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Rapperswil muss sich von Steuermillion verabschieden

Erst im Frühling 2014 war Putin-Kritiker Michail Chodorkowski nach Rapperswil-Jona gezogen. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Für die Gemeinde ist der Wegzug steuerlich kein Drama.

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Wegzug: Das Haus von Michail Chodorkowski in Rapperswil-Jona. THOMAS LUETHI / HEG; Dominik Butzmann/laif RMS

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Die Freude war von kurzer Dauer. Kaum hatte Putin-Kritiker Michail Chodorkowski seinen Wohnsitz in Rapperswil-Jona SG bezogen, war er schon wieder weg: Er habe sich im Oktober 2015 abgemeldet, so Stadtpräsident Erich Zoller. Neuer Wohnsitz des Oligarchen ist London. Damit bezahlte er nur ein Jahr lang in Rapperswil Steuern.
Erst im Frühling 2014 war Chodorkowski nach langem Gefängnisaufenthalt in die Stadt am Zürichsee gezogen – er wolle in der Nähe seiner Söhne wohnen, die in St. Gallen zur Schule gehen. Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Yukos war in Russland wegen Betrugs jahrelang inhaftiert. Beobachter vermuteten auch politische Gründe – er gilt als einer der härtesten Widersacher von Präsident Wladimir Putin.

Potenter Steuerzahler

Mit dem Russen zog ein potenter Steuerzahler in den kleinen Ort mit seinen rund 27'000 Einwohnern. Über Chodorkowskis Vermögen gibt es allerdings nur Schätzungen, die sich zwischen 50 und 500 Millionen Franken bewegen. Aufgrund der unklaren Vermögenslage fand er letztes Jahr auch keinen Einzug in die «Bilanz»-Reichstenliste.
In Rapperswil wurde Chodorkowski pauschal besteuert. Wie viel genau er bezahlte, fällt unter das Steuergeheimnis. Grundlage für eine Pauschalbesteuerung sind die Lebensumstände. Er wohnte in einer Villa für monatlich 11'500 Franken. Wer im Kanton St. Gallen pauschal besteuert wird, muss mindestens das Siebenfache seiner Jahresmiete als Einkommen ausweisen – macht also eine Million. Das Vermögen wird mindestens auf das 20fache das Einkommens festgesetzt, also auf mindestens 20 Millionen. Das kantonale Steueramt liess aber wissen, dass die Besteuerung «deutlich höher» sei als das vom Gesetz vorgeschriebene Minimum. Experten schätzen den effektiv bezahlten Steuerbetrag aber auf nicht mehr als eine Million Franken.

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Laut Zoller lagen die Gesamtsteuereinnahmen für 2015 in Rapperswil bei 105 Millionen Franken. «Aufgrund der Grösse der Stadt und der Struktur mit vielen vermögenden Steuerzahlern hinterlässt der Ausfall in der Jahresrechnung keine starken Spuren», so Zoller.
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