Abo
Start-up

Alpha Augmented revolutioniert die Verpackungslogistik

Das Start-up aus Baar löst ein globales Logistikproblem. Ihre Technologie spart Kosten und CO₂ – und überzeugt bereits mehrere der grössten Firmen weltweit.

Mark_134888.jpg

Bereits heute zählen ­mehrere der 500 grössten Firmen der Welt auf die Dienste von Massimo Rossetti, Laurin Paech und Joachim Paech (v.l.).
Bereits heute zählen ­mehrere der 500 grössten Firmen der Welt auf die Dienste von Massimo Rossetti, Laurin Paech und Joachim Paech (v.l.).Suse Heinz

Werbung

Die Geschäftsidee?

Wir lösen ein absurdes globales Problem: schlechtes Packen. Jeden Tag bezahlen Unternehmen dafür, Luft um die Welt zu transportieren — Lastwagen sind im Schnitt nur zur Hälfte ausgelastet. Unsere künstliche Intelligenz packt besser und spart so enorme Kosten, CO₂-Emissionen und Zeit.

Wie ist sie entstanden?

Massimo kam aus der Logistik und sah seit Jahren dasselbe Problem: Alle suchen nach Einsparungen, aber beim Naheliegendsten schaut kaum jemand hin – beim Packen. Zusammen mit Joachim kam die Idee auf, jahrzehntelange Logistikerfahrung in ein Tool zu packen. Ich kam dann mit dem Softwarewissen dazu und schlug vor, das Problem mit KI zu lösen.

Warum der Name?

«Alpha» steht für den Anfang der Lieferkette: Dort setzen wir an, bevor Ineffizienzen sich durch Transport, Lagerung und Umschlag fortsetzen. «Augmented» steht dafür, bestehende Prozesse und menschliche Entscheidungen mit KI zu unterstützen, statt sie zu ersetzen.
Gegründet: April 2022
Gründer: Massimo Rossetti (41), CEO; Joachim Paech (61), CFO; Laurin Paech (31), CTO
Firmensitz: Baar ZG
Anzahl Mitarbeiter: ca. 30
Umsatzziel 2027: höherer einstelliger Millionenbereich
Profitabel: ab Ende 2027

Woher stammt das Startkapital?

Zunächst haben wir uns selbst finanziert, später kamen Business Angels und Family Offices dazu.

Womit erzielen Sie die Umsätze?

Wir verdienen, wenn unsere Kunden sparen: Anhand historischer Sendungsdaten berechnen wir das Einsparpotenzial unserer KI-Plattform und leiten daraus ein monatliches Abonnement ab. Meist starten Kunden mit der Packoptimierung und erweitern dann um Analytics und Dashboards, die ihre eigenen Logistikdaten in Entscheidungen verwandeln.

Partner-Inhalte

Die Vision?

Das digitale Rückgrat der globalen Logistik zu werden. Unternehmen sitzen auf Unmengen wertvoller Daten, gefangen in Silos — oft wissen sie selbst nicht, was sie haben. Wir machen diese Daten nutzbar und leiten daraus konkrete Entscheidungen ab: weniger Kosten, weniger CO₂.

Die grosse Stärke?

Wir sind keine Softwarefirma, die Logistik von aussen betrachtet — wir sind eine Mischung aus beiden Welten. Wir können in ein Lager gehen und verstehen sofort, wo das Problem liegt. Dazu extreme Flexibilität: Anforderungen ändern sich ständig, und genau das erwartet Logistik.

Die grösste Herausforderung?

Innovation so einfach und risikoarm zu machen, dass Kunden sie schnell einsetzen können. Logistik muss funktionieren, deshalb ist die Branche zu Recht vorsichtig bei Veränderungen. Gleichzeitig sind Prozesse komplex, Daten oft in Silos und Entscheidungswege lang.

Der bisher grösste Erfolg?

Dass heute mehrere der 500 grössten Unternehmen der Welt unsere Kunden sind und führende globale Spediteure unsere Lösung ihren eigenen Kunden empfehlen. Zudem optimieren wir für einige dieser Konzerne ihre weltweiten Lagerhäuser.

Das Überraschendste bisher?

Dass Logistik gerade deshalb so unterschätzt wird, weil sie meistens funktioniert. Wir bestellen etwas, und es kommt an. Erst dahinter sieht man die gigantische Maschinerie und wie viele Ineffizienzen trotzdem noch existieren. Mich hat überrascht, wie viel es in einer so alten Branche noch zu verbessern gibt.

Werbung

Der nächste Schritt?

Wir wollen nicht nur besser packen, sondern Logistikentscheidungen insgesamt intelligenter machen: mit KI-Agenten, die Daten zusammenführen, Workflows unterstützen und in Echtzeit auf neue Situationen reagieren.

Expertenmeinungen

▶ «Coole Company»

«Logistik ist eine Zwölf-Billionen-Industrie, und es ist verrückt, dass 20 bis 30 Prozent des Containervolumens ungenutzt bleiben. Der Case von Alpha Augmented macht also mega Sinn und ist auch gut skalierbar. Ich sehe auch den positiven CO₂-Impact. Allerdings hat die Firma keine IP, sondern nur eine Datensammlung und damit ein besseres Industrieverständnis. Es ist daher extrem wichtig, dass sie schnell skaliert und weiter Daten sammelt, um den Vorsprung zu behalten. Der CEO ist seit 20 Jahren in der Logistik, hat also die notwendige Glaubwürdigkeit, gerade weil die Branche sehr konservativ ist. Dass aber CFO und CTO Vater und Sohn sind, lässt aufhorchen – diese Teamdynamik müsste man noch genauer anschauen. Alpha Augmented hat bisher kein Venture Capital aufgenommen, das ist okay, man kann auch ohne erfolgreich werden. Aber für ein schnelleres Wachstum wäre mehr Kapital sehr hilfreich – es kann auch von einem Family Office oder einem strategischen Investor aus der Logistikbranche kommen. Letzteres wäre auch ein denkbares Exitszenario. Insgesamt eine coole Company mit gutem Ansatz, Impact, Markt und Potenzial!»
DSC_3324.jpg
Sophie Lamparter baut den Klimafonds Vitamin °C auf.PR
DSC_3324.jpg
Sophie Lamparter baut den Klimafonds Vitamin °C auf.PR

▶ «Zu wenig Traction»

«Alpha Augmented adressiert einen interessanten Markt, doch das Thema Packoptimierung ist fast so alt wie die Logistik selber. Entsprechend hart ist der Wettbewerb. Die Logistiker wollen das oft selber lösen, sehen es sogar als USP. Dann gibt es ERP-Systeme wie SAP, die so etwas können, dazu etablierte Player wie Blue Yonder oder Paccurate. Alpha Augmented hat immerhin namhafte Kunden gewonnen, das gelingt nicht vielen – aber es sind eher Proofs of Concept. Bei Skalierbarkeit und Umsatzwachstum pro Kunde habe ich Fragezeichen, und ich sehe zu wenig Traction. Auch beim Vertrieb würde ich nach viereinhalb Jahren mehr Schlagkraft erwarten. Der kritische Flaschenhals bleibt der Lagerarbeiter. Der packt nach Gefühl und Erfahrung. Ihn zu überzeugen, dass es eine KI besser kann, wird nicht leicht. Dieser Change-Prozess in den operativen Abläufen muss bei jedem Kunden neu geleistet werden. Auffällig ist auch, dass institutionelle VCs fehlen. Ich würde der Firma raten, erst auf Break-even zu optimieren und dann auf Wachstum und bestehenden Kunden mehr zu verkaufen, statt neue zu gewinnen. Etablieren kann sie sich durchaus, aber eher als Beratung mit Softwarelösung als andersherum.»
Cédric Koehler
Cédric Köhler ist Managing Partner von Creathor Ventures.zVg
Cédric Koehler
Cédric Köhler ist Managing Partner von Creathor Ventures.zVg

Über die Autoren
Mark_134888.jpg
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

Werbung