohner als Konzernchef. Nachfolger Oswald GrΓΌbel muss jetzt die Scherben zusammenfegen.
Bereits zum sechsten Mal prΓ€sentiert BILANZ die Rangliste der Schweizer Unternehmen mit der grΓΆssten WertschΓΆpfung. Wie viel Mehrwert die Firmen fΓΌr ihre EigentΓΌmer im Kalenderjahr geschaffen haben, berechnen die Finanzspezialisten von OLZ & Partners mit wissenschaftlichen Methoden. Die GrΓΌnder von OLZ sind ehemalige Mitarbeiter des Instituts fΓΌr Finanzmanagement der UniversitΓ€t Bern. Massgeblich fΓΌr die WertschΓΆpfung ist in erster Linie die Entwicklung des BΓΆrsenkurses und der Dividende β also das, was tatsΓ€chlich cash oder zumindest als Buchgewinn im Depot des AktionΓ€rs ankommt. BerΓΌcksichtigt wird aber auch das Risiko fΓΌr den Investor, und zwar in Bezug auf die Schwankungen des Aktienkurses (zur genauen Berechnung und zu den Auswahlkriterien siehe Seite 54). Auch die FirmengrΓΆsse wird mittels der BΓΆrsenkapitalisierung berΓΌcksichtigt.
ZYKLIKER VERLIEREN. 2008, das Jahr der weltweiten Finanzkrise. Kein Wunder, Β«haben die weniger zyklischen Branchen dieses Jahr klar gewonnenΒ», sagt OLZ-CEO Pius Zgraggen. So landet Novartis, die im langjΓ€hrigen Vergleich ganz hinten liegt, an der Spitze, Ciba in den Top Ten oder Clariant auf Platz 28. Auch diese beiden rangieren in der Langfristbetrachtung unter den schlechtesten Investments. Dass die Grossbanken 2008 hinten liegen, kann ohnehin niemanden ΓΌberraschen; die katastrophalen Resultate der zurΓΌckliegenden beiden Jahre bescheren UBS und Credit Suisse auch im FΓΌnfjahresranking die hintersten PlΓ€tze. Kantonal- und Regionalbanken, mit Ausnahme der ZΓΌrcher Kantonalbank, haben dagegen von der Anlegerflucht aus den Grossbanken profitiert, allen voran die Institute aus Bern, Basel und GraubΓΌnden. Versicherer indes Β«konnten sich 2008 noch ans Ufer rettenΒ», sagt Zgraggen. Da sie im Finanzzyklus den Banken etwas hinterherlaufen, dΓΌrfte sich bei den Assekuranzen die Krise erst im GeschΓ€ftsjahr 2009 niederschlagen; dann aber deutlich.
Dass die beiden Pharmamultis nun an der Spitze liegen, verdanken sie ihrem stetigen, wenig zyklischen GeschΓ€ftsmodell: Firmen mit stabilem Cashflow und nicht von Industriekunden abhΓ€ngig β Β«da hΓ€tte man operativ grobe Fehler machen mΓΌssen, um letztes Jahr schlecht abzuschneidenΒ», sagt Christian Gattiker, Leiter des Research von Julius BΓ€r. Novartis habe im Wesentlichen ihr TagesgeschΓ€ft kontinuierlich fortgesetzt und lediglich etwas Druck auf die Gewinnmargen zu verkraften, den der Aufbau des GeschΓ€fts mit Generika mit sich bringt. Hier winkt grosses Volumen, nicht aber die hohe Marge. Letztere ist eher auf dem Privatkonto von Novartis-Lenker Vasella zu orten (siehe auch Artikel auf Seite 40). Und so ist der Spitzenrang eher ein Β«AusrutscherΒ»: Im Langfristvergleich ΓΌber fΓΌnf Jahre liegt der Konzern an drittletzter Stelle. Denn, abgesehen von 2008, bescherte Novartis seinen EigentΓΌmern jedes Jahr Wertverluste, die zudem immer umfangreicher wurden.
ABSTURZ VON ABB. FΓΌr einmal hat Novartis den ewigen Konkurrenten Roche ausgestochen. Mit der Fokussierung auf Krebsmedikamente setzte Roche frΓΌh aufs richtige, weil margentrΓ€chtige Rezept. Β«Fokussierter und berechenbarerΒ» als Novartis habe Franz Humer die Roche aufgestellt, urteilt Christian Gattiker. Roche hat zudem im aktuellen Fusionskarussell der Pharmabranche β Merck will Schering-Plough, Pfizer schluckt Wyeth β ihren Appetit mit der VollΓΌbernahme von Genentech bereits gestillt. Will Vasella hier nachziehen, muss er es vielleicht sogar? Die Unsicherheiten beim WertschΓΆpfungsmeister 2008 sind erheblich. Dass das nicht vergessen wird, dafΓΌr sorgt Roche-PrΓ€sident Franz Humer. Der Β«SonntagsZeitungΒ» diktierte er kΓΌrzlich, Roche und Genentech wollten Β«die Fokussierung vorantreiben. Von einer Diversifikation, etwa einem Eintritt in den Generikamarkt, halten wir nichts.Β» Vasellas Replik hΓ€tte man gern gehΓΆrt.
Beim Drittplatzierten, NestlΓ©, geht es nicht um Fokussierung oder Diversifizierung. KonzernprΓ€sident Peter Brabeck hat lange darauf hingearbeitet, die bestehenden GeschΓ€ftsbereiche auszubauen, die Marken zu stΓ€rken und vor allem in hΓΆherpreisige Bereiche vorzustossen β dort, wo mehr Gewinn vom Umsatz hΓ€ngen bleibt. Die Ausweitung der Ertragskraft trΓ€gt nun FrΓΌchte. Β«Fraglich ist, ob nun, in einem weltweiten Konjunkturabschwung, die Margen gehalten werden kΓΆnnenΒ», sagt Gattiker. TatsΓ€chlich zeigt sich im Detailhandel, wie mittlere und hochpreisige Markenlinien MΓΌhe haben, wΓ€hrend Discount- und Billigsegmente profitieren. NestlΓ© liefert zwar auch Produkte fΓΌr den anspruchslosen Grundbedarf, genannt PPP (popularly-priced products), wie NescafΓ©-Ableger, Milcherzeugnisse oder Maggi β aber hier sind die Gewinnspannen deutlich niedriger als bei den glitzernden Nespresso-Kaffeekapseln oder MΓΆvenpick-Glace. 2009 dΓΌrfte auch Supertanker NestlΓ© die Krise zu spΓΌren bekommen.
Diese Erfahrung haben die Letzten unserer Rangliste bereits gemacht, und zwar mit voller Wucht. Denn der Industriegigant ABB, in den zurΓΌckliegenden Jahren ein verlΓ€sslicher Lieferant steigender WertschΓΆpfung, ist in der BΓΆrsenkrise massiv unter die RΓ€der gekommen. Β«Ein klarer zyklischer EinbruchΒ», konstatiert Gattiker, da sei Β«vom Markt sehr viel von der erwarteten KonjunkturabkΓΌhlung eingepreist wordenΒ». Etwa die Sparte Industrieroboter, die unter der SchwΓ€che ihrer Kunden, den Autoherstellern, leiden dΓΌrfte, oder das GeschΓ€ft mit Infrastruktur im Bereich ElektrizitΓ€t, das derzeit nicht von den milliardenschweren Stimulierungsprogrammen profitiert. Hinzu kommt der ΓΌbliche Abschwungzyklus: Sinkende Industrieproduktion schlΓ€gt sich in sinkender Nachfrage nach Strom nieder, dies drΓΌckt die Strompreise und endet in geringeren Investitionen in die Strominfrastruktur. Noch allerdings stehen im Bestellbuch von ABB mehr als 20 Milliarden Franken Auftragsvolumen, und CEO Joe Hogan will erst einmal Β«Γberstunden und Ferienguthaben abbauenΒ», bevor er an Stellenstreichungen denkt. Dramatische VerhΓ€ltnisse hΓΆren sich anders an.
Zumindest die grΓΆssten Dramen dΓΌrften die beiden Schlusslichter, UBS und Credit Suisse, bereits hinter sich haben. Beide mussten sich frisches Kapital beschaffen, hohe Abschreiber auf toxische Wertpapiere vornehmen, bei beiden kam es zu personellen Konsequenzen an der Spitze β die CS schΓΌttelte es jedoch lange nicht so heftig durch wie die UBS. Weniger Risiko und straffere Kontrollen zahlten sich aus bei der kleineren Grossbank, die folgerichtig ihre AktionΓ€re 2008 nur um ein gutes Drittel dessen an Wert erleichtert hat, was die alte UBS-FΓΌhrung unter Peter Kurer und Marcel Rohner ihren Anteilseignern nahm: rund 27 Milliarden Franken. Credit-Suisse-CEO Brady Dougan und PrΓ€sident Walter Kielholz liessen es bei 10 Milliarden bewenden.
INTERESSANTERE UBS. Auch deshalb konnte sich Kielholz bei der AnkΓΌndigung seines RΓΌckzugs aus dem CS-PrΓ€sidium zitieren lassen, er sei Β«froh, dass wir diesen Wechsel zu einem Zeitpunkt machen kΓΆnnen, in dem die Credit Suisse sehr gut aufgestellt istΒ» β die Erleichterung, halbwegs heil aus der Sache herauszukommen, ist unverkennbar. Zu verdanken hat Kielholz das im Wesentlichen noch Oswald GrΓΌbel, der die CS mit harter Hand wieder profitabel machte und das HusarenstΓΌck nun mit der UBS wiederholen soll.
BΓ€nk-BΓ€r-Aktienstratege Gattiker wΓΌrde zwar nicht so weit gehen, die Grossbanken zum Kauf zu empfehlen (Julius BΓ€r ratet UBS und CS derzeit mit Β«holdΒ»), aber die Aktien Β«kommen von sehr weit untenΒ», sagt er. Allerdings sei Β«bei der UBS vielleicht mehr Fantasie drin β vor allem wenn man sein Interesse auf die Leistung eines Managers konzentriertΒ». TatsΓ€chlich rechnet die Finanzgemeinde fest damit, dass GrΓΌbel die UBS systematisch mit der DrahtbΓΌrste auskehren wird. Insofern kommen harte Zeiten auf die UBS zu. Einen Trost gibt es in jedem Fall: Punkto WertschΓΆpfung kann die UBS nicht mehr schlechter werden.
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