Das letzte Bier war schlecht. Jeder kennt diesen Spruch, etwa am Morgen nach der Firmenparty. Ganz im Wissen, dass vielleicht auch das zweitletzte Bier schon keine gute Idee mehr war. Und doch scheint es Bier zu geben, das den Kater stärker füttert als anderes. Fast jeder meint, eines zu kennen, das ihm Kopfweh macht. Beim einen ist es Astra, bei der anderen «Schüga», beim Dritten das Blonde von der Lokalbrauerei. Was habe ich nicht schon alles gehört. Unfiltriertes Bier mache Kopfweh, dunkles Bier oder Billigbier. Und ja, ich nehme mich nicht aus. Habe ich nicht eher einen «sturmen Grind», wenn ich am Vorabend dunkles Bier getrunken habe?
Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Studien zum Thema. Unbestritten ist: Mehr Alkohol – genau genommen Ethanol – ergibt mehr Kater. Intensives Bockbier ist auf jeden Fall gefährlicher als leichtes Pils oder Lager.
Doch das ist nicht alles. Ebenfalls als gesichert gilt, dass Gärnebenprodukte, die während der Umwandlung von Zucker zu Alkohol entstehen, den Kater verschlimmern können. Schwieriger wird es jedoch bei der Benennung der Übeltäter. Als belastend gilt Acetaldehyd, das auch im Körper beim Abbau von Ethanol entsteht. Bereits weniger belegt ist, ob auch die berühmten Fuselalkohole Kater verursachen. Oder das buttrige Diacetyl.
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Obergärige Biere können heikler sein als untergärige
Doch in welchen Bieren stecken nun diese Nebenprodukte? Klar ist: Bei einer warmen Gärung entstehen mehr davon – tendenziell also bei obergärigen Bieren. Eine deutsche Studie hat nachgewiesen, dass Weizenbier stärker belastet ist als untergäriges Pilsner. Auch Craft-Beer-Stile wie Ale und IPA werden wärmer vergoren. Und das in der Küche gebraute Hobbybier sowieso.
Umstritten ist die Rolle der Reifedauer: Während die einen darauf verweisen, dass nur kurz gelagertes Bier mehr noch nicht abgebaute Nebenprodukte enthalten könnte, erklärte mir ein Brauer, dass bei sehr lange gelagertem Bier dafür Histamin entstehen kann. Dieses kann in seltenen Fällen ebenfalls für Kopfweh verantwortlich sein.
Irrelevant scheint die Frage, ob ein Bier filtriert oder trüb ist. Auch die Farbe spielt keine Rolle. Und während einzelne Quellen vermuten, dass schnell vergärbare Zutaten wie Glukose oder Reis dazu führen, dass die Hefe mehr unerwünschte Nebenprodukte herstellt, halten andere diese These für überschätzt.
Bier auf Wein? Geht schon auch rein.
Auch «Bier auf Wein, das lasse sein», ist keine Regel zur Katervermeidung. Studien zeigen klar, dass die Trinkreihenfolge keine Auswirkungen hat. Der Spruch scheint vielmehr einen sozialen Hintergrund zu haben: Wer es einmal zum Wein geschafft hat, soll – vermeintlich – nicht mehr zum einfacheren Bier zurückkehren. Dafür spricht zudem, dass der Merksatz in Quellen aus dem 17. Jahrhundert auch mit Milch und Wein existiert.
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Und so bleibt – leider – vor allem ein Zusammenhang: Der Kater kommt vom Alkohol. Es war also doch dieses letzte Bier, das Sie eigentlich gar nicht mehr trinken wollten.
Brauere Locher, Free Fall, alkoholfreies Bier
Für Apéro-KolumnezVg
Brauere Locher, Free Fall, alkoholfreies Bier
Für Apéro-KolumnezVg
Typisch: Untypisch
Um nicht unnötig verklagt zu werden, verzichten wir darauf, hier ein einzelnes Bier als Katerquelle zu denunzieren, und verweisen lieber auf eines, das sicher keinen Kater macht: Alkoholfreies Bier, die beste Alternative zum Zwischenwasser. Das gibt es durchaus auch in Dunkel, wie bei diesem Bier aus Lochers Craft-Reihe.
In dieser Kolumne schreiben HZ-Redaktor Michael Heim, HZ-Redaktorin Olivia Ruffiner und Autorin Tina Fischer alternierend über Bier, Wein und Drinks. Heim ist an einer kleinen Vereinsbrauerei beteiligt.