Der Traum vom Solarflieger: Projekte mit Ambitionen
Der Rekordflug der Solar Impulse 2 geht zu Ende. Das Fazit: Ein Flugzeug kann allein durch die Sonnenernergie die Welt umrunden. Doch welche Flugzeugidee mit Γko-Strom hat wirklich Potenzial?
Karen Merkel-Gyger
Solar Impulse 2: Der Solarantrieb ist fΓΌr die kommerzielle Luftfahrt noch nicht geeignet. Keystone RMS
Mit ihrer Landung in Dubai werden Borschberg und Piccard bewiesen haben: Ein Flugzeug kann allein durch die Energie des Sonnenlichtes die Welt umrunden. 150 Millionen Franken haben sie investiert. 50 Mitarbeiter zΓ€hlt das Team, das den Rekordflug geplant, betreut und gesteuert hat. Β«Eine PionierleistungΒ», sagt Eike Stumpf, Leiter des Instituts fΓΌr Luft- und Raumfahrtsysteme der RTHW Aachen. Dennoch ist er fΓΌr die Perspektiven der Solarluftfahrt kritisch: Β«Das Projekt war weniger echte Entwicklungsarbeit fΓΌr die Branche.Β»
Β«Es wird fΓΌr Jahrzehnte nicht reichenΒ»
Dass der Solarantrieb aktuell nicht fΓΌr die kommerzielle Luftfahrt taugt, haben auch die Entwickler der Solar Impulse von Anfang an betont. Ihnen ginge es darum, zu zeigen, was mΓΆglich ist, sagten Borschberg und Piccard wiederholt. Zu gross ist die benΓΆtigte FlΓ€che fΓΌr Solarzellen auf den FlΓΌgeln, zu unbestΓ€ndig die vom Wetter abhΓ€ngige Leistung. Die Solar Impulse hat eine Spannweite von 72 Metern β fΓΌr einen Einsitzer. Und hat immer wieder auf gΓΌnstiges Wetter warten mΓΌssen fΓΌr den Abflug, auch die letzte Etappe nach Dubai wurde bereits einmal aufgeschoben. Stumpf sagt: Β«FΓΌr die kommerzielle Luftfahrt wird es noch auf Jahrzehnte nicht reichen.Β»
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Und doch gibt es seit den 1970er Jahren, als das erste Solarflugzeug abhob, immer wieder Projekte mit Ambitionen. Zuletzt hat Boeing ein originelles Solar-Flugzeug zum Patent angemeldet. Gelingt die Umsetzung, soll es ΓΌber Jahre in der Luft bleiben.
Die Besonderheit bei der Maschine von Boeing Phantom Works: Der FlugkΓΆrper besteht aus einem langgestreckten U, dessen TragflΓ€chen komplett mit Solarzellen bestΓΌckt sind. Die Seitenteile sind ungewΓΆhnlich lang β sie erreichen zwei Drittel der LΓ€nge des MittelstΓΌckes. Auf diese Weise soll der Flieger in der Lage sein, auch frΓΌhe und spΓ€te Sonnenstrahlen besonders gut zu verwerten und so den Dauerflug schaffen.
Ein Flugobjekt wie das von Boeing kΓΆnnte als Alternative zu Satelliten in niedrigerer FlughΓΆhe installiert werden, um zum Beispiel die WLAN-Versorgung zu sichern. Auch die militΓ€rische Nutzung von Solardrohnen ist denkbar. Die Nasa testet ebenfalls seit Jahrzehnten an Solarflugzeugen.
WetterfΓΌhlige Flugzeuge
Allerdings haben sich die Versuchsobjekte bisher als fehleranfΓ€llig erwiesen und der Dauerflug als Seifenblase. Der Nasa-Flieger Β«HeliosΒ» schaffte zwar 2001 den HΓΆhenrekord fΓΌr nichtraketenbetriebene Flugzeuge, mit einer FlughΓΆhe von ΓΌber 29'500 Metern. Zwei Jahre spΓ€ter allerdings stΓΌrzte Β«HeliosΒ» ab β die Maschine hatte im Langzeitflug Turbulenzen nicht bewΓ€ltigen kΓΆnnen.
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Γhnlich wetterfΓΌhlig zeigte sich Googles Solardrohne Β«Solara 50Β». Der Tech-Riese hatte den Hersteller, Titan Aerospace, ΓΌbernommen und hoffte, mit seiner Hilfe das Web in entlegene Regionen bringen zu kΓΆnnen. FΓΌnf Jahre sollte die Wunderdrohne ununterbrochen in der Luft bleiben. Facebook arbeitet an einem Γ€hnlichen Projekt.
Googles Wunderdrohne abgestΓΌrzt
Doch auch Googles Prototyp stΓΌrzte vergangenes Jahr ab, als ein FlΓΌgel zu viel Auftrieb bekam. Einen aktuellen Stand zum Vorhaben gibt es nicht, auch wenn Google nach dem Vorfall betonte, weiterhin mit Solarenergie zu experimentieren. Der Traum des unbemannten Dauerfluges bleibt vorerst ein Wunschtraum, solange die Probleme der WetteranfΓ€lligkeit nicht gelΓΆst sind.
Gerade hier kΓΆnnen die Erkenntnisse aus den FlΓΌgen der Solar Impulse 2 sogar der kommerziellen Luftfahrt nΓΌtzen. Β«Die heutigen Wettermodelle sind gut genug, damit spezielle Flugplanungen ΓΌber mehrere Tage mit akzeptablen Unsicherheiten mΓΆglich sindΒ», sagt Bruno Neiniger, Leiter Meteorologie am Institut fΓΌr Aviatik der ZHAW. Β«Es bleibt die grosse Herausforderung im Umgang mit den Restunsicherheiten, was dem Solar Impulse Team offenbar in bester Weise gelungen ist.Β»
Turbulenzen kΓΆnnten besser vermieden werden
Der Solarflieger sei hier Vorbild fΓΌr die kommerzielle Luftfahrt. Β«WΓΌrde die Verkehrsluftfahrt gleich gut wie das Mission Team von Solar Impulse planen, so kΓΆnnte der Flugverkehr wesentlich komfortabler werdenΒ», so Neiniger. Turbulenzen kΓΆnnten durch intensivere Wetterbeobachtung noch besser umgangen werden.
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FΓΌr die Zukunft setzt die kommerzielle Luftfahrt allerdings hΓΆchstens als ErgΓ€nzung auf Solarantrieb. Experte Eike Stumpf sieht grΓΆsseres Potenzial im Bereich der Elektroflugzeuge. Der Tesla der LΓΌfte ist zwar noch nicht gefunden. Β«Aber diese Sachen kommenΒ», sagt Stumpf.
Bis 2030 Passagiermaschinen mit Hybridantrieb
Siemens und Airbus, zum Beispiel, machen seit April gemeinsame Sache. Sie investieren ΓΌber einen Zeitraum von fΓΌnf Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in die Forschung ΓΌber Elektroantriebe bei Flugzeugen. Siemens-Chef Joe Kaeser sprach von einem Meilenstein der Fluggeschichte. Beide Unternehmen erhoffen sich mittelfristig UmsΓ€tze in MilliardenhΓΆhe β vor allem von Hybridflugzeugen.
Airbus-Chef Tom Enders ist ΓΌberzeugt, dass bis 2030 Passagiermaschinen mit weniger als 100 Personen hybrid fliegen kΓΆnnen. In den nΓ€chsten vier Jahren allerdings wird zunΓ€chst evaluiert, was technisch machbar wΓ€re. Auch bei E-Fliegern gilt: Die Herausforderung ist, so Siemens Elektromotorenchef Frank Anton gegenΓΌber der Β«WeltΒ», so gross wie eine Mondlandung.