Aus ungetragenen Uhren macht Alexander Grouet Spenden. Was 2024 klein begann, wächst rasant – 2026 soll erstmals eine sechsstellige Summe zusammenkommen.
Es gibt sie wohl in jeder Uhrensammlung: Zeitmesser, die einem gefallen, die tadellos funktionieren, es aber kaum noch ans Handgelenk schaffen. Alexander Grouet hatte welche. Im Herbst 2024 entstand daraus eine einfache Idee: Wenn man sie ohnehin nicht trägt – warum nicht für einen guten Zweck hergeben?
Grouet, Franzose, seit 2017 in Biel, arbeitet in der Tech-Branche und betreibt daneben «Time Files», einen Blog über Uhren und die Menschen dahinter. Er ist Mitglied der Académie du Grand Prix d’Horlogerie de Genève und in der Bieler Uhrenszene gut vernetzt. Er fragte herum. Freunde und Sammler öffneten ihre Schubladen, Uhrmacher Dario Ratti prüfte die Stücke und reparierte kostenlos, was repariert werden musste. Grouet hatte mit vielleicht 20 Uhren gerechnet. Rund 60 kamen zusammen, 56 schafften es nach der Prüfung in den Verkauf.
Der erste Event im Dezember 2024 war noch denkbar einfach: keine Auktion, sondern Fixpreise. Um 7.15 Uhr, fast zwei Stunden bevor es offiziell losgehen sollte, stand der erste Interessent schon vor der Tür, über 50 waren es, als Grouet öffnete. Am Ende konnte er 20’329 Franken an Terre des hommes weiterleiten.
Damit hätte die Geschichte enden können. Stattdessen setzte ein «Snowball Effect» ein, wie Grouet es nennt.
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2025, die zweite Runde. Es wurden mehr als 100 Uhren eingeliefert – die Spannweite war beachtlich: von Flik Flak und Casio über Panerai und Blancpain bis zu einer Daniel Roth Master Chronograph. Auch Uhrenhersteller machten direkt mit, darunter TAG Heuer, Tissot, Certina, Formex und Horage.
Mit dem Upgrade änderte das Verkaufsmodell. Ein Teil der Uhren wurde weiterhin zum Fixpreis angeboten, die begehrteren Uhren wurden versteigert. Die Idee dazu kam von Arthur Touchot, Mitgründer des neuen Auktionshauses Marteau & Co, über das wir bereits berichtet haben. Er half bei Schätzungen und Geboten und coachte Cédric Schiess, der 2025 zum Organisationsteam stiess und den Auktionator gab.
Schiess passt gut zu Grouet. Der junge Bieler Unternehmer eröffnete 2024 mit Art du Temps seine eigene Uhren- und Schmuckboutique. Sein Ziel dort: auch ein jüngeres Publikum für mechanische Uhren gewinnen und einen Ort schaffen, an dem man nicht nur kauft, sondern sich trifft und über Uhren spricht.
Die Uhren- und Schmuckboutique Art du Temps.zVg
Die Uhren- und Schmuckboutique Art du Temps.zVg
Die zweite Ausgabe spielte 53’000 Franken ein. Und aus der Charity Watch Sale wurde Watches for Tomorrow.
2026, die dritte Runde. Professioneller soll sie werden, grösser auch – aber nicht glamouröser. «Wir wollen im Kern das bleiben, was wir seit Anbeginn sind», sagt Grouet. Mehr Geber, mehr Käufer und damit mehr Geld sind das Ziel. Aber keine gestelzte, überhitzte Charity-Veranstaltung. Grouet kann diesmal auf ein Team von 15 Freiwilligen abstellen.
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Die Watches for Tomorrow findet am 28. November in Biel statt, im Nouveau Musée Bienne. Das zweigeteilte Verkaufsmodell bleibt: Ein Teil der Uhren wird zu von Fachleuten festgelegten Preisen verkauft, die begehrtesten Stücke werden versteigert. Rund 80 Bieter werden laut Grouet im Saal zugelassen, dazu möglicherweise einige Remote Bidders. Der Online-Sign-up wird etwa drei Wochen vor dem Anlass geöffnet.
Das Nouveau Musée Bienne in Biel.PR
Das Nouveau Musée Bienne in Biel.PR
Neu in diesem Jahr bekommen die Uhrenmarken ein gemeinsames Thema: «A Touch of Orange», die Farbe von Terre des hommes. Mit einem orangefarbenen Detail soll aus einem bestehenden Modell ein Unikat für die Auktion werden.
Nach gut 73’000 Franken in zwei Jahren soll 2026 erstmals ein sechsstelliger Betrag zusammenkommen, dank mehr Uhren, mehr Käufern und mehr Aufmerksamkeit Gleichzeitig will Grouet den Geist bewahren, mit dem alles begann. Damit kündigt sich die grosse Herausforderung für die gute Idee bereits an: wachsen, ohne zu gross zu werden.
Sie haben eine Uhr, die läuft, aber Ihnen nichts bedeutet? Sie können sie hier einreichen: Watches for Tomorrow – Donate a Watch. Unabhängige Experten werden dann ihren Marktwert bestimmen. Terre des hommes stellt eine Bescheinigung für die Steuererklärung aus, basierend auf dem Schätzwert, nicht auf dem später erzielten Preis.
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