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Bindella: Lieber Chrono als Carpaccio

Die Nachfolgeregelung im Gastrokonzern Bindella ist verschoben. Adrian Bindella hat in eine Schmuck- und Uhrenfirma gewechselt.

Stefan Barmettler HZ

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Eine bewegte Firmenchronik ist um ein Kapitel reicher. Die Firma: Bindella, grΓΆsster privater Gastrobetreiber im Land. Der Chef: Rudi Bindella, promovierter Γ–konom mit patronalem FΓΌhrungsstil. Schliesslich der designierte Nachfolger: Adrian Bindella, ebenfalls HSG-Absolvent, 30-jΓ€hrig. Das jΓΌngste Kapitel: Die geplante Nachfolgeregelung ist gescheitert. Adrian Bindella ist bereits vor Monaten aus dem Unternehmen ausgezogen und hat sΓ€mtliche operativen Funktionen niedergelegt, diesen Sommer ist er auch aus VerwaltungsrΓ€ten der Bindella-Gruppe ausgetreten. Der Junior wechselte sogar die Branche. Seit Anfang Jahr fungiert er als GeschΓ€ftsfΓΌhrer der Uhren- und Schmuckfirma Zett-Meyer in ZΓΌrich. Statt Carpaccio verkauft Adrian Bindella nun Colliers und Chronos.
Branchenfremd.
Ein Abgang mit Wehmut, wie er in einer E-Mail an die Bindella-Belegschaft schrieb. Bindella senior und seine langjΓ€hrige Ehefrau und GeschΓ€ftspartnerin, Christa Bindella-Gschwend, sind seit zwei Jahren getrennt, Anfang Jahr liessen sie sich scheiden, seit diesem FrΓΌhling ist der Patron wieder verheiratet. Adrian Bindella, der designierte Firmenchef, wechselte ins Familienunternehmen mΓΌtterlicherseits. Christa Bindella-Gschwend stammt aus der GrΓΌnder- und Besitzerfamilie von Zett-Meyer, einer ΓΌber 70 Jahre alten Firma fΓΌr Uhren und Schmuck. Nach dem Tod des Bruders, der als GeschΓ€ftsleiter wirkte, war die FΓΌhrung verwaist. Adrian Bindella, wiewohl branchenfremd, war zum Wechsel bereit – zu einer Firma, die ungleich kleiner ist als die Bindella-Firmengruppe mit 1000 Mitarbeitern und 210 Millionen Franken Umsatz. Das Familienunternehmen Bindella ist ein Leader in der Schweizer Gastrobranche. Man betreibt in dritter Generation 33 GaststΓ€tten zwischen Winterthur und Genf. Santa Lucia, Spaghetti Factory und Contrapunto sind die Restaurants, wo sich tΓ€glich Heerscharen von GeschΓ€ftsleuten verkΓΆstigen. In den auf ItalianitΓ  ausgerichteten Lokalen werden tΓ€glich rund 10  000 Menus aufgetragen. Die Gastrogruppe liegt im Krisenjahr 2009 fast auf Vorjahresniveau, die Umsatzrendite soll sich bei sieben Prozent bewegen. Zuoberst im umtriebigen Reich thront Rudi Bindella, der Β«Spaghetti-KΓΆnigΒ» (Β«Tages-AnzeigerΒ»). Sohn Adrian hatte neben ihm Grosses vor. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium hΓ€ngte er eine Spezialausbildung an einer GastrouniversitΓ€t bei Bologna an. Dann stieg er zur Freude des Vaters und der Belegschaft im Familienunternehmen ein. Β«Je frΓΌher man die Nachfolgeregelung angeht, desto weniger kommt man unter DruckΒ», meinte der Chef vor drei Jahren in einem FirmenportrΓ€t in der BILANZ, wo erstmals der Junior ins Rampenlicht rΓΌckte. Die Fachpresse echote: Β«Die vierte Generation macht sich bereit zur Übernahme.Β» Adrian Bindella bezog sein BΓΌro neben dem Vater am Hauptsitz in ZΓΌrich HΓΆngg, war voller Ideen und Ambitionen. Β«Am besten gefΓ€llt es mir an der Front als GeschΓ€ftsfΓΌhrerΒ», meinte er damals. Sein erster Wurf war das Gastrokonzept Terroir, das voll auf Schweizer ExklusivitΓ€t setzt. AnfΓ€nglich war der Vater skeptisch, schliesslich liess sich der AnhΓ€nger italienischer Tafelkultur doch noch von Β«Pure SwissΒ» ΓΌberzeugen.

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Kein Nachfolger in Sicht.
Das Β«TerroirΒ» am ZΓΌrcher Pfauen sollte die Referenz fΓΌr weitere Betriebe sein, im Visier waren Bern, Basel und Luzern. Mit dem Abgang des Promotors aber scheint die Expansion ins Stocken geraten zu sein, ein zweites Β«TerroirΒ» ist jedenfalls noch nicht lanciert. Offenbar hat man die Aufbauarbeit unterschΓ€tzt. Derzeit werde das Konzept optimiert, ab 2011 expandiert, sagt Rudi Bindella. Das ist ganz nach seinem Gusto. An ein KΓΌrzertreten denkt der 61-JΓ€hrige ohnehin noch nicht. Beruf wie Hobby ist die Gastronomie, die Passion das Sammeln von Kunst. Beides hat Bindella ΓΌberaus effizient vereint: Wirbelt er am Gruppensitz durch die GΓ€nge, lachen ihm Hundertschaften von Γ–lbildern, Gipsskulpturen und Eisenplastiken entgegen, und in den Nischen funkeln, quasi als kulturelles Kontrastprogramm, alte, auf Hochglanz polierte Mortadella-Schneidmaschinen der Marke Berkel. In diesem wildwΓΌchsigen Biotop hΓ€lt Bindellas Ex-Frau weiterhin ihr BΓΌro. Trotz Scheidung ist sie mit der Firmengruppe, in der sie mehr als dreissig Jahre engagiert war, vielfΓ€ltig verbunden. Sie kennt jeden im Haus, kΓΌmmerte sie sich doch jahrzehntelang ums Personal. Nun gilt ihr Augenmerk dem ImmobiliengeschΓ€ft. Einflussreich ist Christa Bindella-Gschwend zum Beispiel in der Bindella Immobilien-Dienstleistungen, wo sie gemΓ€ss Orell FΓΌssli Wirtschaftsinformationen MehrheitsaktionΓ€rin ist. Zentral ist sie auch bei der Immobilien-Werte und der Rhombus Partner Immobilien. Rhombus Partner hiess letztes Jahr ΓΌbrigens noch Rhombus Bindella, und Rudi Bindella war ihr PrΓ€sident, dann ΓΌbernahm er das VizeprΓ€sidium. Am 15.  Juli 2009 erklΓ€rte er Β«mit sofortiger WirkungΒ» seinen Austritt aus der Firma. Der Abgang grΓΌnde auf einer strategischen Neuausrichtung, sagte Bindella, kΓΌnftig brauche es dort sein Mitwirken nicht mehr. DafΓΌr bleibt ihm nun noch mehr Zeit fΓΌrs KerngeschΓ€ft. Aus der vierten Bindella-Generation ist nach dem Abgang von Adrian ohnehin kein Nachfolger in Sicht. Der Γ€lteste Sohn, Rudi junior, beschΓ€ftigt sich mit dem ZΓΌrcher Musiklokal Casa Bar und taucht ab und zu in Begleitung von Missen in den Klatschspalten auf, der dritte ist Musiker, der vierte rundet sein HSG-Studium an der Bocconi-UniversitΓ€t in Mailand ab. Mittelfristig freilich setzt der Patron gleichwohl auf den Nachwuchs. Allerdings ist der Zeitfaktor nun kein vordringliches Thema mehr. Viel wichtiger ist ihm, dass sich die SΓΆhne ausserhalb der Familienfirma die Sporen abverdienen. Konkret: Filius Adrian mΓΆge nun bei Zett-Meyer seine Β«MeisterprΓΌfungΒ» ablegen. Β«Wenn Adrian spΓ€ter den Wunsch hat, sich in der Familienunternehmung zu engagieren, stehen ihm die TΓΌren offen.Β»

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