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Geldwäscherei

Die feine Bank Lombard Odier im Visier der Bundesanwälte

Die Bundesanwaltschaft hat eine ­Strafuntersuchung gegen die Bank Lombard Odier ­
eröffnet. Es geht um einen gigantischen Korruptionsfall.

Leo Müller

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Patrick Odier: Gegen Lombard Odier läuft ein Strafverfahren. Keystone RMS

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Erst ermittelte die Bundesanwaltschaft (BA) gegen einzelne verdächtigte Personen, jetzt nimmt sie die ganze Bank ins Visier: Am 14. Dezember hat sie ein Strafverfahren gegen die Bank Lombard Odier & Co (LODH), gegen einen Ex-Mitarbeiter der Bank sowie gegen unbekannt eröffnet. Dies bestätigt die Behörde gegenüber «Bilanz». Es geht dabei um Untersuchungen im Korruptionsfall rund um die usbekische Präsidententochter Gulnara Karimova.
Als 2012 in Usbekistan verdächtige Zahlungen ruchbar wurden, reichte LODH selbst eine Verdachtsmeldung ein. Doch bereits 2009 waren verdächtige Transaktionen über LODH-Konti bewegt worden, die nun international untersucht werden. 800 Millionen Franken wurden insgesamt blockiert.
Der Fall hat eine pikante Note: Seit 2009, just in diesem Zeitraum, lobbyierte LODH-Partner Patrick Odier als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung. Er wurde damals nicht müde zu erklären, wie gut die Geldwäschereikontrolle in der Schweiz funktioniere. Nun ist sein Haus zum zweiten Mal im Visier. Schon im Korruptionsfall um die brasilianische Petrobras war LODH involviert. In diesem Fall ermittelte Bundesanwalt Michael Lauber gegen den brasilianischen Mischkonzern Odebrecht und schloss das Verfahren mit einem international koordinierten Deal ab. Odebrecht musste 3,5 Milliarden Dollar zahlen, 200 davon in die Schweiz.

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Härteste Waffe der Bundesanwälte

Die Strafuntersuchung gegen das Unternehmen als solches zählt zu den härtesten Waffen der Bundesanwälte. Wenn ein Unternehmen nicht alle «erforderlichen und zumutbaren organisatorischen Vorkehren getroffen» hat, um intern Straftaten zu verhindern, ist die strafrechtliche Verfolgung des Unternehmens erlaubt. Zumeist geht es dabei um Geldwäscherei oder Korruptionsdelikte von Mitarbeitern.
Die Bundesanwaltschaft hat den Verdacht auf Mängel in der internen Organisation der Bank, aufgrund deren die Bank mögliche Straftaten nicht verhindern konnte. «Die Bank kooperiert in vollem Umfang mit den Behörden», sagte ein Sprecher von Lombard Odier. Für Bankmanager wie für die Bank gilt die Unschuldsvermutung.
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Sehen Sie in der Bildergalerie unten, welche Manager der Korruption überführt wurden:
Diese Manager flogen wegen Korruption auf:Marcelo Odebrecht wurde im Zuge des milliardenschweren Korruptionsskandals in Brasilien zu 19 Jahren Haft verurteilt. Mit seiner Baufirma soll er sich Aufträge gesichert und teils sogar eine vorteilhafte Gesetzgebung erkauft haben. Insgesamt sollen mehr als 750 Millionen US-Dollar an Schmiergeld geflossen sein.
Dennis Kozlowski, Ex-Chef des US-Konzerns Tyco, genehmigte seinen Top-Mitarbeitern und sich selbst Millionenkredite - so auch an die Vizepersonalchefin, die dann die Kreditvergabe abwickelte. Die Rückzahlung erliess Kozlowksi später allen, seine eigene eingeschlossen. Kozlowski wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Kenneth Lay spielte eine Schlüsselrolle in einem der grössten Bilanzfälschungsskandale der USA. 2006 wurde er gemeinsam mit Jeffrey Skillings wegen des Bankrotts von Enron angeklagt und schuldig gesprochen. 2001 brach das Unternehmen zusammen und die Anleger verloren Milliarden. Lay erhielt eine 45-jährige Gefängnisstrafe, starb aber zwei Monate nach Urteilsverkündung an einem Herzinfarkt.
Jeffrey Skilling wurde zusammen mit Kenneth Lay wegen Bilanzmanipulation, Insiderhandels und Wertpapierbetrugs bei Enron verurteilt. Skilling beteuerte bis zuletzt seine Unschuld und meinte, von den krummen Machenschaften nichts gewusst zu haben. 2006 wurde er in 19 Anklagepunkten für schuldig gesprochen. Seine Haft wurde später von 24 auf 14 Jahre gekürzt.
Eine der grössten Korruptionsskandale der Schweiz war die Zürcher Wirteaffäre um Raphael Huber. 2,3 Millionen Franken Schmiergelder hatte der Zürcher Chefbeamte von 1982 bis 1991 kassiert. Im Gegenzug erhielten die Gastronomen schneller die benötigten Bewilligungen im streng reglementierten Zürich. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.
In der Korruptionsaffäre des Fussball-Weltverbandes Fifa hat der ehemalige Präsident Joao Havelange (gestorben am 16. August 2016) Schmiergelder in Millionenhöhe kassiert, ebenso wie…
…sein früherer Schwiegersohn und ehemaliger brasilianischer Fussballverbandschef Ricardo Teixeira. Die Verfahren gegen die beiden früheren Funktionäre waren nach Zahlung von hohen Geldsummen eingestellt worden.
Ebenfalls der Korruption überführt wurde der Schweizer Daniel Gloor. Der langjährige Anlagechef der Pensionskasse BVK nahm Bestechungsgelder in der Höhe von rund 1,7 Millionen Franken an. Sein Urteil lautete sechs Jahre Haft.Bilder: Keystone
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