Fehlende Kontrolle
Seit Jahren verkündet Facebook-Chef Mark Zuckerberg grossspurig, man würde Fake News und Politpropaganda konsequent ausschliessen. Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass die muslimische Minderheit Rohingya in Myanmar via Facebook seit Jahren systematisch verunglimpft wird. Die Minderheit würde Polizeistationen angreifen, unschuldige Beamte umbringen und die Ehre Myanmars beschmutzen.
Die Hass-Kampagne, stellte sich nun heraus, war vom Militär orchestriert und sollte ihre ethnische Säuberung rechtfertigen, die sie 2013 lancierte. Gegen eine Million Rohingya mussten ins Nachbarland Bangladesch fliehen. Facebook, stellte sich heraus, war völlig überfordert beim Säubern des Netzwerkes vor Falsch- und Hassmeldungen. 2015 waren gerade mal zwei Personen mit burmesischer Muttersprache angestellt, die Hate Posts überhaupt verstanden.
Im Frühling 2018 musste sich Zuckerberg dem US-Senat stellen, wo er mit dem Missbrauchsfall Myanmar konfrontiert wurde und er Verbesserung gelobte. 11 Tage nach seinem Auftritt in Washington war auf Facebook zu lesen: «Übergiesst sie mit Öl und zündet sie an, damit sie schneller bei Allah sind.» Später sperrte Facebook dutzende Accounts, die dem burmesischen Militär zugeordnet wurden und über 1,3 Millionen Followers hatten. In einer Stellungnahme schrieb Facebook kürzlich: «Wir fanden heraus, dass diese scheinbar unabhängigen Unterhaltungs-, Schönheits- und Informations-Sites mit dem Militär verbunden waren.» Eine Untersuchung der Uno stellte fest, Facebook habe eine «bestimmende Rolle» gespielt beim Schüren von Hass.