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Detailhandel

Aldi wirft Migros und Coop Protektionismus vor

Im Kampf um zentrale Standorte in den Städten verzweifeln die deutschen Discounter an der Marktmacht der Schweizer Grossverteiler.

Philipp Albrecht

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Coop und Migros: Ihre Marktanteile liegen in der Schweiz bei 34 bzw. 48 Prozent. Keystone RMS

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Die Expansion von Aldi und Lidl stockt, weil ihnen Migros und Coop bei Innenstadt-Lagen stets einen Schritt voraus sind. Nun wählt Aldi deutliche Worte: «Der Wettbewerb um Marktanteile, verlässliche und leistungsfähige Lieferanten und um attraktive Standorte für neue Filialen hat teilweise zu Protektionismusreaktionen etablierter Mitbewerber geführt.»
«Bilanz» zeigt in der aktuellen Ausgabe auf, wie sich Migros und Coop die besten Flächen sichern, um die Konkurrenz aus dem Ausland auf Distanz zu halten. In vielen Fällen werden die heimischen Grossverteiler informiert, bevor es überhaupt zur Ausschreibung kommt. Die Migros bestätigt diese Praxis: «Wir haben in unserer föderalistischen Organisation einen Wissensvorsprung. Die Genossenschaften pflegen den Kontakt zur lokalen Bevölkerung, daher wissen sie genau, was in ihren Regionen läuft.»

Keine Migros-Formate in Berner Markthalle

In der Berner Innenstadt hat die Migros allerdings den Bogen überspannt. Zwischen Bahnhof und Zytglogge ist die Gruppe mit über 20 Detailhandels- und Gastro-Formaten präsent. Als sich der Grossverteiler vor Kurzem auch noch in die Markthalle beim Bahnhof einmietete, hagelte es Kritik. Migros-Aare-Chef Anton Gäumann musste zurückkrebsen und versprechen, dass keine Migros-Formate in die Markthalle einziehen.

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Auch Coop hat es offenbar in einigen Quartieren übertrieben. So zum Beispiel am Zürcher Bellevue und im angrenzenden Seefeld-Quartier, wo nicht weniger als sieben Coop-Filialen stehen. Anwohner vermuten, dass damit bewusst die Discounter-Konkurrenz ferngehalten wird.
Seit dem Markteintritt 2005 und 2009 konnten Aldi und Lidl erst knapp 300 Filialen aufbauen – deutlich weniger als geplant. Migros und Coop kommen zusammen auf über 2700 Läden im Lebensmittel-Detailhandel.
Lesen Sie in der neuen «Bilanz»: Migros und Coop beherrschen den Schweizer Markt, drängen in branchenfremde Bereiche und lassen der Konkurrenz keinen Raum. Wie viel Orange verträgt das Land noch? Ab Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.
Sehen Sie in der Bildergalerie unten, die wichtigsten Persönlichkeiten - das «Who is who» - im Schweizer Handel:
«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen im Handelsbereich:Stefan Butz: CEO DKSH, ZürichDKSH macht ein Drittel seines Umsatzes in Thailand. Eine Aufgabe für Butz wird es daher sein, die Anleger bezüglich Thailand zu beruhigen. Als König Bhumibol Adulyadej starb, verkauften viele aus Angst vor politischer Instabilität ihre DKSH-Anteile.
Ivan Glasenberg: CEO Glencore Xstrata Glencore hatte einen 41-Milliarden-Dollar-Schuldenberg angehäuft und verzeichnete 2015 einen Verlust von 8 Milliarden Dollar. Die Erholung verläuft schleppend. Anfang April konnte man 40 Prozent der Sparte Glencore Agricultural Products an einen kanadischen Pensionsfonds veräussern und den Schuldenberg um 2,5 Milliarden Dollar abbauen.
Morten Hannesbo: CEO Amag Jedes dritte in der Schweiz verkaufte Auto wird von der Amag importiert. Hannesbo ist mithin klar der Schweizer Autokönig. Dieser Titel ist durchaus berechtigt denn: 22 Prozent betrug der Marktanteil bei seinem Amtsantritt, heute sind es rund 30.
Mark Ineichen: CEO und Präsident Otto’sObwohl erst 45 Jahre jung, ist der Sohn des 2012 verstorbenen Firmengründers und FDP-Politikers Otto Ineichen bereits ein alter Hase im Schweizer Detailhandel.  Schon 2001 setzte er sich selbstbewusst in Vaters Chefsessel und experimentierte mit allerlei Discountkonzepten. Besonders erfolgreich ist er dabei mit dem inzwischen elfjährigen Billigstkonzept Radikal.
Florian Teuteberg: CEO und Co-Gründer  Digitec Galaxus  Seit 2015 hält die Migros die Mehrheit an Digitec Galaxus. Co-Gründer Florian Teuteberg spricht jedoch nicht gern darüber. Beobachtern ist längst klar, dass sein Unternehmen ohne die Hilfe des grössten Detailhandelskonzerns der Schweiz nicht auf knapp 700 Millionen Franken Umsatz gekommen wäre.
Beat Zahnd: Leiter Departement Handel Migros Zahnds neues Verantwortungsgebiet (Denner, Globus, Digitec etc.) spült 7,3 Milliarden Franken an Umsatz in die Migros-Kasse – mehr als ein Viertel der gesamten Gruppeneinnahmen. Lange galt Zahnd intern als bestmöglicher Nachfolger von Herbert Bolliger. Weil der amtierende CEO aber deutlich machte, dass er das Pensionsalter abwarten wolle, sanken die Chancen des 58 Jährigen. PR
Roland Brack: Gründer und  Inhaber Competec, Brack.ch Für Roland Brack zählt vor allem die Nachhaltigkeit.  Mit 200 Millionen Franken Umsatz ist Brack der fünft grösste Internethändler der Schweiz. Bilder: Keystone
Hansueli Loosli:Präsident Coop und SwisscomEr ist einer der mächtigsten Schweizer Manager. Vom KV-Stift in der Volg-Filiale stieg er zum obersten Verwaltungsmann von Swisscom, Coop und den Coop-Töchtern Transgourmet, Bell und Mineralöl AG auf. Damit sitzt er an den Schalthebeln der Schweizer Kommunikations- und Konsumwelt. Und als Mitglied des Vorstandsausschusses von Economiesuisse beeinflusst er zudem das Lobbying in Bern.Tomas Wüthrich/13 Photo
Martin Keller:CEO FenacoDer von Keller geführte Bauernkonzern kommt auf einen Umsatz von rund 6 Milliarden Franken. Die grosse Mehrheit der Bauern zappelt längst im Netz der Genossenschaft und ihrer über 80 Tochterfirmen mit 10'000 Angestellten. Im Düngerhandel beherrscht Fenaco 70 bis 80 Prozent des Schweizer Marktes, bei den Futtermitteln sind es mindestens 50 Prozent. François Wavre | lundi13
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«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen im Handelsbereich:Stefan Butz: CEO DKSH, ZürichDKSH macht ein Drittel seines Umsatzes in Thailand. Eine Aufgabe für Butz wird es daher sein, die Anleger bezüglich Thailand zu beruhigen. Als König Bhumibol Adulyadej starb, verkauften viele aus Angst vor politischer Instabilität ihre DKSH-Anteile. RMS

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