Editorial: Das kapitalistische Manifest des Barons
Die gute Nachricht vorweg: Der Bundeshaushalt schliesst das Krisenjahr 2009 mit einem Plus von 2,7 Milliarden Franken ab. Und dies in einer Zeit, in der die meisten anderen LΓ€nder in MilliardenlΓΆchern versinken.
Weiter konnte die Staatsverschuldung β auch dank dem gewinnbringenden Verkauf der UBS-Beteiligung β um 11 Milliarden reduziert werden. Finanzminister Hans-Rudolf Merz hat einiges zu dieser formidablen Sparbilanz beigetragen. Sogar die Β«New York TimesΒ», die keine Gelegenheit auslΓ€sst, den Finanzplatz Schweiz blosszustellen, zollte Respekt: Β«Vieles lΓ€uft gut.Β»
Merz ist zweifellos ein Rappenspalter der Sonderklasse, aber beim FΓΌhren und Gestalten wΓ€ren weitere Tugenden gefragt. Stattdessen tischt er seit Monaten Unausgegorenes auf (wasserdichtes Bankgeheimnis, automatischer Informationsaustausch, UBS begleicht hinterzogene Steuern in den USA) oder lΓ€sst sich vom Ausland nasfΓΌhren. Und verspielte so sukzessive das Vertrauen in weiten Kreisen der Wirtschaft, wie die Recherche von Erik Nolmans zeigt. Den Missmut formuliert Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz: Β«Die offzielle Schweiz wurde regelrecht ΓΌberfahren.Β» Was die Linke nicht schaffte, nΓ€mlich die totale Desavouierung des Ministers, das erledigt jetzt die eigene Partei. Unverhohlen drΓ€ngen FDP-Exponenten Merz zum RΓΌcktritt. Vermutlich auch ein Grund, weshalb er der BILANZ nicht Red und Antwort stehen wollte.
MΓΆvenpick oder Von Roll zΓ€hlten einst zu den ersten Adressen im Land. Seit der Familienclan um August von Finck das Sagen hat, ist es um diese einstigen Perlen schweizerischen Unternehmertums still geworden. Der Baron will es so. Leider, denn die simplen, aber granitsoliden GrundsΓ€tze des leicht entrΓΌckten Adligen mit Wohnsitz in Bayern und im Thurgau sind zeitgemΓ€ss. In seinem Firmenreich, berichtet Leo MΓΌller, gelten Maximen wie: Β«Die Kosten sind im GriffΒ», Β«Bilanziert wird zu AnschaffungskostenΒ», Β«Derivative Finanzinstrumente bestehen nichtΒ». Oder: Β«Man muss seine Schuldner kennen.Β» Weisheiten, die man Hedge-Fund-Managern oder Investment Bankern gerne zur LektΓΌre empfiehlt. Das kapitalistische Manifest des Von-Finck-Clans lesen Sie hier.