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Meinung

Nichts gegen Richard Campbell-Breeden, aber …

… der Chef des Vergütungskomitees im Verwaltungsrat der ­Julius Bär Gruppe zeigt, dass er noch immer nicht begreift, was es geschlagen hat.

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Richard Campbell-Breeden (64) ist Vizepräsident der Bank Julius Bär. Regina Vetter für BILANZ

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Fast 24 Millionen Franken zahlt die Bank ihrem CEO Stefan Bollinger, zusammengesetzt aus dem Salär von 8,3 Millionen und einer Ablöseentschädigung von 15,7 Millionen Franken für die Ausfälle, die Bollinger aufgrund seines Wechsels von Goldman Sachs zu Bär und des damit zusammenhängenden Verzichts auf die ihm zustehenden variablen Vergütungen erlitten hat. Dabei ist die Ablösesumme nicht mal das Problem, denn solche Zahlungen sind üblich, wenn man für Managerposten gute Leute gewinnen will. Aber dass es dazu auch noch beim Salär eine neue Rekordsumme sein muss, ist nicht nachvollziehbar. Bollinger hat zwar mit Altlasten aufgeräumt und viele positive Veränderungen angestossen, aber abgehoben hat die Bank noch nicht, der Kurs ist seit seinem Antritt gar um mehrere Prozent gesunken. Gerade weil man weiss, dass die hohe Gesamtzahl für Aufsehen sorgen wird, wäre etwas Zurückhaltung im ersten Jahr sicher nicht verkehrt gewesen.
Präsident Noel Quinn erhält fast zwei Millionen Franken, bei Vorgänger Romeo Lacher waren es noch 900’000 Franken. Beide Bär-Topleute hat Campbell-Breeden selber geholt, ist er doch auch Chef des Nominationskomitees, da mag er gewisse Verpflichtungen gespürt haben. Seit 2018 im VR, war er vor allem in den letzten zwei Jahren als Vizepräsident der starke Mann im Gremium. An der kommenden Generalversammlung wird der Brite durch den Schweizer Jürg Hunziker ersetzt, der hoffentlich etwas mehr Gespür für hiesige Befindlichkeiten hat. Campbell-Breeden aber hat der Bank quasi als letzte Amtshandlung noch einen reingebrannt. Dabei war er seit dem Benko-Skandal angeschlagen, hatte er doch im Risikokomitee des Verwaltungsrats Einsitz, das die Benko-Kredite durchwinkte. Er stand damit auch für die Zeit der Gier und des grossen Geldes, an die er jetzt mit seiner Ausschüttungspolitik nochmals erinnert.

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