Abo
Bilanz-Briefing

24 Millionen Franken für den neuen Bär-Chef

Die Themen der Woche: Bär-Boni, Sprecher Brabeck, Amstad & CS-Aus, Kriegsprognosen

dirk schutz

9_16_online bild_briefing_neu.jpg
Die Bank geriert sich wie ein extraterrestrischer Geldkonzern, der Söldnern die Chance zur Salär-Maximierung offeriert. BILANZ

Werbung

In unserer Serie zur sinnhaft schwer durchdringbaren Bonuslogik ist in dieser Woche ein neues Highlight hinzugekommen. Und da ist es schon fast tragikomisch, wie ein Schweizer Traditionshaus klischeehaft alle Vorurteile über die losgelöste, geldgetriebene Bankerkaste bestätigt. Da bezieht also der neue Bär-Chef Stefan Bollinger fast 24 Millionen Franken – 16 Millionen als Ablösezahlung von seinem vormaligem Arbeitgeber Goldmann Sachs, 8 Millionen als Salär. Und der ebenfalls frische VR-Präsident Noel Quinn bezieht mit knapp zwei Millionen Franken mehr als das Doppelte seines Vorgängers Romeo Lacher. Als die UBS Sergio Ermotti für sein Comeback-Jahr 2023 für neun Monate 14,4 Millionen Franken zahlte, war der Aufschrei gross, weil findige Rechner das Jahressalär auf fast 20 Millionen taxierten. Doch der Verwaltungsrat zeigte sich lernfähig: Auch für zwölf Monate blieb das Paket in den Folgejahren immer unter 15 Millionen. Botschaft: Wir haben verstanden.
Das lässt sich für den Bär-Verwaltungsrat nicht sagen. Die Bank, Inbegriff des Zürcher Finanzadels, geriert sich wie ein extraterrestrischer Geldkonzern, der Söldnern die Chance zur Salär-Maximierung offeriert. Nun kann niemand von Bollinger erwarten, auf die aufgestauten Zahlungen seines vormaligen Arbeitgebers zu verzichten. Doch Ex-Präsident Lacher, der Bollinger holte, muss sich fragen lassen: Kann ein Mann diese 16-Millionen-Gabe wert sein? Vor Bollingers Inthronisierung wurde auch die UBS-Schweiz-Chefin Keller-Busse als Kandidatin gehandelt. Dass sie ebenfalls eine zweistellige Ablöse gekostet hätte, galt als Grund für ihre Nicht-Rekrutierung. Bollinger war dem Verwaltungsrat offenbar den Geldsegen wert, obwohl er keine CEO-Erfahrung hatte. Der Aktienkurs stagniert seit seinem Antritt. Dass das Kontrollgremium dann auch noch das Salär des CEO um zwei Millionen erhöhte, zeigt seine Kapitulation vor dem globalisierten Geldgewerbe. Die Paket-Verdoppelung von Quinn, der das Präsidium aus London leitet, rundet das trübe Bild ab. Other people’s money im Quadrat.

Partner-Inhalte

Brabecks Solo

Am Schluss tut er doch noch etwas für sein Geld. Ende letzten Jahres hatte der Nestlé-Veteran Peter Brabeck im grossen NZZ-Interview geklagt, dass ihn der Verwaltungsrat trotz seiner Position des Chairman Emiritus nie um Rat gefragt habe, was ihn allerdings nicht daran hinderte, neun Jahre Büro und Assistentin des Nahrungsmittelkonzerns in Anspruch zu nehmen. Weil ihm Nestlé das nette Paket strich, verabschiedet sich der 81-Jährige an der Generalversammlung vom 16.April aus Amt und Würden, allerdings nicht ohne Getöse: «Das ist nicht mehr die Firma mit den Werten, wie ich sie hatte» sagte der Österreicher Ende Januar seinem Hausblatt «Kleine Zeitung».
Jetzt meldet er sich ein weiteres Mal flächendeckend via NZZ zu Wort, und bestätigt die Nestlé-Strategie, in Krisengebieten weiter zu produzieren: «Nestlé ist immer und überall vor Ort geblieben - ausser eine Fabrik wurde zerbombt oder wir wurden rausgeschmissen.» Brabeck betont allerdings, dass er nicht mehr im Namen des Unternehmens spreche. Doch es gebe keine Hinweise, dass sich an dieser grundsätzlichen Haltung der Firma etwas geändert habe, versichert die NZZ pflichtschuldig. War Brabecks Wortmeldung mit der aktuellen Führung abgestimmt? Wohl kaum. Rechtfertigt der Erkenntniswert den grossen Auftritt? Nun ja. Ist der Verwaltungsrat froh, ihn in vier Wochen endgültig verabschieden zu können? Sehr wahrscheinlich.

Werbung

CS-Nostalgie

Lange hat man nichts von ihr gehört, die Bühne überliess sie lieber ihrem operativen Vormann Stefan Walter. Doch zum Jubiläum gönnte sich Finma-Präsidentin Marlene Amstad einen Auftritt, vor der Analystenvereinigung SFAA. Denn heute vor genau drei Jahren, einem grauem März-Montag, durchlitt die UBS die schwierigsten Stunden der jüngeren Geschichte. Am Abend zuvor war die CS-Übernahme fixiert worden, jetzt lautete die Frage: Wie würden die Märkte reagieren? Bei Börsen-Eröffnung sank die Aktie um bis zu vier Prozent. Doch am Tagesende ging sie mit einem Plus von 1,3 Prozent aus dem Handel. Operation gelungen.
Sagen wir es so: Der Anteil der Finma an diesem Erfolg war überschaubar – Amstad werkelte mit ihrem Team bis zum Schluss an einer chancenlosen Abwicklung der CS und war in dem Machtpoker zwischen UBS-Präsident Kelleher und Finanzministerin Keller-Sutter und Nationalbank-Chef Jordan eher eine Randfigur. Das lag auch an der Genese der Krise: Geglänzt hatte die Finma, milde formuliert, im Umgang mit der Pannenbank nicht. Dafür zeigt sie sich jetzt umso entschlossener, besonders bei den scharfen Kapitalanforderungen an die UBS. Es sei nicht die Frage, ob wir die Lehren aus dem CS-Fall gezogen haben, verkündete Amstad in ihrer Rede, sondern «ob wir bereit sind, sie umzusetzen.» Da bleibt ein Stossgebet: Warum hat die Finma all ihre Befugnisse, die ihr schon damals zur Verfügung standen, bis hin zum Gewährsentzug der Bankführung, nicht selbst umgesetzt? Wir trauern zum dreijährigen CS-Todestag.

Werbung

Nächste Woche: Kriegs-Ausblick

Laut Wirtschaftskalender veröffentlichen die Konjunkturforscher von BAK Economics nächsten Mittwoch ihre «Prognosen in Zeiten des Krieges». Es wird zwangsläufig eine grosse Szenarien-Schlacht werden. Noch stehen die Signale am Ende dieser dritten Kriegswoche für die Schweizer Wirtschaft auf Gelb, nicht auf Rot. Zwar ist der SMI seit dem Kriegsbeginn um 10 Prozent gefallen. Doch bleibt der Ölpreis unter 100 Dollar, wird das KOF wohl das Wachstum von 0,9 Prozent für die Schweizer Wirtschaft in diesem Jahr bestätigen. Wie schrieb sie doch weise in ihrem letzten Papier vom 5. März: «Nicht jede Schlagzeile verändert die Prognose. Aber sie verändert, worauf man achten muss.» Bleiben wir achtsam.

Über die Autoren

Relevante Themen

Werbung