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Die Hintergründe des Abgangs von CEO Martin Hoffmann

Der Abgang verlief weniger harmonisch als dargestellt. Auch viele andere lang­jährige Top-Kader haben den Sportartikelhersteller verlassen.

Marc Kowalsky

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Vor fünf Jahren gaben Caspar Coppetti (l.) und David Allemann (r.) den CEO-Job ab, nun holen sie ihn sich zurück. Martin Hoffmann (M.) geht nach 13 Jahren im Konzern. Keystone

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In der offiziellen Darstellung verlief alles in Minne: «Mit dem strategischen Fahrplan für weiteres Wachstum sind sich die vier Partner einig, dass dies der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt von Martin Hoffmann ist», schwurbelte On in der Pressemitteilung, die letzten Monat den überraschenden Abgang des CEO beim Sportartikelhersteller verkündete. Die Co-Gründer David Allemann und Caspar Coppetti übernehmen wieder gemeinsam das Tagesgeschäft, Olivier Bernhard wird weiterhin an neuen Laufschuhen tüfteln.
Die Wahrheit ist weniger prosaisch. Unterschiedliche Ansichten über die Governance, die Firmenkultur und wie man von einem Drei-Milliarden- zu einem Zehn-Milliarden-Konzern werden solle, waren die Gründe für den Chefwechsel. Vor allem die starke Einflussnahme der Gründer, die offiziell als Executive Chairmen amten und bei jedem Geschäftsleitungsmeeting mit dabei sind, habe zu Reibereien geführt. «Die sind nicht immer perfectly aligned, und es gibt nicht nur happy days», hört man aus der Konzernspitze. Aus den gleichen Gründen hatte vor einem Jahr bereits Marc Maurer, mit dem sich Hoffmann den CEO-Posten viereinhalb Jahre lang geteilt hatte, den Bettel hingeschmissen. «Martin hatte sich damals schon überlegt, ebenfalls zu gehen, aber er wollte es dann doch alleine versuchen», sagt ein Insider. Doch mit Maurers Abgang wurde der Einfluss von Coppetti und vor allem von Allemann, dem starken Mann bei On, noch grösser. Bis Hoffmann genug hatte und kündigte.

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Hoffmann ist bei Weitem nicht der einzige Topshot, der On in den letzten zwölf Monaten verlassen hat. Personalchefin Noa Perry-Reifer wechselte nach knapp acht Jahren zum Start-up Neko Health von Spotify-Gründer Daniel Ek. Bei On war sie sehr wichtig für den Aufbau und die Pflege der Unternehmenskultur. Auch Chief Commercial Officer Jiahui Isler, eine Schlüsselfigur in den letzten zehn Jahren, kehrte On im Sommer den Rücken, ebenso wie Ilmarin Heitz, Senior Director of Innovation, und später Florian Maag, der als Deputy CFO den Börsengang betreut hatte. Samuel Wenger, der in den verschiedensten Top-Positionen bei On tätig war, packte seine Sportschuhe im März zunächst ohne Ziel, dann übernahm er den Sportnahrungshersteller Sponser.
Auch Britt Olsen wird On im Herbst nach zwölf Jahren verlassen. «Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine weiteren Veränderungen in der Führungsriege zu vermelden», dementiert die Firma, doch die Chief Commercial Officer hat bei einem Townhall Meeting vor 3000 Mitarbeitern ihren Abgang bereits verkündet. Er soll, so hört man, bereits länger feststehen und nichts mit Hoffmanns Demission zu tun haben. Ihre Aufgaben übernimmt Scott Maguire, der bisher die Doppelrolle als Chief Innovation und Chief Operating Officer innehatte und nun zum President befördert wurde. Der Entwickler wechselte letztes Jahr vom Velohersteller Specialized aus Singapur nach Zürich-West und wird dort als Beweis für die «weltweite Strahlkraft von On und unsere Attraktivität als globaler Arbeitgeber» gefeiert. Doch intern gibt es Zweifel an seiner Eignung für das zweitwichtigste Amt im Konzern.

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Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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