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Klaus Schwab

«Ein völlig neues Zeitalter»

Der WEF-Gründer über die nötigen Qualifikationen im KI-Zeitalter, Künstliche Intelligenz mit Bewusstsein und die nächste Revolution nach der KI.

Marc Kowalsky

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Seit seinem Abschied beim WEF beschäftigt sich Klaus Schwab «sicher 50 bis 60 Stunden pro Woche» mit Fragen zu KI. Foto: Siggi Bucher / KI-Illustration: Tessy Ruppert

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Herr Schwab, in Ihrem Buch schreiben Sie von einem neuen Zeitalter, dem Intelligent Age. Was unterscheidet dieses fundamental vom Digitalzeitalter? Ist das wirklich eine neue Epoche – oder einfach nur ein Technologieschub?

Ich habe den Begriff der vierten industriellen Revolution geformt und darüber ein Buch geschrieben. Aber wenn man all die Technologien ansieht, die da gerade zusammenkommen, künstliche Intelligenz (KI), Robotik, Quantum Computing, Advanced Connectivity, Blockchain, Life Sciences und so weiter, dann ist es weit mehr als eine industrielle Revolution. Es ist ein wahrer Quantensprung in eine völlig neue Zivilisation. Das Industriezeitalter war die Mechanisierung der Arbeit, das digitale Zeitalter war dann die Vernetzung von Information, und das intelligente Zeitalter ist nicht nur die Integration von systemischer Intelligenz, es ist auch die Verschmelzung der Technologien, die ich gerade genannt habe.

Der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft und von der Industrie- zur Informationsgesellschaft hat jeweils zu massiven Produktivitätssteigerungen geführt. Warum sehen wir den Effekt von KI bislang nur sehr begrenzt in den Makrodaten? Bei der Digitalisierung war es ja ähnlich.

Ja, wenn man sich die Daten der letzten Jahre ansieht, dann sind da doch gewisse Fragezeichen, inwieweit das digitale Zeitalter uns wirklich einen Produktivitätsfortschritt gebracht hat. Man kann dem auch entgegensetzen, dass es Produktivitätsfortschritte gebracht hat, indem es die Verteilungskosten über die Netzwerke auf praktisch null gedrückt hat. Und es hat auch dazu geführt, dass verschiedene Dienstleistungen durch diese Nulltendenz kostenlos wurden. Wenn man den Produktivitätsfortschritt in Geld pro Arbeitsstunde misst, dann ist vielleicht die Produktivität gewachsen, aber das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist nicht unbedingt gewachsen, weil kein zusätzlicher kommerzieller Wert entstanden ist.

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Und bei der KI?

Sie wird die Entstehungskosten von nichtmateriellen Gütern gegen null hin tendieren lassen. Da haben wir den gleichen Effekt: Wir profitieren von einer Effizienz- und Produktivitätssteigerung, aber sie schlägt sich nieder in der Weise, dass wir gewisse Dienstleistungen heute unentgeltlich oder zu sehr geringen Kosten geniessen können. Früher wäre ich mit einem Rechtsproblem zu einem Anwalt gegangen und hätte wohl 500 bis 1000 Franken pro Stunde bezahlt. Heute bekomme ich von der KI wahrscheinlich eine gleichwertige Antwort, vor allem wenn es sich um einfache Fragen handelt. Die ist dann aber kostenlos. Und da kommt übrigens noch ein makroökonomischer Aspekt dazu. Wenn Sie sehen, welcher Produktionsfaktor von der KI profitiert, dann ist es nicht die Arbeit, denn es werden nicht unbedingt zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Sondern es ist vor allem die Kapitalseite, die gewinnt. Und wir sehen ja, dass im BIP der Anteil von Kapital an der Wertschöpfung grösser wird zulasten der Arbeit. Das führt dazu, dass in Zukunft die Leute, die die Leistung im KI-Sektor erbringen, mehr Kapitalgewinne einfahren, aber dass der Arbeitsmarkt sich verkleinert und wir dadurch auch kein BIP-Wachstum generieren.

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Also wird KI anders als die anderen bisherigen technologischen Revolutionen nicht mehr Arbeitsplätze schaffen.

Wir wissen es noch nicht. Aber wir wissen, dass etwa ein Viertel der jetzigen Arbeitsstellen verschwinden wird und etwa 40 bis 50 Prozent ein Upskilling und Reskilling benötigen. Wir brauchen völlig neue Qualifikationen. Und wir brauchen ein totales Umdenken in Bezug auf die Entwicklung unserer Fähigkeiten. Ihre Halbwertszeit sinkt rasch. Wenn Sie heute künstliche Intelligenz studieren, tendiert der Wert dieses Studiums nach fünf Jahren, also ungefähr beim Abschluss, gegen null. Das heisst, nicht nur die Universitäten, sondern unsere ganzen Ausbildungssysteme müssen sich umwandeln zu lebenslangem Lernen. Die professionellen Fähigkeiten müssen permanent angepasst werden, weil die Entwicklung so rasch sein wird, dass das, was wir lernen, sehr schnell an Wert verliert. Die menschlichen Fähigkeiten hingegen sind etwas anderes.

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Seit seinem Abgang beim WEF kon­zentriert sich Klaus Schwab auf das Bücherschreiben. «Thriving and Leading in the Intelligent Age» heisst sein jüngstes Werk. Es beschreibt unter ­anderem, welche Führungsqualitäten gefragt sind in einer Zeit, in der sich mehrere Technologiewellen überlappen und zu noch nie da gewesenen gesellschaftlichen und geopolitischen Veränderungen führen. Am wichtigsten natürlich: KI. Zwei Kernaussagen: Lebenslanges ­Lernen wird Pflicht, und der Mensch muss sich auf das Menschliche konzentrieren.
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Was meinen Sie konkret?

Das, was wir Bewusstsein nennen: Das ist Empathie, das sind Gefühle, aber es sind vor allem die moralische Verantwortung und die humanistischen Fähigkeiten. Die müssen wir fördern und noch viel mehr betonen als Gegengewicht zu dieser Welt der KI. Was mich jetzt besonders beschäftigt, ist die kognitive Intelligenz …

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Das heisst?

Die Fähigkeit einer KI, menschliches Denken zu übernehmen, das heisst zu urteilen, zu reflektieren, Entscheidungen vorzuschlagen. Und dann haben Sie auf der anderen, menschlichen Seite das Bewusstsein. Das Bewusstsein sind unser subjektives Erleben, unsere ethischen Grundsätze, unsere Gefühle. Und die grosse Frage, die mich beschäftigt, ist: Wie weit kann dieses Bewusstsein eines Tages auch von der künstlichen Intelligenz übernommen werden?

Und kann sie das?

Wir haben noch nicht einmal eine Definition von den Neurologen, Soziologen oder Psychologen, was eigentlich Bewusstsein ist. Es gibt dort zwei Lehren. Die eine ist der Austausch von Neutronen im Hirn, das heisst, es ist mehr oder weniger ein mechanischer biologischer Vorgang. Und dann kommt natürlich die Frage: Kann das eines Tages nicht auch kopiert werden? Ich glaube zwar nicht daran. Die zweite Lehre fragt: Gibt es neben diesem mechanischen biologischen Austausch in unserem Hirn noch etwas Übergeordnetes? Das führt uns dann in philosophische und religiöse Fragen.

Aber ein Bewusstsein wäre ja dann die AGI, die Allgemeine Künstliche Intelligenz, die nicht nur einzelne Aufgaben beherrscht, sondern jede intellektuelle Aufgabe, die auch ein Mensch lösen kann.

Ja, das wäre die AGI. Das ist dieser Schritt, der Übergang von der kognitiven Intelligenz zum Bewusstsein.

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Und wird der Schritt kommen?

Wenn er je kommt, dann würde das wahrscheinlich noch Dekaden dauern. Ich glaube immer noch, dass der Mensch im Grunde genommen durch fünf Faktoren bestimmt ist, durch Seele, Hirn, Herz, Muskeln und Nerven. Ich übersetze: Die Seele ist für mich das Bewusstsein, und das ist abstrakt. Ich glaube nicht, dass das kopiert werden kann. Das Hirn würde ich dann gleichsetzen mit der künstlichen oder mit der kognitiven Intelligenz. Das Herz ist Teil des Bewusstseins, denn das Herz reflektiert unsere Werte. Und dann haben Sie natürlich Muskeln, die Umsetzungskraft und die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit, die übrigens jetzt in diesem Intelligent Age von viel grösserer Bedeutung sein wird, weil die Anforderungen und die Risiken steigen werden, sowohl auf globaler, nationaler und individueller Ebene. Ich hatte kürzlich ein Nachtessen mit der Präsidentin einer grossen, bekannten Universität. Sie sagte mir, dass ein Drittel ihrer Studenten seelisch oder psychisch angeschlagen ist.

Wegen der KI?

Auch, aber nicht nur wegen der künstlichen Intelligenz. Sondern wegen der Komplexität und der Geschwindigkeit und der Risikohaftigkeit des explosiven, exponentiellen technologischen Wandels. Und der führt natürlich zu den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, selbst umweltbezogenen Wandeln, die wir gerade erleben.

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Sie haben vorher gesagt, wir brauchen für das KI-Zeitalter komplett neue Qualifikationen. Sie kennen alle wichtigen Wirtschafts- und Politikführer auf dieser Welt. Wie viel Prozent von denen erfüllen diese Voraussetzungen heute schon?

Ich glaube, es ist sehr schwierig, diese Voraussetzungen zu erfüllen und Schritt zu halten, selbst wenn man sich bemüht. Ich sehe das an mir selbst: Seit ich nicht mehr im World Economic Forum tätig bin, beschäftige ich mich in der Woche sicher 50 bis 60 Stunden mit diesen Fragen. Aber ich habe das Gefühl, ich hinke immer noch hinterher.

Was halten Sie von den Verkündigungen, wir werden dank KI nicht mehr oder viel weniger arbeiten müssen bei steigendem Wohlstand der Gesellschaft?

Das ist durchaus möglich. Es kann passieren, dass grosse Teile der jetzigen Beschäftigungsmöglichkeiten wegfallen. Und dann müssen wir uns fragen: Werden die durch neue Möglichkeiten der Beschäftigung ersetzt – oder müssen wir Systeme finden wie das bedingungslose Grundeinkommen, um diese Bevölkerungsteile über Wasser zu halten? Ich bin Optimist. Ich bin ein grosser Verfechter von dem, was man Social Entrepreneurship nennt. Ich glaube, dass wir in der Zukunft – gerade mit all den sozialen Problemen, die wir haben werden – den Sektor Social Entrepreneurship wesentlich fördern müssen. Dass man also nicht arbeitet, um primär Geld zu verdienen, sondern um der Gesellschaft zu helfen.

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«Wenn wir als menschliche Gesellschaft nicht leiden wollen, wenn wir nicht eine Dehumanisierung unserer Gesellschaft erleben wollen, dann müssen wir auch die menschlichen Verbindungen pflegen.»Foto: Siggi Bucher / KI-Illustration: Tessy Ruppert
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«Wenn wir als menschliche Gesellschaft nicht leiden wollen, wenn wir nicht eine Dehumanisierung unserer Gesellschaft erleben wollen, dann müssen wir auch die menschlichen Verbindungen pflegen.»Foto: Siggi Bucher / KI-Illustration: Tessy Ruppert

Wird Arbeit im KI-Zeitalter also weniger zentral für Identität und sozialen Status?

Das wird automatisch so sein. Und es gibt noch einen anderen wichtigen Aspekt: die Gefahr, dass die menschliche Beziehung im KI-Zeitalter leidet. Auch weil die Leute sich mehr mit ihrem Laptop, mit Bots und Apparaten austauschen als mit den Mitmenschen. Wenn wir als menschliche Gesellschaft nicht leiden wollen, wenn wir nicht eine Dehumanisierung unserer Gesellschaft erleben wollen, dann müssen wir auch die menschlichen Verbindungen pflegen. Wir müssen also dieser computerisierten intelligenten Welt die Vertiefung der menschlichen Beziehungen entgegenstellen. Und in diesem Kontext kommt noch eine ganz andere Frage hinzu …

… nämlich?

Die technologischen Plattformen sind in der Hand von grossen Tech-Konzernen, und zwar konzentriert auf praktisch zwei Länder, die USA und China. Und ich glaube, dass es eine der grossen Anstrengungen Europas sein muss, auch hier seine eigenen Plattformen zu schaffen. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Das ist auch notwendig, um unsere kulturelle Identität und unsere Wertgrundlagen beibehalten zu können. Sonst bauen die Stück für Stück ab.

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Ist Regulierung ein probates Mittel, um zu verhindern, dass die Technologien der Zukunft in der Hand von wenigen Tech-Konzernen landen?

Ja, da müssen wir aber zuerst überlegen, wie Regulierung aussehen muss. Wir sind wie gewohnt noch in unserem traditionellen Denken, dass wir ein System haben, das ein Problem gründlich studiert und dann die notwendigen Regeln und Gesetze entwickelt. Das dauert oft Jahre. Und werden dann diese Regeln in Kraft gesetzt, sind sie gewissermassen auf ewig konzipiert. Das funktioniert heute nicht mehr. Wir müssen also auch hier einen Wechsel in unserem Denken vollziehen. Wir müssen adaptive Regeln schaffen. Das heisst, auch wenn wir ein Problem noch nicht vollständig erkennen, müssen wir doch sehen, in welche Richtung es geht. Und wir können vorläufige Rahmen, ethische, gesetzliche, normative, entwickeln, die aber dann permanent angepasst werden müssen an die effektive Entwicklung dieser Technologie.

Weltformat

Wohl kein anderer hat die Schweiz so auf die Weltkarte ­gesetzt wie Klaus Schwab (87). Nach einer Management­karriere wurde der gebürtige Deutsche 1971 als Professor an die Universität Genf ­berufen, wo er bis 2002 tätig war. Im gleichen Jahr gründete er die European Management ­Conference, aus der 1987 das Weltwirtschaftsforum (WEF) wurde, die wichtigste jährliche Zusammenkunft von Führern aus Politik und Wirtschaft. Nach einer Schlammschlacht zog er sich letztes Jahr aus dem WEF zurück. Schwab erhielt unzählige Orden, Auszeichnungen und Ehrendoktortitel.

Wie verhindern wir, dass das ein «Race to the Bottom» wird, in dem jeder Einflusskreis die laschestmöglichen Regelungen verhängt, um sich selber einen Vorteil zu verschaffen?

Sie haben recht: Diese normative Gestaltung, die an und für sich eine gesellschaftliche Legitimierung braucht, bleibt mehr oder weniger in den Händen der wenigen entsprechenden Wirtschaftsführer. Und da die ja einem sehr grossen Konkurrenzkampf ausgesetzt sind, bedeutet dies natürlich die Gefahr, dass wir in eine Zukunft hineinlaufen, wo jene globalen und nationalen Systeme, die für unser Leben bestimmend sind, nicht mehr unter der Kontrolle der Gesellschaft liegen.

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Brauchen wir eine globale KI-Aufsichtsstruktur? Also so etwas wie die IAEA bei der Atomenergie?

Ja, das ist eine der Lösungen. Eine andere wäre ähnlich wie die COP im Umweltsektor mit grösserem Einbezug der Zivilgesellschaft. Viele Organisationen wollen hier eine bestimmende Rolle übernehmen, die UNO selber, dann die ITU, verschiedene Regierungen etc. Es hat schon eine ganze Reihe von IT-Summits gegeben, von Regierungen einberufen, in Indien, Grossbritannien, Frankreich und so weiter. Aber es hilft uns nur eine globale Instanz, die alle Stakeholder vereinigt, das heisst Technologie, Wissenschaft, dann natürlich Politik, aber auch die Gesellschaft einbezieht. Ich habe im WEF versucht, das aufzubauen, und ich glaube, auch mit einigem Erfolg, Aber die Bereitschaft, sich so etwas unterzuordnen, ist bei gewissen grossen Akteuren in diesem Gebiet nicht unbedingt überzeugend.

Besonders nicht im Zeitalter von wachsenden geopolitischen Spannungen …

Ja, wir sehen diese Polarisierung, die mehr und mehr das globale System ersetzt. Und damit werden natürlich auch die KI-Systeme polarisiert werden. Letzten Endes haben wir dann vielleicht zwei Pole, dann wird sich auch die gesamte Wirtschaft für die eine oder andere Plattform entscheiden, sie hat keine Alternative. Die Wirtschaftssysteme werden damit auch in diesen Prozess der Polarisierung hineingezogen.

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Was muss die Schweiz tun, um in diesem Wettlauf der Systeme nicht zerrieben zu werden zwischen den beiden Polen?

Es ist wie mit dem Strassennetzwerk: Die Schweiz ist mit der EU verflochten, das heisst, es braucht gemeinsame Regelungen und Anstrengungen. Bei dieser Tendenz der zunehmenden Bedeutung von Plattformen für die Wirtschaft glaube ich, dass es letzten Endes im Interesse Europas wäre, seine eigenen Plattformen zu entwickeln. Und hier sollte die Schweiz sicher ein Teil davon sein. Alleine wird sie es nicht schaffen.

Sie hatten vorher vor der Dehumanisierung gewarnt. Pro Tag werden 60’000 KI-generierte Songs auf Spotify hochgeladen, immer mehr kognitive Leistungen werden also technisch simuliert. Welche Rolle schreiben Sie – Stichwort Menschlichkeit – in Zukunft den Bereichen Kunst, Kultur, Spiritualität zu?

Ich habe in Davos immer grossen Wert darauf gelegt, dass eine kulturelle Komponente eingebaut ist. Wir müssen dieses Gleichgewicht haben. Meine Sorge ist nicht, dass eines Tages die Maschine aus technologischen Möglichkeiten heraus den Menschen ablöst, sondern meine Sorge ist, dass der Mensch seine Seele verliert, indem er sich nur noch auf die Technologie konzentriert und die menschliche Komponente auf der Seite lässt. Ich glaube, wir müssen hier systemisch denken und sehen, wie wir dafür sorgen können, dass Menschlichkeit, ethische Normen etc. wesentlich bewusster in unsere Gesellschaft eingewoben werden, um uns eine grössere Resistenz gegen diese technologische Dominanz zu geben.

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Welche Revolution kommt nach der KI?

Ich glaube, es ist wahrscheinlich die Quantenrevolution. Die fängt jetzt schon an. Life Sciences und Quantentechnologie kombiniert mit KI, das öffnet uns neue Möglichkeiten der biologischen Lebensgestaltung. Wir sehen die ersten Auswirkungen, Stichwort Langlebigkeit. Wir werden ein völlig neues Narrativ für unsere Pensionierung brauchen, weil das alte Narrativ Ausbildung, Berufsleben und dann Ruhestand nicht mehr funktioniert, wenn wir eine Altersperspektive von 100 Jahren haben. Dann müssen wir unser Leben anders gestalten. Und bei Quantentechnologie ist die Frage faszinierend: Inwieweit sind Zeit und Raum eine Konstante? Können wir diese Vorstellungen sprengen? Das ist ja in der Quantum im Quantencomputing.

Letzte Frage, Herr Schwab: Welche Rolle hat KI bei der Erstellung Ihres Buches gespielt?

Die Rolle eines Assistenten, der für mich nachgeforscht hat. Früher hätte ich dafür fünf oder zehn Doktoranden eingestellt, die für mich die Fakten zusammensuchen. Die brauche ich nicht mehr. Das Buch wurde aber nicht geschrieben von einer KI, sondern, wie ich das im Vorwort auch zum Ausdruck bringe: mit KI.
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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