Er dürfte einer der wichtigsten Politiker der britischen Nachkriegsgeschichte werden: Boris Johnson führte die Brexit-Kampagne an und die Briten damit aus der EU. Das sind seine Verbündeten und Gegner
Boris Johnson führte die Brexit-Kampagne und Grossbritannien damit aus der EU. Das ist sein Machtnetz:Die GegnerMit seiner bisweilen ausfallenden Rhetorik hat es Johnson geschafft, sich viele Feinde zu machen.RMSDen Schauspieler und früheren kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger bezeichnete er als «einsilbigen österreichischen Cyborg».RMSDer möglichen zukünftigen US-Präsidentin Hillary Clinton bescheinigte er in seiner Kolumne, sie wirke wie «eine sadistische Krankenschwester aus der Psychiatrie». Als im Mai die Affäre um den deutschen Fernsehsatiriker Jan Böhmermann und dessen Schmähgedicht über Recep Tayyip Erdogan tobte, schrieb Johnson einen Limerick über einen «jungen Kerl aus Ankara» und gewann damit einen Preis über 1000 Pfund für das «beleidigendste Gedicht über Präsident Erdogan».RMSAuch in der Brexit-Kampagne hielt sich Johnson nicht zurück – etwa als er die EU mit Hitler und Napoleon verglich. EU-Ratspräsident Donald Tusk erwiderte, Johnson habe «die Grenzen einer rationalen Diskussion überschritten und politischen Gedächtnisverlust offenbart».RMSEhe bekannt wurde, dass sich Johnson doch nicht für die Nachfolge von Premierminister David Cameron bewerben würde, galt Theresa May und…RMS…und Minister Stephen Crabb als seine härtesten Rivalen.RMSFernsehkoch Jamie Oliver, dessen Kampagne für gesundes Schulessen Johnson unterstützt hatte, kündigte an: «Macht Boris Johnson zum Premier – dann wars das für mich. Dann bin ich raus. Mein Glaube an uns wäre für immer gebrochen!»RMSDie VerbündetenJohnsons wichtigste Verbündete bei der Brexit-Kampagne waren Justizminister Michael Gove…RMS…Arbeitsministerin Priti Patel sowie…RMS… die deutschstämmige Abgeordnete Gisela Stuart (mitte) als Kampagnenleiterin.RMSDer ehemalige Parteikollege und heutige Vorsitzende der UK Independence Party (UKIP), Nigel Farage, teilt die europakritische Position Johnsons.RMSDer republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump unterstützte den Brexit ebenso wie…RMS…Marine Le Pen, Chefin des französischen Front National.Bilder: KeystoneRMS
Letztes Jahr gab er noch eine Biografie seines politischen Idols Winston Churchill heraus. Jetzt dürfte er selber einer der wichtigsten Politiker der britischen Nachkriegsgeschichte werden. Boris Johnson führte die Brexit-Kampagne an und Grossbritannien damit aus der EU. Wenige Monate zuvor noch hatte er seinen Fraktionskollegen gestanden, dass er «dummerweise überhaupt nicht für den Austritt» sei.
Doch Alexander Boris de Pfeffel, wie er offiziell heisst, oder «Bo-Jo», wie ihn die englische Boulevardpresse nennt, wechselt seine Meinung so häufig wie seine Hemden, wenn es seiner Karriere nützt. «Er ist die skrupelloseste und ehrgeizigste Person, die ich je kennen gelernt habe», sagt seine Biografin und ehemalige Journalistenkollegin Sonia Purnell.
«König der Welt» nannte der kleine Boris einst als Berufswunsch. Bis dahin dürfte es noch dauern. Überraschend kündigte er an, sich nicht um die Nachfolge von Premierminister David Cameron zu bewerben. Ohnehin wollten das nicht wenige Parteikollegen verhindern. Sie trauen dem Hasardeur die Führung des Landes nicht zu und fürchten den Zorn jener, die unter den wirtschaftlichen Folgen des Brexit leiden werden. «ABB» nannte sich ihre Kampagne – «Anything But Boris».
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