Frankenstärke, Online-Konkurrenz, Käuferstreik - der Schweizer Detailhandel steckt in der Krise. Doch er erfindet sich neu. RMS 2015 wird als Annus horribilis in die Jahrbücher eingehen, denn zahlreiche Geschäfte schliessen. Unter anderem hat Companys Insolvenz angemeldet und zwölf Filialen geschlossen sowie neun weitere an einen dänischen Konkurrenten verscherbelt. Auch Bernie's, Jeans & Co, Paul Kehl und Jamarico sind betroffen. RMS Selbst grosse Player lassen Federn: Neben der Schuhkette Bata, Pasito und PKZ schliesst auch der Billiganbieter Tally Weijl zehn Läden. RMS Ein Grund: Der globale Online-Handel trifft die Schweiz mit voller Wucht. RMS Bereits jeder fünfte Schweizer ordert heute beim deutschen Online-Shop Zalando. 324 Millionen Franken dürfte der fünf Jahre junge Konzern hierzulande absetzen. Keystone Platzhirsch Amazon kommt mit seinen amerikanischen und deutschen Online-Shops in der Schweiz gar auf total 569 Millionen Franken. RMS Doch kampflos geben die Warenhäuser, Modeketten und Grossverteiler hierzulande nicht auf. Für sie ist die Verknüpfung von Online und Offline ein grosser Vorteil - «Clicks and Mortar (Mörtel)» nennt sich die Strategie. Digitec hat sie als Erste konsequent umgesetzt: Der Online-Händler für Elektronik setzte von Anfang an auf physische Läden, denn bei Bedarf eine Anlaufstelle zu haben oder auch eine Bestellung sofort in den Händen halten zu können, ist für den Kunden sehr wichtig. RMS Auch andere etablierte Player setzen zunehmend auf die Verzahnung von On- und Offline. PKZ-Inhaber Oliver Burger etwa baut das 134 Jahre alte Familienunternehmen mit grossem Eifer um. Diesen Herbst hat er die PKZ-Website aufgehübscht, genauso wie die App fürs Smartphone. Lounges mit Tablets, auf denen der eigene Online-Shop als Homescreen erscheint, verzahnen beide Einkaufswelten. RMS Internationales Vorbild bei der Verzahnung von On- und Offline ist der Modekonzern Burberry. Dort sieht jeder Verkäufer auf seinem iPad mit einem Blick alle Kundendaten – Grössen, bisherige Einkäufe, selbst kulinarische Vorlieben etwa für Events. Per Tablet erledigt er auch den Check-out und mailt den Kassenbon oder bestellt im Laden nicht vorrätige Grössen, Farben und Modelle.Jeffrey MacMillan RMS Tanzvorführungen zwischen den Regalen, Yogastunden auf der Dachterrasse in Basel, ein Kurs zum Herstellen von Mozzarella in Genf – der grösste Schweizer Warenhauskonzern, Manor, erweckt seine 64 Filialen ebenfalls zum Leben. Eine halbe Milliarde Franken lässt sich die Eigentümerfamilie Maus das neue Ladenkonzept samt frischem Online-Auftritt kosten. Bilder: Keystone RMS Andere Ketten – in der Schweiz beispielsweise Schild – setzen auf elektronische Spiegel, die aufzeichnen, was man gerade anprobiert. Freund oder Partner können das Kleidungsstück live via Facetime sehen und kommentieren, auch auf Facebook ist die Anprobe mit einem Knopfdruck gepostet. Getty Images RMS Den Virtual-Reality-Gedanken auf die Spitze getrieben hat der chinesische Anbieter Yihaodian. Seine über 1000 Supermärkte sind ausschliesslich virtuell. Auf grossen Flächen spannt Yihaodian mittels Antennen ein elektronisches Warenhaus auf. Mit dem Handy vor den Augen bewegen sich die Kunden über den Platz und damit durch den dreidimensionalen Supermarkt. Produkte in den virtuellen Regalen wählen sie durch Antippen auf dem Schirm aus, anschliessend wird die Ware nach Hause geliefert. RMS