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Start-up

Lightium will mit photonischen Chips den KI-Engpass in Rechenzentren lösen

Das Schweizer Jungunternehmen fertigt Halbleiter, die dank eines neuen Ansatzes besonders schnell sind.

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Frédéric Loizeau (l.) und Amir Ghadimi produzieren Chips, die Licht beugen, lenken und manipulieren.
Frédéric Loizeau (l.) und Amir Ghadimi produzieren Chips, die Licht beugen, lenken und manipulieren.Suse Heinz für BILANZ

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Die Geschäftsidee?

Künstliche Intelligenz bringt Rechenzentren an ihre Grenzen. Der Engpass liegt nicht in der Rechenleistung, sondern in den Geschwindigkeiten bei der Verbindung zwischen den Serverracks. Die derzeit vorherrschende Technologie ist zu langsam, zu stromhungrig und zu teuer, als dass sie in grossem Massstab einsetzbar wäre. Dünnschicht-Lithiumniobat (TFLN) ist eins der wenigen Materialien, die die von der KI benötigte Geschwindigkeit liefern können.

Wie ist sie entstanden?

Die Gründer erwarben im akademischen Bereich fundiertes Fachwissen über TFLN und begannen, anderen Forschungsgruppen die Herstellung von Chips anzubieten. Als ChatGPT 2022 auf den Markt kam, war TFLN eine von wenigen Plattformen, die die erforderliche Leistung erbrachten. Vom Labor aus konnten wir nicht skalieren. Lightium war die Lösung.

Warum der Name?

Wir arbeiten mit Licht. Wir entwickeln und fertigen Mikrochips, die Licht buchstäblich beugen, lenken und manipulieren: Lightium. Wie Kalzium, Natrium, Magnesium oder Kalium.
Gegründet: September 2023
Gründer: Amir Ghadimi (37), CEO; Frédéric Loizeau (42), CRO; Dirk Englund (47), wissenschaftl. Berater
Firmensitz: Schlieren ZH
Anzahl Mitarbeiter: 30
Umsatzziel für 2026: 10–20 Mio. Fr.
Profitabel: ab 2028

Woher stammt das Startkapital?

Die drei Mitgründer tätigten die erste Investition bei der Gründung des Unternehmens im September 2023. Wir hatten dann das Glück, von grossartigen Investoren unterstützt zu werden und von der Firma Innosuisse, die uns die erste Million Franken an Fördermitteln zur Verfügung stellte.

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Womit erzielen Sie die Umsätze?

Wir verkaufen Dienstleistungen zur Waferfertigung. Kunden (F&E-Labore, Systemintegratoren, Hyperscaler) bringen ihre Designs – wir fertigen sie. Wir stellen keine eigenen Produkte her, stehen also nie im Wettbewerb mit unseren Kunden. Ihr geistiges Eigentum bleibt ihr Eigentum.

Die Vision?

Jedes Rechenzentrum und jede Telekommunikationsinfrastruktur der Welt werden irgendwann mit photonischen Chips betrieben werden. KI beschleunigt diesen Zeitplan. Lightium soll der Fertiger sein, der diesen Übergang ermöglicht. Wir wollen also die TSMC für TFLN werden.

Die grosse Stärke?

Wir sind das einzige Unternehmen weltweit, das eine vollständig im Westen angesiedelte Lieferkette in grossem Massstab anbietet – vom Wafer bis zu vollständig getesteten photonischen Chips. Das macht uns widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Spannungen.

Die grösste Herausforderung?

Kunden davon zu überzeugen, Designs für eine neue Materialplattform zu entwickeln, bevor sich die Massenproduktion vollständig bewährt hat. Es ist das klassische Huhn-Ei-Problem: Kunden wollen Ausbeutedaten, bevor sie sich festlegen.Diese lassen sich aber erst mit laufenden, echten Kundendesigns generieren.

Der bisher gösste Erfolg?

Der Gewinn des Swiss Economic Award 2026. Nicht wegen der Trophäe, sondern weil es bestätigt, dass das, was wir aufbauen, für das Industrie- und Innovationsökosystem der Schweiz von Bedeutung ist.

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Das Überraschendste bisher?

Wie schnell sich der Markt auf uns zubewegt hat. Als wir anfingen, gingen wir davon aus, zwei Jahre damit verbringen zu müssen, den Kunden zu erklären, warum TFLN wichtig ist. Das war nicht nötig. Alles kam auf einmal. Die Gespräche, die wir eigentlich erst für 2026 erwartet hatten, fanden bereits 2024 statt.

Der nächste Schritt?

Wir streben die Produktionsbereitschaft für die Grossserienfertigung Ende 2026 und die Serienproduktion 2027 an.

«Wird nicht leicht»

«Lightium hat eine sehr einleuchtende Proposition. In der KI-Infrastruktur gibt es einen Bandbreitenengpass. Die Chips von Lightium wandeln elektrische in optische Signale um, die viel schneller und effizienter übermittelt werden können. Die Welt wird das brauchen! Es gibt dafür aber verschiedene Ansätze, und man weiss noch nicht, welcher sich durchsetzen wird. Dass man die Chips nicht selber produziert, sondern der Auftragsfertiger, ist ­Capex-effizient, aber so kontrolliert man halt nicht die ganze Wertschöpfungskette wie etwa TSMC. Lightium hat sehr technologielastige, industrieerfahrene Gründer, aber im Team eine grosse Lücke auf der kommerziellen und finanztechnischen Seite – ein Problem für die Phase, in der sich die Firma derzeit befindet. Die Post geht gerade ab in diesem Bereich, jetzt müsste Lightium riesige Beträge raisen können, um ganz vorne dabei zu sein. Sonst droht eine typisch europäische ­Geschichte: führende Technologie, aber zu wenig Mittel und Execution Power, um sie als Standard zu etablieren. Die Chancen für Lightium sind intakt, die Firma hat IP, weiss, wovon sie spricht. Aber das Rennen zu gewinnen, wird nicht leicht.»
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Michael Sidler ist Co-Gründer von Redalpine Venture Partners.Samuel Truempy
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Michael Sidler ist Co-Gründer von Redalpine Venture Partners.Samuel Truempy

«Sehr cooler Case»

«Der Markt, den Lightium bedient, ist extrem attraktiv. Die Firma reitet auf der Data­center-Welle, da fliessen gerade Mil­liarden. Das Produkt ist top. Wie dort auf kleinstem Raum Modulatoren verbaut werden, ist sehr elegant gelöst, und Lightium hat all diese Patente. Klar ist aber auch: Wenn es diesen Ansatz nicht gäbe, würde die Industrie das Problem irgendwie anders lösen. Der CEO hat gute Investoren gefunden und ist ein guter Verkäufer, wenn auch sehr technisch geprägt. Der springende Punkt ist: Hat er das nötige Netzwerk in der Halbleiterindustrie? Denn das Team ist sehr schweizlastig, und die Musik in dieser Branche spielt im Silicon Valley und in Taiwan. Dass man die ganze Produktion nach Europa bringt, kann man hier gut vermarkten. Aber die Firma muss schnell genug sein, um mit ihren Chips in die richtigen Serverracks zu gelangen. Die Frage ist, ob Lightium schnell genug skalieren kann, denn eine Bestellung geht schnell in die Millionenstückzahlen. Die Firma ist im richtigen Moment am richtigen Ort. Wenn das in zwei Jahren immer noch so ist, könnte Lightium ­tatsächlich ein Unicorn werden. Insgesamt ein sehr cooler Case – da ist uns ein Fisch durch die Maschen gegangen!»
Pascal Mathis Founderful
Pascal Mathis leitet Founderful mit Fokus auf Schweizer Start-ups.Daniel Kunz
Pascal Mathis Founderful
Pascal Mathis leitet Founderful mit Fokus auf Schweizer Start-ups.Daniel Kunz

Über die Autoren
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Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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