Auf der BΓΌhne des ZΓΌrcher Hallenstadions, wo zwei Tage zuvor noch die SΓ€ngerin Rihanna im knallbunten Bikini die Massen verzΓΌckt hatte, war an diesem Tag ein etwas stΓ€mmiger Herr in blauem Jackett und beigefarbener Cordhose der Star: Hans-Ulrich Meister. 1700 Mitarbeiter aus dem GeschΓ€ftsbereich Schweiz hatte die Credit Suisse zur ganztΓ€gigen Managementkonferenz geladen β und der Chef gab sein Bestes, seine Leute auf die Zukunft einzuschwΓΆren.
Meister, ein Mann mit gutem Draht zu seiner Crew, war in seinem Element.Sicher in den Fakten und Details, mit lockerem und doch bodenstΓ€ndigem Auftritt, den Hemdkragen offen, fand er den Zugang zu den Massen im Saal. Mit einigen wenigen knochenharten Statements erΓΆffnete er die Konferenz, mit einer klaren Ansage, dass das Wehklagen ΓΌber die Branchenkrise vorbei sei und es anzupacken gelte. Die Message dahinter: Mag sein, dass die CS ihren Mitarbeitern die strengsten Hausaufgaben aller Banken aufgibt, aber dafΓΌr wird man als erste die Nase vorn haben. Gegen so viel Tatendrang wirkte der englische Speech von CEO Brady Dougan, der den Marathon-Event am Nachmittag mit seinem Auftritt beglΓΌckte, eher nΓΌchtern.
Das Schweizer GeschΓ€ft ist der Home-Turf von Meister. Seit seinem CS-Eintritt 2008 hat der gebΓΌrtige Glarner diese Division unter sich. Im Schweizer GeschΓ€ft hat er auch vorher den Grossteil seiner Karriere verbracht, bei der UBS, wo er 24 Jahre lang war. Doch sein Reich wurde zuletzt gewaltig ausgedehnt: ZusΓ€tzlich zu seinem angestammten Bereich ist der 52-JΓ€hrige seit August auch noch fΓΌr die Paradesparte der Credit Suisse zustΓ€ndig, das Private Banking. Als neuer CEO der Sparte hat er Walter Berchtold verdrΓ€ngt, der mit dem eher reprΓ€sentativen Titel eines Chairman abgespeist wurde.
Seither ist Meister das neue Machtzentrum der Bank β als Chef der wichtigsten beiden Bereiche ist er nunmehr fΓΌr ΓΌber zwei Drittel des gesamten Gewinns der Grossbank zustΓ€ndig.
FΓΌr seine Familie und seine Hobbys wird er nun weniger Zeit haben. Er hat drei Kinder im Teenageralter, zwei TΓΆchter und einen Sohn. Seine Frau Susanna ist mit eigener Firma in der Coachingbranche tΓ€tig. Eine seiner Leidenschaften ist die Musik: Er spielt Akkordeon und leitete einmal ein Orchester.
Von der Leistung des neuen Doppel-CEO hΓ€ngt ab, wie die CS in der derzeitigen Branchenkrise ΓΌber die Runden kommt. Die Last auf Meisters Schultern wiegt umso schwerer, weil der andere Hauptbereich, das Investment Banking, schwΓ€chelt und viele gar mit einer Abspaltung des RisikogeschΓ€fts liebΓ€ugeln.
Klagen ist nicht Meisters Art. Man mΓΌsse die neue RealitΓ€t akzeptieren, sagt er. Β«Unser GeschΓ€ft leidet nicht an einem zyklischen Einbruch β dies ist eine strukturelle Krise. Die ganz guten Zeiten kommen nicht mehr zurΓΌck.Β» Umso mehr sei Handeln angesagt.
Ideen, wie das GeschΓ€ft ertragsreicher oder effizienter zu gestalten wΓ€re, wurden schon unter VorgΓ€nger Berchtold diskutiert. 2011 verschΓ€rfte sich das Markt- und Regulierungsumfeld deutlich. Um die Bank fΓΌr diese neue Welt fit zu machen, setzt der Verwaltungsrat unter dem neuen PrΓ€sidenten Urs Rohner nun mit Meister auf einen Machertyp. Redet man mit Meister ΓΌber die Bank, fΓ€llt auf, wie oft er das gleiche Bild gebraucht: Man mΓΌsse in der Lage sein, Β«etwas runterzubringenΒ», Β«etwas auf den Boden zu bringenΒ». Ein Plan sei schΓΆn und gut, aber auf die Umsetzung komme es an. Und er betont: Β«Erfolgreich sind wir nur, wenn die Leute mitziehen β bis tief hinein in die Organisation.Β»
Unter dem Namen Β«Future PBΒ» β PB steht fΓΌr Private Banking β verkΓΌndete er im September eine Wachstumsinitiative. An den Details wird noch gearbeitet, doch in groben ZΓΌgen ist klar, wohin die Reise gehen soll. Ziel ist es, bis 2014 einen zusΓ€tzlichen Vorsteuergewinn von 800 Millionen Franken herauszuholen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, soll doch damit der Gewinn um fast ein Viertel angehoben werden β im letzten Jahr erzielte die Bank in diesem Bereich einen Vorsteuergewinn von 3,4 Milliarden. Das Ziel soll durch Optimierung der Strukturen und durch weitere Investitionen in WachstumsmΓ€rkte erreicht werden. Studien haben gezeigt, dass es wichtiger ist, in den richtigen MΓ€rkten dabei zu sein, als ΓΌberall ein wenig mitzumischen. Insbesondere in Brasilien, SΓΌdostasien, China respektive Hongkong und Russland wird das GeschΓ€ft ausgebaut. Noch sind diese MΓ€rkte fΓΌr 15 Prozent der ErtrΓ€ge zustΓ€ndig, bis 2014 sollen es 25 Prozent sein.
Kostendruck. Anderseits sollen die Kosten innerhalb der gesamten Bank gesenkt werden, 2012 und 2013 um insgesamt zwei Milliarden. Das wird nicht ohne Personalabbau gehen. JΓΌngst kΓΌndigte die CS an, zusΓ€tzlich zum bereits bekanntgegebenen Abbau von 2000 Stellen in den nΓ€chsten zwei Jahren noch 1500 weitere Jobs zu streichen. Der Grossteil davon im Investment Banking, doch auch in der Schweiz stehen 500 Stellen zur Diskussion. In den vergangenen Wochen hat das Private Banking Management unter Meister zudem sΓ€mtliche 14 Onshore-Standorte ausserhalb der Schweiz, Hongkongs, Singapurs und anderer traditioneller Offshore-Buchungsplattformen unter die Lupe genommen. Diese schreiben gesamthaft gesehen im Moment einen moderaten Verlust. Dabei wurde analysiert, wo wie stark gewachsen wird und wie die Chancen fΓΌr zukΓΌnftige ProfitabilitΓ€t stehen. Ausser an Polen hΓ€lt man an allen Standorten fest. Nun wird es darum gehen, alle innert nΓΌtzlicher Frist in die Gewinnzone zu fΓΌhren.
Dazu kommt, dass weniger gut performende Plattformen auch unter dem Gesichtspunkt angeschaut werden mΓΌssen, ob sie fΓΌr die Strategie der integrierten Bank wichtig sind. Japan etwa, wo das Private Banking sehr zΓ€h lΓ€uft, ist als Markt fΓΌr die Investment Banker von Bedeutung.
Die Zeit drΓ€ngt β denn die Situation hat sich seit dem Antritt im August noch verschΓ€rft. Das GeschΓ€ft wird immer weniger profitabel. Die Bruttomarge ist im dritten Quartal weiter gesunken und hat mit 114 Basispunkten einen neuen Tiefstwert erreicht. Die Analysten gehen von weiterhin gedrΓΌckten Margen aus (siehe Grafik unter 'Downloads'). Zudem fliessen die Kundengelder nicht mehr so ΓΌppig wie frΓΌher: Der Netto-Neugeld-Zuwachs ist um ein Drittel rΓΌcklΓ€ufig.
Dinge auf den Boden bringen. Dass er in der Tat Dinge Β«auf den Boden bringenΒ» kann, hat Meister bereits bewiesen. Eine seiner Massnahmen nach dem Einstieg bei der CS war die Neuorganisation eines Teils des Schweizer GeschΓ€fts. Das Segment der sogenannten Affluent-Kunden mit einem VermΓΆgen von 250β000 bis einer Million Franken sollte neu in den rund 200 Filialen statt wie bisher an 60 zentralen Private-Banking-Standorten betreut werden. Trotz einigen internen WiderstΓ€nden β einzelne Berater fΓΌrchteten, damit gehe die ExklusivitΓ€t der Betreuung teilweise verloren β hat Meister sein Vorhaben umgesetzt. FΓΌr ihn ist die NΓ€he zum Kunden, die das Modell verspricht, entscheidend.
Bei solchen Γbungen kommt ihm seine GlaubwΓΌrdigkeit zugute, denn Meister weiss, wovon er spricht: Er war selber einmal Niederlassungsleiter, weit draussen in der Region, in DΓΌbendorf bei ZΓΌrich, und hat danach viele Jahre lang als Firmenkunden-Teamleiter bei Industrie- und Dienstleistungsunternehmen die Klinken geputzt. Daraus sind wertvolle Kundenkontakte entstanden, die zum Teil heute noch halten. Er weiss, was Unternehmer bewegt, und kann mit ihnen auf AugenhΓΆhe reden. Seinen Abschluss hat er nicht an einer Eliteuni, sondern an der HΓΆheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule (HWV) in ZΓΌrich gemacht. Seine umgΓ€ngliche Art macht ihn zum SympathietrΓ€ger β und davon gibt es in Bankerkreisen heute nicht viele. Meister ist unprΓ€tentiΓΆs, behΓ€lt auch in turbulenten Situationen die Ruhe. Β«Er ist wie unser VorarbeiterΒ», beschreibt ihn einer, der im Hallenstadion dabei war, mit einem Bild aus der Bauwirtschaft. Β«Nicht einer dieser extraterrestrischen Manager, die schnell einfliegen, ein paar Floskeln absondern und wieder weg sind.Β» FΓΌr den Ex-Finma-PrΓ€sidenten Eugen Haltiner, bei der UBS Meisters Chef und FΓΆrderer, ist sein ehemaliger Kollege Β«ein handfester Praktiker, ein Kundenmann, der sein GeschΓ€ft versteht.Β»
Fit fΓΌr hΓΆhere Aufgaben. Die Frage ist, ob sich Meister nicht sogar fΓΌr hΓΆhere Aufgaben in der Bank aufdrΓ€ngt. Brady Dougan, der CEO der CS, ist unter Druck gekommen. Er fΓΌhrte die Bank zwar gut durch die Finanzkrise hindurch, konnte den Schwung dann aber nicht mitnehmen. Jetzt sinken die Gewinne, und der Aktienkurs befindet sich im freien Fall β seit Anfang Jahr um ΓΌber 40 Prozent (siehe Grafik unter 'Downloads'). Das Γ€rgert viele Kaderleute der Bank, werden sie doch zu einem ganz erheblichen Teil in Aktien bezahlt.
Auch fragen sich viele, ob der Amerikaner, der 2009 ein Rekordpaket von 90 Millionen Franken einstrich, der Richtige sei, um die Mitarbeiter davon zu ΓΌberzeugen, dass der GΓΌrtel nun enger geschnallt werden mΓΌsse. Γber 30 Millionen hat auch Ex-Private-Banking-Chef Berchtold bekommen. Meister hingegen war nicht Teil des umstrittenen PIP-Programms und geniesst daher auch in solchen Fragen mehr GlaubwΓΌrdigkeit. Sollte die Zeit von Dougan ablaufen, steht Meister als aussichtsreichster interner Kandidat bereit.
Gut mΓΆglich allerdings ist auch, dass der CEO-Posten fΓΌr Meister doch eine Nummer zu gross wΓ€re. Er ist zwar ein hervorragender Kundenbanker und Kostenmanager, doch gilt er nicht als konzeptioneller Denker. Zudem fehlt ihm im Gegensatz zu Dougan die internationale Erfahrung. Er war in seiner Karriere nur fΓΌr ein Jahr im Ausland, zu Ausbildungszwecken in den USA, wo er fΓΌrs Wealth Management in New York tΓ€tig war. So wirkt er wenig polyglott. DiesbezΓΌglich hat er seit Antritt des CEO-Postens im Private Banking auch keine neuen Zeichen gesetzt: Seine Auslandtrips lassen sich an einer Hand abzΓ€hlen.
Wie Meister bei den Ultrareichen in Asien auf Dauer ankommt, bleibt abzuwarten. Bei diesem wichtigen Kundensegment hat VorgΓ€nger Berchtold mit seiner eleganten Erscheinung, braun gebrannt und weltgewandt, gepunktet. Zu den wenigen noch verbliebenen Aufgaben von Berchtold in seiner neuen Funktion als Chairman des Private Banking gehΓΆrt es, das Kundensegment der superreichen Ultra High Net Worth Individuals weiterhin zu pflegen. Gut mΓΆglich aber auch, dass Meister, der gut Englisch spricht, einen Schweizer Akzent aber behalten hat, gerade darum auch im Ausland als authentischer Swiss Banker herΓΌberkommt.
Wenig Support geniesst Meister bei den Investment Bankern in New York, dem Lager, aus dem Dougan stammt und das weit weg vom Hauptsitz in ZΓΌrich ein starkes Machtzentrum bildet.
Kein Strategiewechsel. Meisters Chancen, CEO der CS zu werden, wΓΌrden steigen, wenn sich die Bank zu einem radikalen Strategiewechsel entschliessen und das Investment Banking abspalten wΓΌrde. Auch wenn es seinen Karrierechancen also nicht dienlich sein mag β Meister selber verteidigt das Modell der integrierten Bank vehement: Β«Die Zusammenarbeit der VermΓΆgensverwaltung mit den anderen Bereichen, gerade auch dem Investment Banking, ist aus Kundensicht ein enormer Vorteil.Β»
Ein wichtiges Element dabei ist Solution Partners. Diese Einheit steht intern in der Kritik, weil sie teuer ist. Rund 90 Spezialisten β die meisten von ihnen ehemalige Investment Banker β bieten fΓΌr anspruchsvolle Privatkunden Dienstleistungen an der Schnittstelle zwischen VermΓΆgensverwaltung und Kapitalmarkttransaktionen an. FΓΌr Meister sind es genau solche Dienstleistungen, durch die sich die CS von anderen Banken unterscheiden kann.
Dass Hans-Ulrich Meister den Ehrgeiz hat, nach ganz oben zu gelangen, daran zweifelt niemand, der ihn kennt. Trotz seiner jovialen Art gilt er als ausgesprochen ambitiΓΆs. Die enorme Zusatzlast seiner beiden CEO-Posten nimmt er angesichts des Machtzuwachses gerne in Kauf. Die Leitung des Private Banking bezeichnete PrΓ€sident Urs Rohner kΓΌrzlich in einem Bilanz-Interview als Β«24-Stunden-Job, sieben Tage die Woche β etwas vom HΓ€rtesten, was man machen kannΒ». Diesen Knochenjob hat Meister zusΓ€tzlich zur schon sehr anspruchsvollen Aufgabe des Schweiz-Chefs.
BewΓ€hrungsprobe. Er wiegelt ab. Schon vorher sei ein bedeutender Teil des Private Banking bei ihm angesiedelt gewesen, wie das Schweizer Private Banking, das Privatkunden- und Retail-GeschΓ€ft und das Unternehmenskunden-GeschΓ€ft; da gebe es viele Γberschneidungen. Hans-Ulrich Meister ist ΓΌberzeugt, dass die Doppelfunktion sehr sinnvoll ist, weil er Entscheide rasch umsetzen kann.
Meister steht derzeit vor der wohl grΓΆssten BewΓ€hrungsprobe seiner Karriere. FΓΌr ihn ist es eine einmalige Chance, fΓΌr die Bank aber auch ein Risiko: Indem sie ein Grossteil des GeschΓ€fts auf die Schultern eines einzigen Managers legt, macht sie sich ΓΌberdurchschnittlich von seinem Geschick abhΓ€ngig. Ein Teil der Arbeitslast hat Meister allerdings verteilt, indem er enge Vertraute aus seinem Umfeld in neue SchlΓΌsselpositionen platzierte. Auf den Posten des Chief Operating Officer Private Banking setzte er mit Rolf BΓΆgli einen Mann, mit dem er schon zu UBS-Zeiten eng zusammengearbeitet hatte. Das Private Banking Schweiz fΓΌhrt neu mit Arthur Vayloyan ein eingefleischter Branchenprofi. Das FirmenkundengeschΓ€ft wird weiter vom erfahrenen Banker Barend Fruithof gefΓΌhrt, seit 2008 bei der CS, zuvor bei Raiffeisen und der ZΓΌrcher Kantonalbank tΓ€tig.
Ein grosses Rad drehen zu kΓΆnnen β das sei stets das Ziel von Meister gewesen, sagen Leute, die ihn kennen. Mit dem Wechsel zur CS haben sich auch die Ambitionen erfΓΌllt, Teil einer Konzernleitung zu sein. Dies war ihm bei der UBS verwehrt geblieben. Mit der Neustrukturierung des GeschΓ€fts, das der damalige UBS-Chef Marcel Rohner angestossen hatte, konnte sich Meister nicht anfreunden. Meister war vorgesehen als Chef des neuen Bereichs Business Banking und Wealth Management Schweiz und hΓ€tte direkt an den neuen Private-Banking-Chef Raoul Weil rapportieren sollen.
Meister sagte ab: Ihm passte das Konstrukt nicht. UBS-Insider vermuten, Meister habe mit dem Titel CEO Schweiz in der Konzernleitung Einsitz nehmen wollen. Meister selber sagt dazu nur, es hΓ€tten damals unterschiedliche Vorstellungen darΓΌber bestanden, wie das GeschΓ€ft zu organisieren sei.
Auszeit. Nach dem Weggang bei der UBS nahm Meister eine lΓ€ngere Auszeit, die unter anderem auch vertraglich bedingt war. Eine Klausel lautete, dass er zehn Monate lang nicht in den Dienst einer anderen Bank treten dΓΌrfe.
Kaum war diese Zeitspanne vorbei, lockte ihn die Konkurrenz. Die entscheidende Rolle bei seinem Wechsel zur CS spielte ausgerechnet der von Meister inzwischen ΓΌberholte Walter Berchtold. Sie kennen sich aus Uitikon bei ZΓΌrich, wo beide wohnen. Berchtold hatte damals ein Problem: Ulrich KΓΆrner. Der damalige Schweiz-Chef KΓΆrner und Berchtold harmonierten ganz und gar nicht. Dem frΓΌheren McKinsey-Manager KΓΆrner lag das harte FrontgeschΓ€ft nicht im Blut. Er trat eher als Zahlenmensch und Stratege auf. Bei den Kunden kam seine wenig nahbare Art schlecht an. Weil die beiden Bereichschefs eng zusammenarbeiten mΓΌssen, wurde die Lage immer unangenehmer.
Die LΓΆsung, die Berchtold mit der Berufung von Meister vorschlug, fand beim Verwaltungsrat und bei CEO Brady Dougan Anklang. KΓΆrner verliess die Credit Suisse. SpΓ€ter fand er unter Oswald GrΓΌbel β ebenfalls ein Ex-CS-Mann β bei der UBS Unterschlupf, als Chief Operating Officer.
Hans-Ulrich Meister fand sich bei der Credit Suisse sehr schnell zurecht. Er brachte sich in allen Gremien ein. Auch bei der Privatbankentochter Clariden Leu, wo er zusammen mit Berchtold und dem CS-Chefjuristen Romeo Cerutti im Verwaltungsrat sitzt. Als Mitglied des Credit Committee ist er fΓΌr die grossen Kreditentscheide zustΓ€ndig. Dabei ΓΌberzeugte er von Anfang an mit grosser Dossierkenntnis, sagt einer, der bei Clariden Leu eng mit ihm zusammenarbeitet. Im Gegensatz zur CS wurde seine Rolle bei Clariden Leu allerdings nicht aufgewertet. Dort ist Meister ein einfaches Verwaltungsratsmitglied, VizeprΓ€sident unter dem unabhΓ€ngigen Chairman Peter Eckert bleibt Walter Berchtold.
Bei Clariden Leu muss sich Meister auch mit der unangenehmen Frage befassen, was mit CEO Olivier Jaquet geschehen soll. Dieser war erst in diesem FrΓΌhling als neuer HoffnungstrΓ€ger bei Clariden Leu eingesetzt worden, machte aber inzwischen mit einer fragwΓΌrdigen steuerlichen Konstellation Negativschlagzeilen β er bezahlte Steuern im FΓΌrstentum Liechtenstein, lebte aber in MΓ€nnedorf ZH.
Die ErklΓ€rung der Bank: Aufgrund seiner frΓΌheren Funktion als Chef der Tochterfirma CS Trust sei es gesetzlich vorgeschrieben gewesen, dass Jaquet seinen Wohnsitz im FΓΌrstentum Liechtenstein habe. Die CS hat dazu eine interne Untersuchung eingeleitet und klΓ€rt in Abstimmung mit den SteuerbehΓΆrden ab, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Je nach Ergebnis kΓΆnnte es fΓΌr Jaquet eng werden.
Ins MachtgefΓΌge eingepasst. Auch ins MachtgefΓΌge der CS hat sich Meister schnell eingefΓΌgt. Er konnte es gut mit dem Appenzeller Hans-Ulrich Doerig, der als InterimsprΓ€sident auf Walter Kielholz folgte. Er gilt auch als Vertrauter von Urs Rohner, obschon dieser durch seine ΓΆffentlichen Auftritte seinem Spartenchef die Rolle des Β«Mister SwitzerlandΒ» inzwischen streitig macht. Auch Brady Dougan soll auf Meister grosse StΓΌcke halten, doch Freunde sind sie nicht β dafΓΌr sind sich der extravertierte Schweizer und der sprΓΆde Amerikaner zu wesensfremd. Psychologisch schwierig dΓΌrfte in diesem Zusammenhang zudem sein, dass Hans-Ulrich Meister vielerorts bereits als mΓΆglicher Nachfolger fΓΌr Dougan gilt.
Meister gilt als sportlich β und auch auf diesen Feld sehr ambitioniert, etwa wenn gerade ein Plauschfussballspiel ansteht: Β«Wenn ich einen Ball sehe, setzt bei mir was ausΒ», vertraute er einem Kollegen an. Ob ihm auch fΓΌr sein liebstes Hobby, das Skifahren im BΓΌndnerland, angesichts seiner gebΓΌndelten Aufgaben noch Zeit bleibt, muss sich in den Wintermonaten zeigen. Etwas mehr Sport wΓΌrde ihm guttun, sagen Freunde β er habe etwas zugenommen.