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Horizon21: Der entzauberte Rainer-Marc Frey

Vom Hedge-Fund-Pionier zum Private-Equity-Manager zum Banker zum Privatinvestor – die Strategiewechsel zeigen die Ratlosigkeit des einstigen Finanzwunderkinds.

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In PfΓ€ffikon SZ, dem Hedge-Fund-Zentrum der Schweiz am ZΓΌrichsee, reibt man sich die Augen: Was ist bloss los mit dem lokalen Helden, dem allseits bewunderten Branchenvorreiter Rainer-Marc Frey? Der Finanzzauberer, der einst die Trends im Business setzte und damit so schnell reich wurde wie kein anderer, gibt vornehmlich mit negativen Schlagzeilen zu reden.
Nun soll gar seine erst vor sechs Jahren gegrΓΌndete Firma Horizon21 zerstΓΌckelt werden, wie der Β«BlickΒ» meldete. Die VermΓΆgensverwaltungsgesellschaft, die derzeit noch rund 80 Trader beschΓ€ftigt, soll fortan nur noch eines machen: das persΓΆnliche VermΓΆgen des Rainer-Marc Frey und seiner engsten Partner verwalten. Vorbei die Zeiten, als die Truppe hochkarΓ€tiger Finanzprofis fΓΌr viele Kunden nach Investitionschancen in alternativen Anlagen wie Private Equity suchte. FΓΌr die jetzt geplante Redimensionierung zu einem Family Office braucht es nur eine Handvoll Leute. KΓΆnnen einzelne Teile nicht durch Spin-offs weitergereicht werden, droht ein massiver Stellenabbau. Der Mann, der seine Karriere 2008 mit der Berufung in den Verwaltungsrat der Grossbank UBS krΓΆnte, wirft fΓΌr seine eigene Firma das Handtuch.
Der Strategiewechsel ist nur die letzte Etappe in einem langen Schrumpfungsprozess. GegrΓΌndet 2004, beschΓ€ftigte Horizon21 mit rund 160 Leuten einst eine doppelt so hohe Belegschaft wie heute. Ein selbstbewusster Start war es, angemessen fΓΌr den Mann, der nur wenige Jahre zuvor seine VorgΓ€ngerfirma, die Fund-of-Funds-Gesellschaft RMF, fΓΌr 1,3 Milliarden Franken an die britische Man Group verkauft hatte (siehe Karriere-Barometer unten). Mit seinen Hedge-Fund-Strategien hatte sich Frey in der damaligen Finanzrezession gegen den AbwΓ€rtstrend gestemmt und fΓΌr sich und seine Kunden trotz Baisse Gewinne realisiert. Frey persΓΆnlich lΓΆste aus dem Verkauf seiner nicht einmal zehn Jahre alten Firma eine halbe Milliarde Franken.

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Mit viel Elan machte er sich nach kurzer Auszeit daran, die Erfolgsstory mit Horizon21 zu wiederholen. Wie schon bei RMF gelang es bald, potente Grosskunden zu gewinnen, allen voran den RΓΌckversicherungsgiganten Swiss Re, der 2006 eine umfangreiche Partnerschaft mit Horizon21 einging.
Eins aufs Dach. Etwas aber sollte anders sein: Statt sich auf Hedge Funds zu konzentrieren, machte Horizon21 den FΓ€cher auf fΓΌr ein breites Spektrum von alternativen Investments, vom Rohstofffonds bis hin zu Insurance-linked Securities. Wer Frey nach 2004 als Hedge-Fund-Manager bezeichnete, bekam von der Pressestelle eins aufs Dach: Das treffe so, bitte schΓΆn, nicht mehr zu.
2007 zeigten erste Vorboten eine Wende im GlΓΌck von Rainer-Marc Frey: Im Herbst schloss er zwei Fonds und entliess einzelne Trader. Mit der Finanzkrise verschΓ€rften sich seine Probleme radikal.
Auf dem HΓΆhepunkt der Krise im Herbst 2008 geriet Frey in einen LiquiditΓ€tsengpass – und musste sich mit NotverkΓ€ufen seiner Aktienpakete retten. Unter anderem stiess er seine UBS-Aktien ab, trotz einem daraus resultierenden Verlust von ΓΌber vier Millionen Franken. Doch dies war nicht das einzige Ungemach: Weil er nur Wochen zuvor in den Verwaltungsrat der UBS gewΓ€hlt worden war, sorgte der Verkauf fΓΌr einen Aufschrei in der Γ–ffentlichkeit. Die Transaktion wurde als illoyal gegenΓΌber der Bank gewertet. Einzelne Vertreter des Finanzplatzes, etwa Privatbanquier Jacques Rossier, forderten seinen RΓΌcktritt als UBS-Verwaltungsrat. Als Frey sich spΓ€ter fΓΌr den Verkauf entschuldigte und seine Aktion als Β«FehlerΒ» bezeichnete, konnte er die Wogen wieder glΓ€tten. Β«Das Wichtigste war, dass ich die Krisenzeit vom Herbst 2008 ΓΌberlebte. Viele andere haben Konkurs gemachtΒ», erklΓ€rte er im GesprΓ€ch (Β«Der Goldjunge ist gefordertΒ», BILANZ 6/2009).

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Hin und her. Doch auch mit der sich abzeichnenden Erholung im Jahr 2009 gewann Frey nicht recht an Boden. Im Gegenteil: Er manifestierte mit seinem strategischen Hin und Her Orientierungslosigkeit. So plante Frey, im FrΓΌhling 2009 den Bereich Wealth Management bei Horizon21 abzustossen. Es gab konkrete GesprΓ€che mit Interessenten, wie Involvierte berichten. Β«In jener Zeit wurden verschiedene Optionen geprΓΌft. Der Verkauf war eine davonΒ», bestΓ€tigt Urs Wieser, Sprecher von Horizon21. Aus dem Verkauf wurde nichts.
Nur sechs Monate spΓ€ter verkΓΌndete Frey ΓΆffentlich, dass der Bereich, dessen Verkauf erwogen wurde, strategisch ausgebaut werden sollte – ein Schwenker um 180 Grad. Die Β«NZZ am SonntagΒ» liess er im September 2009 wissen, er kΓΆnne sich vorstellen, Β«eine Bank oder einen VermΓΆgensverwalter zu kaufenΒ». Doch auch daraus wurde nichts.
Derweil brΓΆckelte das GeschΓ€ft von Horizon21 weiter. Grosskunde Swiss Re zog sich zurΓΌck. Das Unternehmen wollte sich unter dem im Februar 2009 neu gewΓ€hlten CEO Stefan Lippe konservativer positionieren und reduzierte das Business mit alternativen Anlagen. Horizon21 verlor auf einen Schlag massiv an Kundengeldern, hatte Swiss Re doch ΓΌber drei Milliarden Franken eingebracht.

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Auch sonst fuhr Frey das GeschΓ€ft herunter. So wurden grosse Teile des Bereichs Fund of Funds geschlossen, was rund ein Drittel des von Horizon21 verwalteten VermΓΆgens betraf. KΓΆnne er dem Kunden ein Produkt nicht empfehlen, schliesse er es lieber: Β«Wir sind da sehr pragmatischΒ», so Frey. Eine Fondsschliessung bedeute nur, dass man die Anlagestrategie nicht mehr fΓΌr sinnvoll halte.
Doch letztlich sind die Schliessungen ein EingestΓ€ndnis dafΓΌr, dass auch Frey nicht weiss, wo fΓΌr die Kunden das Geld zu jenen guten Renditen angelegt werden kann, die seinen eigenen hohen Erwartungen entsprechen. Das GeschΓ€ft ist allerdings schwieriger geworden: Laut der Fachzeitschrift Β«Institutional InvestorΒ» sahen die Firmen im Fund-of-Funds-Bereich in den letzten 18 Monaten ihre Assets um ΓΌber 40 Prozent schrumpfen.
FΓΌr einen mittelgrossen Player wie Horizon21 ist die Positionierung im Markt dabei besonders schwierig. Es rΓ€chte sich auch, dass Horizon21 mit der Swiss Re und einer Handvoll institutioneller Investoren wie Pensionskassen im Grunde zu wenig breit abgestΓΌtzt war.
Im Hintergrund. Wichtig in einer Branchenkrise ist eine starke Marke. Dazu wurde Horizon21 auch darum nicht, weil Frey selber lange zu weit weg vom Geschehen wirkte. Er und sein langjΓ€hriger Partner Adrian Gut, mit dem er schon RMF gegrΓΌndet hatte, ΓΌberliessen die operative Arbeit zum grossen Teil ihren CEO, die an der Front nicht den gleichen Anklang fanden wie Frey oder Gut.

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Mit einem geschΓ€tzten VermΓΆgen von ΓΌber 700 Millionen Franken ist Frey selber seit je einer der grΓΆssten Kunden von Horizon21. Parallel dazu agiert er aber schon seit lΓ€ngerem in jener Rolle, fΓΌr die er seine Horizon21 nun in ein neues Kleid stecken will: als privater Investor in ausgesuchten Firmen. Aktuelles Beispiel dafΓΌr ist sein Engagement bei der Zofinger Pharmafirma Siegfried, wo er gemeinsam mit Investoren wie Holcim-GrossaktionΓ€r Thomas Schmidheiny als EigentΓΌmer auftritt. Beim ZΓΌrcher Handelshaus DKSH ist Frey schon seit 2008 GrossaktionΓ€r. Er hat sich mit zehn Prozent eingekauft, dafΓΌr rund 120 Millionen Franken bezahlt und Einsitz im Verwaltungsrat genommen. Da nur ein Bruchteil der DKSH-Aktien frei gehandelt werden, ist anhand des Kursverlaufes schwer zu verfolgen, ob sich das Investment fΓΌr ihn ausbezahlt hat. Klar ist, dass DKSH operativ gut lΓ€uft.
Mit der Umwandlung seiner Horizon21 in ein Family Office will Frey offenbar vermehrt Freiheit fΓΌr derlei Investments gewinnen. Laut Reto Suter, CEO von Horizon21, mΓΌsse man so weder auf gesetzliche Auflagen noch auf die Interessen der Kunden RΓΌcksicht nehmen.
Gewiss ist, dass die Rolle des Industrieinvestors weniger Konfliktpotenzial bietet als jene des Traders. Vertraute gehen davon aus, dass Frey es auch spannender findet, als Privatinvestor und GrossaktionΓ€r direkt auf TuchfΓΌhlung mit einer Firma und ihrem Management zu gehen, als sich mit anonymen Finanzinstrumenten herumzuschlagen, mit denen sich Horizon21 beschΓ€ftigt, etwa Wetterderivaten.

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Frey schweigt. Wie es bei Horizon21 nun weitergehen soll, ist laut Firmensprecher Urs Wieser klar: Β«Horizon21 wird ein Private Investment Office und konzentriert sich auf die AnlagebedΓΌrfnisse der GrΓΌnder und Partner.Β» Dienstleistungen, die Horizon21 nicht weiter fΓΌr Kunden anbieten will, sollen unter Leitung der schon heute fΓΌr diese GeschΓ€ftsbereiche verantwortlichen Mitarbeitenden als Spin-offs weitergefΓΌhrt werden. Frey persΓΆnlich mochte weder zur Neuausrichtung von Horizon21 noch zu seiner Rolle als Privatinvestor Stellung nehmen. Frey wolle sich generell mehr aus der Γ–ffentlichkeit zurΓΌcknehmen, so Sprecher Wieser. Dies sei einer der GrΓΌnde fΓΌr den eingeschlagenen Weg in Richtung Private Investment Office. Ein Zeichen der Orientierungslosigkeit sei es nicht: Β«Rainer-Marc Frey denkt in OpportunitΓ€ten und handelt schnell und konsequent. Das war schon immer so.Β»
Frey hat einmal gesagt, dass Β«sΓ€mtliche guten AktivitΓ€ten in meinem Leben aus der Krise heraus gekommen sindΒ». Beispiele dafΓΌr gibt es in der Tat. So stand ihm sechs Jahre nach GrΓΌndung seiner RMF das Wasser bis zum Hals, als viele Kunden absprangen. Doch Frey hielt durch und krΓΆnte seine Beharrlichkeit 2002 mit dem Milliardenverkauf an Man.

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Seither lebt Frey von der Legende. Um seinen Ruf aufzufrischen, benΓΆtigt er endlich eine Erfolgsmeldung aus jΓΌngeren Tagen – doch darauf wartet die Branche seit Jahren vergebens. An seinem Ehrgeiz kann es nicht liegen: Vertraute beschreiben ihn als Mann, der sich in seinem Umfeld beweisen will. Und so fragt sich manch ein Kollege im Hedge-Fund-Paradies PfΓ€ffikon, ob der drastische Abbau von Horizon21 nicht ein Signal dafΓΌr sei, was man eigentlich schon lange befΓΌrchtete: dass das einstige Finanzwunderkind seinen Β«magic touchΒ» verloren habe.
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