Barbour, Belstaff, Matchless β ein Stil, drei Firmen. Alle drei sind britisch, alle drei grosse Namen, alle drei mit langer Tradition, alle drei zum Verwechseln Γ€hnlich, mindestens in dem, was sie tun. Das International Washington Waxed Jacket der aktuellen Steve-McQueen-Linie von Barbour gleicht dem Gordon Jacket von Belstaff und gleicht dem Baker Jacket von Matchless. So Γ€hnlich die Jacken sind, so unterschiedlich sind die Strategien, welche die drei Unternehmen im Kampf um ihre Kundschaft fahren.
Unaufgeregt und selbstbewusst beschreitet Barbour einen Weg, der lΓ€ngst eingeschlagen wurde. Nichts wird verschenkt, an niemanden. Selbst die KΓΆnigsfamilie, zu der die Barbours seit Jahrzehnten enge Beziehungen pflegen, muss ihre Jacken bezahlen. Aus Prinzip wird darauf verzichtet, hippe Zeitgenossen fΓΌr die Produkte anzuwerben. Steve McQueen, der 1980 verstarb, ist Β«the one and onlyΒ».
Belstaff: HΓΆhenflug β und Absturz
Ganz anders die Strategen von Belstaff. Das britische Unternehmen wurde 1924 von Eli Belovitch und seinem Schwiegersohn Harry Grosberg in Staffordshire gegrΓΌndet mit der Idee, hochwertige Bikerkluft anzubieten. Die beiden MΓ€nner verfΓΌgten ΓΌber einmaliges Know-how im Umgang mit gewachstem Leder und gewachster Baumwolle. Innert kurzer Zeit gelang es ihnen, Belstaff zum Synonym fΓΌr wasserdicht und Luxus im Markt zu etablieren: 1948 verkauften sie 40β000 Modelle des Black Prince Motorcycle Jackets innerhalb von nur einem Jahr. Von da an lief das GeschΓ€ft wie am SchnΓΌrchen, bis es in der Textilkrise Englands ins Stocken geriet. Belstaff wΓ€re wohl vom Markt verschwunden, hΓ€tte der italienische Designer und TΓΆff-Enthusiast Franco Malenotti das Label nicht gerettet. So richtig zum Fliegen hat allerdings auch er es nicht mehr gebracht β von zwei Highlights abgesehen. Im Film Β«AviatorΒ» trug Leonardo DiCaprio eine Belstaff-Jacke. Und 2008 liess sich der Schauspieler Ewan McGregor als offizieller Botschafter von Belstaff einspannen β auf seine eigene Initiative hin.
Im Juni vor drei Jahren begann bei Belstaff abermals eine neue Γra. Franco Malenotti verkaufte das Unternehmen der Schweizer Labelux Group, der auch Bally gehΓΆrt. Tommy Hilfiger und Harry Slatkin, ein amerikanischer MilliardΓ€r, sind ebenfalls am Bikerlabel beteiligt. Mit einem Mal ist die Marke wieder prΓ€sent β Topprofis mit Riesenbudgets sei Dank.
Matchless: Biker-Mode statt MotorrΓ€der
Auch der Dritte im Bund der britischen TΓΆffkluft-Marken mit Ambitionen richtet ΓΌppig an: Matchless. Auch hier sind MΓ€nner am DrΓΌcker, die das GeschΓ€ft verstehen. Capo ist mit Franco Malenotti (68) genau jener TΓΆff-Enthusiast, der in den neunziger Jahren Belstaff gerettet und 2011 fΓΌr geschΓ€tzte 95 Millionen Pfund an Labelux verkauft hat. Als CEO hat er seinen jΓΌngeren Sohn, den 32-jΓ€hrigen Michele, ins Rennen geschickt, sein Γlterer, der 38-jΓ€hrige Manuele, ist weltweit fΓΌr die PR zustΓ€ndig. Auch sie stellen die lange Geschichte des Brands und die HΓΆhepunkte der Vergangenheit ins Zentrum: 1899 als Motorradfirma gegrΓΌndet, wurde man berΓΌhmt, weil Idole wie Marlon Brando, der etwa auf dem Set des Biker-Films Β«The Wild OneΒ» mit einer Matchless posierte, oder James Dean die TΓΆffs gefahren sind. 1967 hΓΆrte Matchless mit der TΓΆffproduktion zwar auf, die Malenottis sind aber davon ΓΌberzeugt, dass sie die Marke wieder bekannt und begehrt machen kΓΆnnen. Die PlΓ€ne sind ambitiΓΆs: Flagship Stores und Expansion nach China, in die USA und nach Brasilien. Β«Dort wΓ€chst das Motorradbusiness schneller als in jedem anderen LandΒ», sagt Michele Malenotti, selber ein TΓΆff-Aficionado.
Die Maschinen von einst spielen beim Relaunch der Kollektionen denn auch eine zentrale Rolle und sind fast so wichtig wie das Topmodel, das die Italiener unter Vertrag genommen haben: Kate Moss. Β«Sie reprΓ€sentiert, wofΓΌr wir stehen wollen: Eleganz, Luxus, BritishnessΒ», sagt Malenotti.
Volltreffer mit Kate Moss
Vom ersten Shooting mit Kate Moss im letzten Jahr schickte Matchless eine Handvoll Bilder in die Welt: die Frau mit der legendΓ€ren Matchless Notting Hill oder der Soho-Jacke. Grossartig posiert sie just auf jenem Motorrad, mit dem Brando auch schon herumknatterte. Wie bei den Jacken muss auch bei der Kampagne genau hinschauen, wer Belstaff nicht mit Matchless verwechseln will. Auch die Matchless-Kampagne, von Starfotograf Terry Richardson aufgenommen, ist in Schwarzweiss gehalten und im Stil der sechziger Jahre inszeniert. Malenotti bejubelte den Volltreffer. Darum bleibt er dabei. Bei der zweiten, aktuellen Kampagne fΓΌr die zweite, aktuelle Kollektion ist alles genau wie bei der ersten: Kate Moss auf Brandos Motorrad, fotografiert von Richardson, in Schwarzweiss. Neu ist nur, was sie trΓ€gt: mal das Kensington Jacket Lady und mal den Wild One Blouson Lady.