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Vacheron Constantin

Die Kunst der Verkleinerung

Drei Künstler, drei ungewöhnliche Materialien und sehr wenig Platz: Für Homo Faber lotet Vacheron Constantin aus, was Kunsthandwerk auf einem Zifferblatt leisten kann.

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Laura Baverstock verarbeitet für «Tigerbroidery» Drähte aus 9-karätigem Gelb- und Weissgold.
Laura Baverstock verarbeitet für «Tigerbroidery» Drähte aus 9-karätigem Gelb- und Weissgold.zVg

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Bei Métiers d’Art denkt man an Emaille, Gravur oder Guillochierung. Wenn im September Venedig wieder zum Treffpunkt für aussergewöhnliches Kunsthandwerk wird, präsentiert Vacheron Constantin an der Biennale Homo Faber sechs Uhren, für die sich die Manufaktur Künstler aus Disziplinen gesucht hat, welche mit Uhrmacherei zunächst wenig zu tun haben: Federkunst, Glas- und Papierskulptur, Goldstickerei, Holzintarsien und Mikro-Origami. Ihre Aufgabe: das eigene Handwerk auf wenige Millimeter Zifferblatt zu schrumpfen – und dabei etwas zu schaffen, das nicht nur schön aussieht, sondern in einer funktionierenden mechanischen Uhr Platz findet.
Das Kaliber 2460 G4 hilft dabei: Stunden, Minuten, Wochentag und Datum erscheinen in vier Randfenstern, die Mitte des Zifferblatts bleibt daher frei.
Drei Beispiele:

Origami

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Mikro-Origami-Künstlerin Anya Midori.zVg
Winzige Mantarochen schweben über einem tiefblauen guillochierten Goldzifferblatt. Sie sind keine Gravuren oder Appliken, sondern tatsächlich gefaltet: aus hauchdünnem, von Hand gefärbtem japanischem Papier, auf feinen Messingstiften befestigt.
Gefaltet hat sie Anya Midori, eine in Deutschland lebende Mikro-Origami-Künstlerin. Weil es für einen Manta in dieser Grösse keine passende Vorlage gab, entwickelte sie die Faltfolge selbst. Dafür studierte sie Fotos und Videos echter Rochen, deren Proportionen und deren Bewegung im Wasser. Mehr als zwei Jahre dauerte die Entwicklung. «Das ist wahrscheinlich das bedeutendste Projekt meiner bisherigen Origami-Karriere», sagt Midori. Zum ersten Mal sei sie von Beginn an in den kreativen Prozess einbezogen gewesen, statt lediglich eine fertige Idee umzusetzen.

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Federschlange

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Federkünstler Julien Vermeulen in seinem Atelier.zVg
Eine Schlange aus Federn: Bei «Feathersnake» wird aus einem Material, das vor allem aus Mode und Haute Couture bekannt ist, Miniaturkunst fürs Handgelenk. Mehr als 200 winzige Stücke aus sieben seltenen Lophophor-Federn bilden den blaugrün schillernden Körper; Gänsefedern formen die Vegetation. Damit das Ganze überhaupt unter das Saphirglas passt, musste der Kiel entfernt werden.
Verantwortlich dafür ist der französische Federkünstler Julien Vermeulen. Er lernte das Handwerk unter anderem im Umfeld von Jean Paul Gaultier und gründete 2014 sein eigenes Atelier. Für Vacheron Constantin arbeitete er erstmals in dieser extremen Dimension. Herkömmliche Werkzeuge waren zu grob: Aus einer Nadel entstand ein Mikroskalpell, eine zweite wurde zum Instrument für winzige Klebstoffpunkte umgebaut. Rund 250 Stunden flossen inklusive Entwicklung und Prototypen in das Zifferblatt. Die kleinsten Federstücke waren nur zehntelmillimetergross – Vermeulen arbeitete zeitweise beinahe mit angehaltenem Atem, damit sie nicht davonflogen.

Goldstickerei

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Laura Baverstock, Absolventin der britischen Royal School of Needlework.zVg
Was aussieht wie ein plastisch modellierter Tiger, ist tatsächlich gestickt. Für «Tigerbroidery» verarbeitet Laura Baverstock Drähte aus neunkarätigem Gelb- und Weissgold; die schwarzen Streifen entstehen aus eigens entwickelten keramisch beschichteten Drähten. Der Dschungel wiederum wird auf speziell gefärbte grüne Seide gestickt. Allein die Augen des Tigers bestehen aus zehn verschiedenen Seidentönen.

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Baverstock, Absolventin der britischen Royal School of Needlework, musste dafür ihre Technik praktisch verkleinern. Die Arbeit war nur etwa halb so gross wie ihre bis dahin kleinsten Stickereien. Es entstanden 0,25 Millimeter feine Nadeln und neue Werkzeuge, um Golddraht in dieser Dimension überhaupt verarbeiten zu können. Selbst die Unterlage musste neu konstruiert werden: Gestickt wird auf Seide, die über einer speziell perforierten Titanplatte sitzt. Rund 210 Stunden stecken im fertigen Zifferblatt. Der Reiz liegt gerade im Widerspruch: Eine jahrhundertealte textile Technik wird so weit miniaturisiert und technisch aufgerüstet, dass sie Bestandteil einer mechanischen Uhr werden kann.
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