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Gegenwartskunst

Bilanz-Rating 2015: Die besten Künstler der Schweiz

Der Kunstmarkt boomt wie nie zuvor. Eine junge Generation von Schweizer Künstlern mischt erfolgreich auf dem ­internationalen Parkett mit: das 22. BILANZ-Künstler-Rating.

Brigitte Ulmer

Zum 22.Mal kürt Bilanz die besten Schweizer Künstler. Hierfür selektierte eine 44-köpfige Jury aus Kuratoren, Kunsthistorikern und Museumsdirektoren die zurzeit spannendsten Künstler. Die Top Ten:
Platz 10: Shirana Shahbazi Die 41-jährige Fotokonzeptkünstlerin und gebürtige Iranerin zählt zu einer jüngeren Generation von Frauen, die stetig nach vorne rückt. 2015 kletterte sie von Rang 21 auf Rang zehn. Preisspanne: 5000 - 180'000 FrankenKunsthalle Bern
Platz 9: Ugo Rondinone Der Konzept-, Medien- und Installationskünstler, mit grossformatigen Holzschnitten, abstrakter Malerei, Skulpturen, Fotografie und Comics klettert von Platz 15 auf den neunten Rang. Rondinone lebt in Zürich und in New York und ist bekannt für seine Wörter in Regenbogenfarben, die von Fassaden leuchten. Preisspanne: 35'000 - 1'300'000 Franken
Platz 8: Urs Fischer Der in New York lebende Schweizer Urs Fischer, der mit Wachs und Farbpigmenten lebensgrosse Figuren formt, belegt wie im Vorjahr den achten Platz. Seine Skulpturen und Bilder kennzeichnen Humor ebenso wie handwerkliches Raffinement. Preisspanne: 50'000 - 2'600'000 Franken
Platz 7: Christian Marclay Auf Platz sieben liegt der Schweizer Christian Marclay. Mit seinen Werken erforscht Maeclay die gemeinsamen Muster von Ton, Fotografie, Video und Filmkunst. Für seine Performances benutzt er Schallplatten und andere Tonträger, die er manipuliert, verformt, oder sogar zerstört, um Soundeffekte wie Endlosschleifen zu erzielen. Preisspanne: 2000 - 100'000 Franken (Vorjahr: Platz sechs)
Platz 6: Olivier Mosset Von der Jury ebenfalls zu den zehn wichtigsten Künstlern gewählt: Olivier Mosset. Der Maler monochromer und geometrischer Bilder belegt im BILANZ-Rating den sechsten Rang, nach Platz zehn im Vorjahr. Preisspanne: 40'000 - 250'000 Franken
Platz 5: Thomas Hirschhorn Der Schweizer Installationskünstler Thomas Hirschhorn versteht sich als ein Künstler, der «Kunst politisch macht». Nach Platz vier im Vorjahr reicht es 2015  im Ranking nur für Rang fünf. Preisspanne: 12'000 - 450'000 Franken
Platz 4: John Armleder Der Genfer Kunstdandy John Armleder liegt in diesem Jahr auf Platz vier. Seine Werke bewegen sich zwischen Kunst, Design, Konzept, Geometrie, Pop und Trash. (Vorjahr: Platz zwei) Preispanne: 50'000 - 200'000 Franken
Platz 3: Christoph Büchel 2014 noch auf Platz fünf, belegt Christoph Büchel 2015 den dritten Rang. In seiner Kunst beschäftigt sich Büchel hauptsächlich mit Rauminstallationen, die oft zu einer aktiven Beteiligung der Besucher auffordern. Das Bild zeigt Büchels Installation «Unplugged/ Simply Botiful», ausgestellt im Jahr 2006/2007 bei Hauser & Wirth in Zürich. Preispanne: ca. 5000 - 350'000 Franken
Platz 2: Pipilotti Rist Pipilotti Rist nimmt im diesjährigen BILANZ-Rating den zweiten Rang ein (Vorjahr Platz drei). Zu den Arbeiten der Schweizer Videokünstlerin gehören neben Videoinstallationen und Experimentalfilmen auch Environments, Objekte, Computerkunst und digitale Fotomontagen. Preisspanne: ca. 5000 - 500'000 Franken
Platz 1: Roman Signer Wie letztes Jahr wurde der 77-jährige Meister poetischer Sprengkunst, Roman Signer, auf Platz eins gehoben. Signer ist Bildhauer, Zeichner, Aktions- und Konzeptkünstler sowie Filmer und lebt in St.Gallen. Preisspanne: ca. 3000 - 150'000 Franken Bilder: Keystone
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Die Ergebnisse der letzten Kunstauktionen in New York sind im Grunde genommen surreal. Mindestens so ausser Rand und Band wie die 179,4 Millionen für Picassos «Les Femmes d’Algers» sind die 25,9 Millionen Dollar, die ein Gemälde des Schotten Peter Doig einspielte. Es handelt sich dabei wohlgemerkt um einen Maler, der seine Galerien noch laufend mit Werken bestückt.
Anscheinend braucht es neuerdings nur noch 25 Jahre, um von Ausstellungen in englischen Pubs in die Stratosphäre des globalen Kunstmarkts katapultiert zu werden. Branchenkenner sind sich einig, dass solche Auktionsergebnisse im Wesentlichen zwei Dinge widerspiegeln: den Anstieg der Anzahl an High Net Worth Individuals und deren Entschlossenheit, in Sachwerte wie Immobilien und Kunst zu investieren.

Kapital und Geist - eine enge Liaison

Der Boom der Gegenwartskunst ist messbare Realität. In Asien werden mit Kunst Volkswirtschaften modernisiert und Standorte gefördert. Die Ankunft einer Kunstmesse und neue, prestigeträchtige Museumsbauten wie in Miami Beach und Hongkong lassen Immobilienentwickler frohlocken. Zeitgenössische, von der Kunstgeschichte noch nicht abgesicherte Kunst ist laut einer Studie der Kunstmesse The European Fine Art Fair das am schnellsten wachsende Sammelgebiet. Allein der Marktanteil für aktuellste Kunst stieg 2014 um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Die Liaison von Kapital und Geist ist so eng wie zu den Zeiten der Medici, und die Motive sind ungefähr dieselben: Neben Kunstliebe, Sinnstiftung und Wissensdurst gehören auch Repräsentationszwecke dazu. Die novitätensüchtige Luxus- und Kreativbranche spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle: Wann immer sich die Modeschöpfer, Designer und Architekten inspirieren lassen, wenden sie sich an Künstler. Sie gelten als Experten in Sachen ständige Innovation.
Das 22. BILANZ-Künstler-Rating nimmt die Temperatur nicht beim Markterfolg, sondern bei kritischen Kunstfachleuten. Die 44-köpfige Jury selektionierte wieder die besten, zurzeit spannendsten Schweizer Künstler. Ihr Verdikt spiegelt Kontinuität, aber auch faszinierende neue Trends wie etwa die Hinwendung zu analogen Medien, zur Hardware und zu industriellen Prozessen.
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