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So spielen die Tücken der Statistik Tesla in die Hände

Am Schweizer Markt haben die Stromer der ­etablierten Konkurrenz den Rang abgelaufen. Allerdings spielen Tesla auch die Tücken der Statistik in die Hände.

Dirk-Ruschmann

Jetzt ist klar, wie der Tesla Model 3 aussieht: Konzernchef Elon Musk hat das erste Elektroauto für den Massenmarkt aus seinem Hause präsentiert. Viele technische Daten waren bisher nicht bekannt...
... nun ist es offiziell: Der Tesla Model 3 soll es von null auf 100 Kilometer in sechs Sekunden schaffen. Mit einer Batterieladung fährt das Auto rund 345 Kilometer weit. Tesla erlebte zur Präsentation einen regelrechten Ansturm.
Musk zufolge gab es in den ersten 24 Stunden gut 115'000 Vorbestellungen. In vielen Tesla-Filialen - auch in der Schweiz – standen die Menschen am Donnerstag Schlange, um mit 1000 Franken Vorschuss ein Fahrzeug zu reservieren.
Ein Grund für das Interesse ist der moderate Preis: Der neue Tesla soll in den USA rund 35'000 Dollar kosten, das sind etwa 33'600 Franken. Frühestens Ende 2017 ist das Auto erhältlich.Tesla
Elon Musk
... somit will Tesla die Produktion verzehnfachen: Letztes Jahr liefen in der Fabrik im kalifornischen Fremont über 50'000 Autos vom Band. Bald will Tesla auch in Europa und China Werke eröffnen.
Mit dem Model S hat Tesla den Durchbruch geschafft: Das Auto ist ein Verkaufsschlager - auch in der Schweiz ist es zurzeit die bestverkaufte Oberklasse-Limousine. Flickr/CC/anisoboy
Letzten Herbst lancierte Tesla den Nachfolger des S, seinen Luxus-Geländewagen Model X. Blickfänger des SUV sind die Flügeltüren.
Das erste Modell war der Roadster im Jahr 2008. Tesla bezeichnet den Elektroflitzer als das erste autobahntaugliche rein elektische Serienfahrzeug.
Tesla stellt seinen Käufern in vielen Ländern ein Netz an Schnellladestationen zur Verfügung, wo sie die Elektrowagen mit Strom betanken können. Ende 2016 sollen weltweit 900 dieser Stromtankstellen in Betrieb sein. Flickr
Telsa baut auch Batterien, und dies nicht nur, um die eigenen Autos auszustatten. Der Konzern verkauft seine «Powerwall»-Batterien an Hausbesitzer, welche den Strom aus Sonnenkollektoren speichen wollen. In der Schweiz vertreibt die Landi das Produkt.
Firmenchef Elon Musk beschränkt sich nicht auf Autos und Batterien: Mit seiner Firma Space X ist er in auch der Raumfahrt tätig. Das selbst gesteckte Ziel ist ambitiös: Space X soll mithelfen, den Mars zu besiedeln.Bilder: Keystone/Flickr/Tesla
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RMS

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Der Siegeszug ist eindrücklich: In den ersten drei Monaten 2016 haben die Schweizer 430 Exemplare der Tesla-Limousine Model S immatrikuliert. Damit liessen die Stromer aus Kalifornien das deutsche Premium-Dreigestirn klar hinter sich.
Im Oberklasse-Segment schnitt Mercedes mit der S-Klasse noch am besten ab; 134 Sternenkreuzer kamen neu auf die Strasse. BMW konnte vom runderneuerten 7er noch 97 Exemplare absetzen, Audi vom alternden A8 gar nur 38 Stück. Jaguar wiederum fährt mit der Limousine XJ, die auch am Ende ihres Lebenszyklus angekommen ist, mit grösserem Abstand hinterher.

Schweiz als Tesla-Hochburg

Hierzulande lehrt Tesla-Chef Elon Musk die Konkurrenz seit Jahren das Fürchten. Neben Kalifornien, Holland und Norwegen gilt die Schweiz als Tesla-Hochburg. 2014 hatte die S-Klasse punkto Stückzahlen noch die Nase vorn, doch schon 2015 verkaufte Tesla vom Model S mehr Exemplare als Audi, BMW und Mercedes zusammen.
Selbst wenn die viertürigen Limousinen von Aston Martin, Bentley, Ferrari, Jaguar und Maserati noch addiert werden: Der Schweizer Tesla-Chef Martin Schmied hat aktuell die Konkurrenz im Sack. Schmied leitete zuvor das Schweiz-Geschäft von Harley-Davidson.

Tücken der Statistik

Neben der offensichtlichen Anziehungskraft des Mainstream-Designs und dem Image als Umweltschützer spielt dem Tesla bei seinem Siegeszug ein weiterer Umstand in die Hände: die zunehmende Vorliebe der Autokäufer für SUV-Karossen, verbunden mit der Politik der Hersteller, für jede Modellnische eine eigene Modellbezeichnung zu kreieren - denn sie beeinflusst die Zählung der Autoimporteure.

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Könnten Audi und BMW ihre Oberklasse-SUVs Q7 und X6 den Limousinenzahlen hinzurechnen, dann lägen die drei Deutschen gemeinsam aktuell vor Tesla. Einzeln gezählt, wäre Tesla aber nach wie vor deutlich an der Spitze - und das Tesla-SUV namens Model X ist in der Schweiz noch nicht einmal am Markt. Die Auslieferung startet erst im zweiten Halbjahr 2016.
Die Tesla-Jäger - so sehen die Modelle der Konkurrenz aus:
Neue Elektrofahrzeuge:Audi hat im Herbst einen SUV vorgestellt, der es mit Tesla aufnehmen soll: Der Quattro E-tron fährt rein elektrisch und hat bei 435 PS eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. 2018 soll das Fahrzeug auf die Strasse kommen.
Am Autosalon in Genf zeigt Porsche den neuen Panamera S-E Hybrid. Rein elektrisch hat dieser allerdings nur eine Reichweite von 36 Kilometern. Er hat eine Höchstgeschwindigkeit von 270 Kilometern pro Stunde, unter Strom fährt er 135 Kilometer pro Stunde schnell.
Den kompakten Chevrolet Bolt bringt General Motors noch in diesem Jahr auf den Markt. Er fährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 145 Kilometern pro Stunde bei einer Reichweite von 320 Kilometern. Konzerntochter Opel...
...hat den Ampera-e präsentiert. Er soll eine grössere Reichweite haben als sein Vorgänger und 2017 auf den Markt kommen.
Der Tesla S ist der Vorzeige-Flitzer, der als erster Elektrosportwagen breitere Akzeptanz gefunden hat. In der Schweiz ist er der meistverkaufte Oberklassewagen.
Das neue Modell - Tesla X – gibt es noch nicht zu kaufen. Es ist am Autosalon Genf das erste Mal in Europa zu sehen.
Ob es das Nachfolgemodell mit den markanten Flügeltüren mit dem Vorgänger aufnehmen, muss sich noch zeigen.Bilder: Keystone/Mathias Ohanian
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