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Ebel

Die Ikone und ihre Retter

Die Marke war ein Monument. Dann verblasste sie. Jetzt wollen neue, hochkarätige Besitzer sie wiederbeleben. Gelingt das Comeback?

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Das legendäre Wellenarmband der Sport-Classic-Reihe.
Das legendäre Wellenarmband der Sport-Classic-Reihe.PR

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Der Patient ist krank, sehr krank – reif für die Intensivstation. Doch die Ärzte stehen parat. Erfahren, kapitalkräftig und motiviert. Ein Glücksfall.
Patient ist die Uhrenmarke Ebel. Und die Ärzte am Krankenbett sind der erfolgsverwöhnte unabhängige Uhrenbauer François-Paul Journe (Montres Journe SA) mit der Luxusmarke Chanel sowie Pierre Jacques, ein Tausendsassa der Branche, welcher Uhrenmedien, Handel und Manufakturführung bestens kennt. Die Käufergruppe hat die Übernahme der Marke von der Movado Group für 66,5 Millionen Dollar vereinbart und will sie jetzt wiederbeleben. Keine einfache Aufgabe.
Aber eine wichtige.
Denn Ebel, so muss man wissen, ist alles andere als irgendeine Marke. Ebel war die Ikone der 1980er-Jahre, ein Monument. Und ein Turbo für das Revival der mechanischen Schweizer Uhr nach der Quarzkrise.

Eine unvergessliche Wave

Kurzer Rückblick: Gegründet wurde Ebel 1911 in La Chaux-de-Fonds von Eugène Blum und Alice Lévy. So richtig zu fliegen begann das Unternehmen aber erst mit der dritten Generation, als Pierre-Alain Blum das Ruder übernahm. Er setzte auf Mechanik, holte für seine Zeitmesser das legendäre El-Primero-Kaliber von Zenith aus der Versenkung, und vor allem: Er erfand sozusagen die Sport-chic-Uhr, wie sie heute im Schwang ist.

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Unvergessen ist das geschmeidige Metall-Wellenarmband der Modelle Sport Classic, Wave genannt. 1986 folgte die Ebel 1911, benannt nach dem Gründungsjahr. Vor allem aber verband Ebel den Chronographen mit Eleganz – Stoppuhren galten zuvor als Instrumente, und so sahen sie auch aus.

Die wandelnde Werbesäule

Pierre-Alain Blum war das schillernde Wirtschaftswunderkind der 1980er-Jahre. 1972 kam der damals 26-jährige Weltenbummler nach La Chaux-de-Fonds zurück und übernahm; sein Vater hatte eben einen schweren Unfall erlitten. Der Sohn verpasste der Marke eine klare Positionierung, investierte in einem für die Branche bisher nie dagewesenen Ausmass ins Marketing, setzte voll auf Sponsoring – und wurde selber zur wandelnden Werbesäule. Man konnte den jungen Mann mit der schönen Schauspielerin Isabelle Adjani am Arm flanieren sehen, überhaupt umgab er sich liebend gerne mit dem Jetset: Als Ambassadoren für Ebel gewann er Sportgrössen wie Andre Agassi, Stefan Edberg und Boris Becker, dazu Schauspieler wie Sharon Stone und John Malkovich – damals war Ebel eine von nur ganz wenigen Uhrenfirmen, die auf diese Form von Werbung setzten.
Mit Wirkung. Der Begehrlichkeitsfaktor der Uhren explodierte, der Umsatz ebenso; innert weniger Jahre stieg er von 3 auf 250 Millionen. Bis der Absturz kam. Blum, vom Erfolg verwöhnt, verzettelte sich mit gewagten Engagements sowie extravaganten Ausgaben – und musste die Segel streichen. 1994 ging Ebel an Investcorp, 1999 an den französischen Luxusgüterkonzern LVMH, der die Marke nicht wirklich zum Blühen brachte. 2004 übernahm die amerikanische Movado Group, gegründet vom kubanischen Flüchtling Gedalio «Gerry» Grinberg. Viel machten aber auch die Amerikaner nicht aus der Marke – sie dümpelt seit Jahren lustlos vor sich hin.

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Und nun? Die künftigen Besitzer, die 95 Prozent von Ebel übernehmen sollen, sind frohen Mutes. Und ihr Vorhaben passt zum Zeitgeist: Hüben und drüben sind Entrepreneurs daran, schlingernden, schlafenden oder verschwundenen Uhrenmarken neues Leben einzuhauchen. Allen voran Georges Kern – früher CEO von Breitling und heute Chef des «House of Brands» –, der Gallet sowie vor allem die legendäre Marke Universal Genève wieder zum Leben erweckt hat. Und so gesehen über einen Vorsprung verfügt.
Aktuelle Neuheit: Ebel Sport Classic Chronograph 40 MM.
Aktuelle Neuheit: Ebel Sport Classic Chronograph 40 MM.PR
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Werden die neuen Meister im Haus Ebel die Marke wieder zum Fliegen bringen? Nicht alle Wiederbelebungsversuche der neusten Zeit haben reüssiert, zudem durchlebt die Branche generell eher herausfordernde Zeiten. Und es mag durchaus auch sein, dass man nicht unbedingt auf ein Revival der Marke Ebel gewartet hat. Dennoch: Wenn es jemand schafft, dann die neuen Besitzer. Denn hier treffen Journes uhrmacherische Autorität, Chanels Power und Gespür für Luxus auf Pierre Jacques’ Erfahrung im Aufbau und in der Führung einer unabhängigen Uhrenmarke.
Mit anderen Worten: Die Infusion ist gesteckt.
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