Die Gehirnbauer: Flexion lässt Roboter selbstständig denken
Flexion aus Zürich entwickelt ein universelles Betriebssystem für jede Art humanoider Roboter. Das Start-up könnte eine «100-Milliarden-Firma» werden, sagt ein Experte.
Julian Nubert, David Hoeller, Fabian Tischhauser und Nikita Rudin (von oben links im Uhrzeigersinn) wollen Robotern das Denken beibringen.Suse Heinz für BILANZ
Statt die Hardware für humanoide Roboter zu entwickeln, baut Flexion deren Gehirn. Wir schaffen einen horizontalen Softwarestack, der jeden Humanoiden unabhängig von seiner Morphologie antreiben kann und so leistungsfähige Maschinen in wirklich autonome Systeme verwandelt.
Wie ist sie entstanden?
Wir haben erkannt, dass die Robotik durch das Fehlen einer Softwareplattform, die sich auf unterschiedliche Hardware übertragen lässt, gebremst wurde. In der Branche gab es zuvor viele Roboter, die auf Befehl tanzten, ferngesteuert wurden, aber nicht selbstständig dachten. Wir haben uns vorgenommen, das zu ändern.
Warum der Name?
Flexion bedeutet das Beugen eines Gelenks – die Bewegung, die ein starres Glied in etwas Nützliches verwandelt. Es ist ein passender Name für ein Unternehmen, das Hardware durch kontrollierte Beugung leistungsfähig macht, und er signalisiert zudem Anpassungsfähigkeit.
Wir sammelten in einer von First angeführten Seed-Runde rund sieben Millionen US-Dollar ein, an der sich weitere Investoren wie Moonfire und Redalpine beteiligten.
Womit erzielen Sie die Umsätze?
Flexion vermarktet ihren Autonomiestack über Partnerschaften und Unternehmenskunden, die humanoide Roboter einsetzen. Wir arbeiten mit mehreren grossen Partnern zusammen.
Die Vision?
Roboter in der realen Welt nützlich zu machen, nicht nur in Demos. Jeder humanoide Roboter, ganz unabhängig vom Hersteller, läuft auf einer gemeinsamen Intelligenzebene, die verallgemeinert, lernt und sich mit jedem Einsatz verbessert.
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Die grosse Stärke?
Das Team. Weltweit führende Robotiker und Wissenschaftler, die etwas erschaffen, was andere für unmöglich halten. Menschen, die jahrelang geforscht, bei führenden Unternehmen Produkte entwickelt und Probleme gelöst haben, die zuvor niemand geknackt hatte. Die Ergebnisse dessen, was das Team in kurzer Zeit aufgebaut hat, sprechen für sich.
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Die grösste Herausforderung?
Einen neuen Roboter für eine neue Aufgabe einzusetzen, erfordert immer noch zu viel technischen Aufwand. Integration, Kalibrierung und aufgabenspezifische Feinabstimmung müssen jedes Mal wiederholt werden, weshalb heutige Systeme nicht auf Hunderte Roboter übertragbar sind. Unser Fokus liegt darauf, diesen Aufwand drastisch zu reduzieren.
Der bisher grösste Erfolg?
Der Abschluss einer 50-Millionen-Dollar-Series-A-Finanzierung, unterstützt von DST Global Partners und NVentures, innerhalb weniger Monate nach unserer Seed-Finanzierungsrunde, während wir bereits funktionierende Technologie auslieferten. Unsere erste vollständig autonome Langzeit-Demo, bei der ein Humanoid einen Raum ohne Fernsteuerung und ohne fest programmierte Logik aufräumte, bewies, dass die Architektur funktioniert. Das alles haben wir im ersten Jahr geschafft.
Die grösste Überraschung bisher?
Dass der Markt bereits auf uns gewartet hatte. Hardwareunternehmen können die komplette Intelligenzebene nicht selber aufbauen. Sie suchen nach einem Partner.
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Der nächste Schritt?
Die Lancierung unserer nächsten Funktionen, die Erweiterung unserer Roboterflotte und der kommerzielle Einsatz in der realen Welt.
Expertenmeinungen
▶ «On fire!»
«Das Produkt von Flexion ist super skalierbar, weil es reine Software ist: Im Prinzip baut hier eine KI ihre eigene KI. Ich bin generell sehr dafür, Hardware und Software zu trennen, alles andere führt irgendwann zu Problemen. Ich finde auch den Ansatz von Flexion toll, Hardware-agnostisch zu sein: Ihr Betriebssystem funktioniert auf Robotern egal welcher Herkunft. Entscheidend ist, dass die Software in unserer Hand bleibt, denn am Schluss werden es autonome Roboter sein, die den nächsten Krieg führen. Deshalb bin ich überzeugt, dass es zwischen amerikanischen und chinesischen Firmen, die Ähnliches entwickeln, noch Platz gibt für europäische Anbieter. Das Team von Flexion ist sensationell, was das Fachwissen angeht. Alles ETH-Doktoren, Professoren, oder sie waren bei Nvidia. Aber keiner hat schon mal ein Start-up gegründet, und eine Hochgeschwindigkeitsfirma massiv zu skalieren, ist noch mal ein ganz anderes Thema! Da sollte man sich verstärken mit Leuten, die das schon mal getan haben. Und die reichlich vorhandenen Mittel für eine US-Expansion nutzen. Die Firma ist on fire und wird uns in der Schweiz noch viel Freude bereiten!»
Conny Boersch investiert mit Mountain Partners in mehr als 200 Start-ups.zVg
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▶ «100-Milliarden-Firma»
«Der Markt, den Flexion adressiert, ist sehr attraktiv, denn in der Software liegt langfristig das grösste Gewinnpotenzial in der Robotik – spätestens dann, wenn die Hardware zur Commodity wird. Das Geschäftsmodell von Flexion ist sehr gut skalierbar: Hunderte von Robotikunternehmen, die sich mit Hardware auskennen, brauchen auch Software und sind bereit, dafür Geld auszugeben. Das Team hat eine gute Kombination aus technischer Expertise und Go-to-Market-Denken, es ist jung, macht bisher aber vieles richtig. Die Gefahr ist, dass auch die grossen Player in diesen attraktiven Markt vorstossen werden. Darauf muss sich Flexion vorbereiten, denn es ist ein Winner-takes-it-all-Markt. Entscheidend ist, schnell die richtigen Partnerschaften aufzubauen, auch um der Konkurrenz zuvorzukommen. Wenn Flexion die richtigen strategischen Schritte macht, langfristig denkt und nicht zu früh verkauft, kann sie eine 100-Milliarden-Firma werden. Diese Art von Unternehmen, die etwas Fundamentales bauen, für das es einen grossen Markt gibt, brauchen wir in der Schweiz. Schade, dass ich Flexion nicht schon früher gesehen habe!»
Philipp Stauffer ist Co-Gründer von Fyrfly Venture im Silicon Valley.zVg
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