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«Risiko für eine Machtkonzentration»

Doppelmandate sind in der Schweiz noch immer verpönt

Eine US-Kotierung erleichtert die Personalunion von CEO und Chairman. In der Schweiz überwiegt weiter die Skepsis.

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Barend Fruithof hat ein Doppelmandat: Er ist Präsident sowie CEO von Aebi Schmidt. Kostas Maros

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Vor einigen Wochen hat der Verwaltungsrat von Aebi Schmidt Barend Fruithof zum neuen Präsidenten nominiert. Dass Fruithof als CEO bereits die operative Leitung des Spezialfahrzeugherstellers innehat, war kein Hindernis für die Nominierung. Der bisherige VR‑Präsident Jim Sharman und der langjährige Patron Peter Spuhler treten aus dem Verwaltungsrat zurück, zudem wolle man nach der Integration des US-Fahrzeugherstellers Shyft eine kontinuierliche und konzentrierte Leitung sichern.
Was Fruithof nutzt: Aebi Schmidt ist an der Nasdaq kotiert, und in den USA sind Doppelmandate nicht verpönt, sondern die Regel. Davon profitiert auch Jan Jenisch, der seit der Abspaltung des Holcim-US-Geschäfts mit der neuen Firma Amrize ebenfalls in den USA kotiert ist. Mitte März gab Amrize die Traktanden der Generalversammlung bekannt: Zwei neue Mitglieder werden für den Verwaltungsrat vorgeschlagen – doch Jenisch bleibt Präsident und CEO. Bei Holcim stand er wegen seines temporären Doppelmandats unter Druck. Jetzt kann er unbegrenzt bleiben.
In der Schweiz bleibt der Gegenwind dagegen gross. Anfang März hat Aryzta angekündigt, dass VR‑Präsident und Interims‑CEO Urs Jordi seine Doppelrolle erst mal behalten, aber bis spätestens 2027 ein unabhängiger VR‑Präsident gefunden werden soll. Beim Nahrungsmittelhersteller Orior will Monika Walser die Doppelrolle als VR‑Präsidentin und CEO nur übergangsweise ausüben und die operative Führung abgeben – bisher wurde aber keine geeignete Person gefunden.

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Offen und ohne Ablaufdatum führt in den grösseren Schweizer Firmen nur Sulzer-Chefin Suzanne Thoma seit bereits vier Jahren das Doppelmandat. Interessant der Fall von OC Oerlikon, wie Sulzer im Orbit des Oligarchen Viktor Vekselberg. Dort amtet Michael Süss als Executive Chairman und führt sowohl den Verwaltungsrat als auch die Konzernleitung. Aber den CEO-Titel trägt er lieber nicht.
«Ein Doppelmandat erhöht das Risiko für eine Machtkonzentration», sagt Ines Pöschel, die Firmen bei Governance- und Compliance-Themen berät. Interessenskonflikte gebe es naturgemäss bei Themen wie Leistungsbeurteilung, Vergütung und Nachfolgeplanung. Auch grosse institutionelle Investoren wie der norwegische Staatsfonds sehen das Doppelmandat oft kritisch, sind aber seit dem Abflauen der ESG-Welle weniger strikt.
Auch der Governance-Part hat also bei ESG an Bedeutung verloren, zumal die Ämtertrennung keine bessere Börsenperformance garantiert, wie die starken Kursgewinne der letzten Jahre von US-Firmen mit Doppelmandat zeigen.

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