Für eine Grabrede waren die Worte ungewöhnlich direkt: «Wenn sich Klaus-Michael Kühne irgendwo einbrachte, hatte er klare Vorstellungen und zögerte nicht, seine Erwartungen zu formulieren», so Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher vor den 140 Trauergästen. «Dabei verfolgte er seine Ziele mit Leidenschaft und kämpfte gern – wie er es selbst nannte – mit offenem Visier. Wenn es sein musste, arbeitete er bis in die Nacht und scheute nicht den Konflikt.» Zuvor hatte Pfarrerin Ulrike Murmann im Hamburger Michel mit persönlichen Anekdoten Abschied genommen. Kühnes Adlatus Karl Gernandt las aus einem imaginären, erst nach Kühnes Tod an ihn verfassten Brief vor – einigen Zuhörern geriet das zu lang und anbiedernd. Den Abschluss machte Kühnes langjähriger Vertrauter Thomas Staehelin mit einer persönlich-würdevollen Einordnung der Leistungen des Hamburger Milliardärs, der die letzten 51 Jahre in Schindellegi in der Schweiz gelebt hatte.
Die Redner hatte Kühne vor seinem Tod selber bestimmt, ebenso die Gästeliste. Anwesend waren Fussballlegende Günter Netzer mit seiner Frau Elvira, Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, und zahlreiche Mitglieder des Hamburger Senats. Ausser den Vertretern seines Logistikkonzerns Kühne+Nagel und der Stiftung war nur eine Person aus der Schweiz angereist: Johann Späni, früherer Schwyzer Kantonsratspräsident und «König von Schindellegi», der Kühne einst das Grundstück verkauft hatte, auf dem bis heute der Konzernsitz steht. Als unmittelbarer Nachbar war er ihm menschlich noch am nächsten. Denn der 89-Jährige starb, wie er gelebt hatte: als Unternehmer und als Mäzen geachtet, als Mensch ohne Freunde.