Die eine will Β«dem Kunden zuhΓΆrenΒ», die andere ihn gar Β«prosperieren sehenΒ». Die eine fΓΌhlt sich Β«der Exzellenz verpflichtetΒ», die andere Β«Ihnen gegenΓΌberΒ». Die eine wirbt mit Β«Tradition, Sicherheit und AmbitionΒ», die andere mit Β«echten WertenΒ».
Wenn Banken die Werbetrommel rΓΌhren, dann tΓΆnt das meist sehr Γ€hnlich β hΓ€ufig ist vΓΆllig austauschbar, was die Marke verspricht (die genannten Claims stammen, in dieser Reihenfolge, von der Banque PrivΓ©e Edmond de Rothschild, der CS, Julius BΓ€r, UBP, Clariden Leu und Valartis). Dabei ist im Banking die Marke besonders wichtig. Schliesslich ist das GeldgeschΓ€ft ein People Business, die Preise sind intransparent, die Produkte zunehmend die gleichen. Und das Vertrauen in den Leistungserbringer ist, wenn es ums eigene Geld geht, von besonderer Bedeutung. Β«Eine gute MarkenfΓΌhrung ist absolut entscheidend fΓΌr den Erfolg einer BankΒ», sagt Nik Stucky, Global Practice Leader Brand Valuation bei der Markenberatung Interbrand.
Konsequent betreiben die Banken deshalb die Pflege ihrer Brands. Β«In jeder Werbung, im Internet, in den BroschΓΌren oder in der GeschΓ€ftsstelle: Γberall muss der Premium-Brand erlebt werdenΒ», sagt stellvertretend Stephan Peterhans, Kommunikationschef bei Clariden Leu. Β«Und bei jedem einzelnen Kontakt mit dem Kunden muss das in der Werbung gegebene Versprechen dann auch gehalten werden.Β» Entsprechend sorgfΓ€ltig werden in der Branche die Kundenberater geschult. Β«Es ist eine der wichtigsten Managementaufgaben, die Mitarbeiter dazu zu bringen, das Markenversprechen einzulΓΆsen. Dazu braucht es klare ProzesseΒ», so Charles Naylor, weltweiter Kommunikationschef bei der CS.
Welche Bank aber hat die erfolgreichste und damit wertvollste Marke? Diese Frage beantwortet das Bankenmarken-Ranking, das Interbrand erstmals und exklusiv fΓΌr die BILANZ erstellt hat. Bislang kannte man erst Einzelwerte: Im Jahr 2009 hat Interbrand letztmals die Liste aller wertvollsten Schweizer Marken erstellt, worunter sich auch fΓΌnf Bankenmarken befanden. FΓΌr das spezielle Bankenmarken-Rating hat Interbrand nun rund 350 in der Schweiz zugelassene Banken geprΓΌft und daraus die 20 wertvollsten destilliert. Nicht berΓΌcksichtigt wurden lediglich die Bank Wegelin, Pictet und Lombard Odier Darier Hentsch (LODH): Als echte Privatbanken geben sie keinerlei Auskunft ΓΌber ihren GeschΓ€ftsgang, was die Ermittlung des Markenwertes (siehe Β«So wurde bewertetΒ») unmΓΆglich macht.
Vertrauensverlust. Die Ergebnisse: Mit einem Wert von 4,05 Milliarden Franken ist Credit Suisse die wertvollste Bankenmarke der Schweiz. Damit hat sie die UBS ΓΌberholt. Im Februar 2009 war die UBS noch der zweitwertvollste Brand hinter NescafΓ©, zwei PlΓ€tze vor der CS. Doch seither hat die UBS fast die HΓ€lfte ihres Markenwertes verloren; gegenΓΌber der Erhebung von 2007, der letzten vor der Krise, betrΓ€gt der RΓΌckgang gar 70 Prozent. Die Subprime-GeschΓ€fte und die AushΓ€ndigung von Kundendaten in die USA haben der Reputation der UBS massiv geschadet. Operativ hat sich die Grossbank inzwischen aufgefangen, nun versucht sie auch kommunikativ einen Neuanfang mit ihrer Kampagne Β«Wir werden nicht ruhenΒ». Die UBS richtet dabei mit der grossen Kelle an: Allein die Entwicklung der Kampagne kostete 25 Millionen Franken, die Werbeausgaben selber dΓΌrften dieses Jahr global 75 Millionen Franken betragen. Ein gewagtes Spiel: Β«Die Abkehr ist radikal, es stellt sich die Frage, ob das glaubwΓΌrdig und nachhaltig istΒ», kommentiert Stucky.
Auch die Marke Credit Suisse hat gegenΓΌber 2009 deutlich verloren, nΓ€mlich 40 Prozent. Doch gegenΓΌber dem Beginn der Krise ist ihr Wert quasi unverΓ€ndert. Zum einen, weil sie keine staatliche Hilfe in Anspruch nehmen musste. Zum anderen, weil sie sich in dieser Zeit konsequent mit der Marke beschΓ€ftigt hat und so das Vertrauen viel schneller zurΓΌckgewinnen konnte. Auch das Abzockerimage von Konzernchef Brady Dougan hat den Markenwert nicht tangiert. Denn anders als bei vielen Konkurrenten stehen bei der Markenpositionierung der CS nicht die Bank und ihre Produkte selber im Zentrum, sondern der Kunde.
Γberraschung. Auf Platz drei der wertvollsten Bankenmarken steht keine Einzelbank, sondern eine ganze Gruppe von Geldinstituten mit stolzen 30 Prozent Marktanteil: die Kantonalbanken. Ein kohΓ€rentes Markenbild fΓΌr 24 unabhΓ€ngig agierende Institute zu erreichen, ist eine besondere Herausforderung. Dass gewisse Positionierungen einander punktuell zuwiderlaufen, kΓΆnne man nur beschrΓ€nkt verhindern, sagt Elisabeth BΓΌrgin, Leiterin Marketingkommunikation beim Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB). Β«Aber wir geben Empfehlungen zur MarkenfΓΌhrung ab. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Institute meist daran halten.Β» Zudem definiert der VSKB die strategischen Markenwerte (seit 2010: KundennΓ€he, Kompetenz, KontinuitΓ€t) und ist fΓΌr die nationale Imagewerbung zustΓ€ndig. Mit Erfolg. Quer durch alle Kantone haben die Kunden ein Γ€hnliches Bild der Marke, Γ€hnliche Erwartungen und eine Γ€hnliche Beziehung. Auch wenn die ZΓΌrcher Kantonalbank grΓΆsser ist und auch dynamischer sein dΓΌrfte als die Urner: Β«Das Gemeinsame ist stΓ€rker als das DifferierendeΒ», sagt Nik Stucky.
Der Markenwert der Kantonalbanken dΓΌrfte in der Krise kaum gelitten haben. Zum einen, weil diese Banken keine riskanten Geldanlagen im Ausland tΓ€tigten und damit keine Reputationsverluste erleiden mussten. Zum anderen, weil vielen Kunden erst in diesen unruhigen Zeiten der Wert der Staatsgarantie richtig bewusst geworden sein dΓΌrfte.
Eine Γberraschung findet sich auf Rang acht: PostFinance mit einem Markenwert von 888 Millionen. Β«Erstaunlich, wie wertvoll die Marke istΒ», kommentiert Stucky β schliesslich hat sie als einziges der aufgefΓΌhrten Geldinstitute nicht einmal eine Banklizenz. DafΓΌr sonnt sie sich im Glanz der Dachmarke Schweizer Post, die auch im hintersten Tal des Landes verankert ist und zu der die Schweizer traditionell eine innige Beziehung haben. Γhnlich wie bei den Kantonalbanken ist die Sicherheit eines Staatsbetriebes ein wichtiges Asset der Marke, die als typische Zweitbank gilt.
Wenig PrΓ€gnanz. Als Zweitbank gilt auch die Migros Bank, Platz 16 der Liste. Speziell an der Marke ist die VerknΓΌpfung zwischen Handel und Geldinstitut: So kann man etwa an der Migros-Kasse Geld abheben. Der direkte Konkurrent, die Bank Coop, schafft es nicht unter die Top 20. Zwar gilt hier ebenfalls, dass der Markenkern im Retail liegt und die Finanzdienstleistungen eine Markenerweiterung darstellen. Die Bank Coop ist aber nur halb so gross wie die Migros Bank β und mittlerweile mehrheitlich im Besitz der Basler Kantonalbank.
Sonst haben nur wenige Banken eine einzigartige Markenpositionierung: die Bank Sarasin etwa, die sehr fokussiert auf das Thema Nachhaltigkeit setzt. Oder die Banque PrivΓ©e Edmond de Rothschild, die vom edlen Namen (unter anderem Weine, SchlΓΆsser) profitiert. Oder die BSI, die als Kernwerte β ungewΓΆhnlich im knallharten Finanzbusiness β Menschlichkeit und WΓ€rme nennt.
Gerade in den Spitzenpositionen ist die Markenbotschaft jedoch austauschbar. Und noch ist die Bankenkrise nicht vorbei, noch wird die Branche durchgeschΓΌttelt. So dΓΌrfte es auch im Ranking kΓΌnftig noch grΓΆssere UmwΓ€lzungen geben. Β«Der jetzige Wechsel an der Spitze ist gerechtfertigtΒ», sagt Stucky. Β«Und es ist mΓΆglich, dass sich in den nΓ€chsten zwei Jahren noch einmal einiges verΓ€ndern wird.Β»