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Manufaktur ohne Allüren

Frederique Constant ist mit zahlbarem Luxus weiter im Aufwind

Diese Marke steht für erschwinglichen Luxus, klassisches Design und eigene mechanische Uhrwerke.

Iris Wimmer-Olbort

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Vom Classic Worldtimer mit Manufakturkaliber gibt es 2026 drei neue Modelle. PR

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Frederique Constant war schon vor über 20 Jahren ein besonderes Thema: Die Marke war damals noch jung, etwas mehr als zehn Jahre alt, und bilanzierte bereits 45’000 verkaufte Uhren pro Jahr.
Und bereits damals hatten die Gründer, Aletta Stas-Bax und Peter Stas, die Richtung der Marke ausformuliert und den Fokus auf klassisches Design, mechanische Werke und nützliche Komplikationen gerichtet – und auch bestimmt, ihre Zeitmesser zu durchwegs erschwinglichen Preisen anzubieten.
Das Gründerpaar hat seine Marke 2016 an die japanische Citizen Group verkauft. Geführt wird Frederique Constant seit 2018 von Niels Eggerding, wie die Stas ein Niederländer. Er hat viel verändert, aber auch viel belassen und ist stark unterwegs, wie der jüngste Report zum Schweizer Uhrenmarkt von Morgan Stanley und LuxeConsult zeigt. Dort ist Frederique Constant inzwischen auf Platz 35 vorgerückt und konnte sich als eine von nur wenigen Marken im Ranking verbessern – sowohl in Bezug auf den Umsatz als auch bei den verkauften Stückzahlen.
Gemäss den Schätzungen der Studie lag der Durchschnittspreis pro verkaufter Uhr 2025 bei 2160 Schweizer Franken; rund 85’000 wurden 2025 ausgeliefert. Es ist just die Zahl für den Output, die Peter Stas schon vor 23 Jahren als Ziel nannte.

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Niels Eggerding ist seit 2018 Managing Director von Frederique Constant. Und wacht über die DNA der Marke.
Niels Eggerding ist seit 2018 Managing Director von Frederique Constant. Und wacht über die DNA der Marke.PR
Niels Eggerding ist seit 2018 Managing Director von Frederique Constant. Und wacht über die DNA der Marke.
Niels Eggerding ist seit 2018 Managing Director von Frederique Constant. Und wacht über die DNA der Marke.PR

Mit klarer Vision

Die Positionierung im Segment des «Accessible Luxury», des erschwinglichen Luxus, ist eine der zentralen strategischen Entscheidungen des Unternehmens. Eine andere ist die vertikale Integration. Frederique Constant investierte früh in eigene Manufakturwerke, was in dieser Preisklasse durchaus ungewöhnlich ist. Die Einführung eigener Kaliber ab 2004 stärkte die Glaubwürdigkeit der Marke erheblich und grenzte sie klar ab von Konkurrenten, die ihre Uhren lediglich selbst montieren. Besonders bemerkenswert: Dass es gelungen ist, die Produktionskosten durch schlichte Konstruktionen und effiziente Prozesse vergleichsweise niedrig zu halten, gehört zu den herausragenden Leistungen der Marke.
Dennoch sei Frederique Constant 2018 nicht auf der Höhe der Zeit gewesen, sagt Niels Eggerding heute mit Blick auf seinen Anfang als Managing Director: «Sie wirkte etwas veraltet und zu stark darauf ausgerichtet, auf den Markt zu reagieren, statt eine klare und eigenständige Identität zu zeigen.»

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Guter Riecher

Eggerding kannte das Haus und die Branche damals bereits gut: Er war 2012 nach elf Jahren in der Uhrenindustrie als stellvertretender Vertriebsdirektor ins Unternehmen eingetreten und hatte ab 2014 als Vice President Sales gearbeitet. Als er 2018 die Verantwortung bei Frederique Constant übernahm, entschied er, der DNA treu zu bleiben. «Das war unsere wirkungsvollste strategische Entscheidung», sagt der 47-Jährige rückblickend. «Die Konsistenz in Design und Preisgestaltung sowie wichtige interne Talente an uns zu binden, war entscheidend für die Entwicklung der Marke.»
Wegweisend wurde auch die Neulancierung der Kollektion Highlife mit sportlich-eleganten Uhren mit integriertem Armband. «Bereits nach zwei Jahren machte Highlife 40 Prozent unseres Geschäfts aus», sagt Eggerding. Zudem habe die Kollektion dabei geholfen, neue Zielgruppen anzusprechen und die Begehrlichkeit zu steigern.
Das Modell ganz aus Stahl vom Classic Worldtimer mit Manufakturkaliber. Preis: 4995 Franken.
Das Modell ganz aus Stahl vom Classic Worldtimer mit Manufakturkaliber. Preis: 4995 Franken.PR
Das Modell ganz aus Stahl vom Classic Worldtimer mit Manufakturkaliber. Preis: 4995 Franken.
Das Modell ganz aus Stahl vom Classic Worldtimer mit Manufakturkaliber. Preis: 4995 Franken.PR
Mehr Aufmerksamkeit haben allerdings Komplikationen wie der Ewige Kalender und das Tourbillon bekommen. Die eigene Weltzeituhr, der Worldtimer, wurde vor genau zehn Jahren von Frederique Constant vorgestellt. «Das ist eines unserer ikonischsten Manufakturkaliber geworden – mit 3000 bis 3500 verkauften Uhren pro Jahr, was für ein Manufakturwerk sehr viel ist», so Eggerding, der den Worldtimer für unvergleichlich hält: «Ikonisch durch das Gehäuse, das Preis-Leistungs-Verhältnis, das Zifferblattdesign und die Funktionalität.» Alle Einstellungen lassen sich über eine einzige Krone bedienen. Und das zu einem Preis von etwa 4800 Franken.

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Die Kompetenz als Manufaktur, die sich in solchen Spezialitäten zeigt, ist ein wichtiger Baustein des Erfolgs der Marke: «Das ist wichtig für die Glaubwürdigkeit und das Image», sagt der Chef, «unsere Manufakturwerke haben massgeblich dazu beigetragen, Frederique Constant zu etablieren.» Er fügt an: «Und für die Zukunft bleibt Innovation entscheidend.»
Inzwischen verfügt Frederique Constant über 33 eigene Kaliber. Zum Einsatz kommen im Wesentlichen zwei: Basiskaliber ist die 700er-Serie. Sie hat mit dem Handaufzugswerk 2004 begonnen und wurde laufend weiterentwickelt – bis zum darauf aufgebauten ersten Worldtimer 2012. «Diese Kaliberserie ist zu unserem ‹Motor› geworden, wir produzieren davon jährlich zwischen 6000 und 10’000 Einheiten», sagt Eggerding, «für eine Uhrenmarke mit Manufakturkalibern ist das nahezu industrialisiert – besser gesagt: Es ist industrialisiert.»
Dieser Aspekt und die Tatsache, dass die Werke alle intern hergestellt werden, garantieren gemäss dem Markenchef, dass die Preise zugänglich bleiben. «Gleichzeitig gestalten wir die Werke so, dass sie robust sind und keine übermässige Komplexität enthalten. Die Toleranzen sind nicht extrem eng, was es vielen Uhrmachern ermöglicht, sie zu montieren», sagt Eggerding, «das ist übrigens ein wesentlicher Aspekt unserer Industrialisierung.» Er gibt nicht nur Zahlen zu Stückzahlen bekannt, sondern spricht auch offen an, dass er für die vergleichsweise günstigen Preise auf Margen verzichtet. Die Zugehörigkeit zum japanischen Citizen-Konzern spielt er nicht herunter, im Gegenteil: «Das ist ein riesiger Vorteil.» Wegen der Infrastruktur der Gruppe, wegen des finanziellen Rückhalts, den sie bietet, und last but not least auch wegen der starken Stellung im US-Markt, von der Frederique Constant profitiere.

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Die Classics Manchette von 2025 denkt die Uhr als Schmuck und hat daher im Innern ein Quarzwerk. Das neuste Modell mit einem Ziffer­blatt aus Türkis kostet 1995 Franken.
Die Classics Manchette von 2025 denkt die Uhr als Schmuck und hat daher im Innern ein Quarzwerk. Das neuste Modell mit einem Zifferblatt aus Türkis kostet 1995 Franken.PR
Die Classics Manchette von 2025 denkt die Uhr als Schmuck und hat daher im Innern ein Quarzwerk. Das neuste Modell mit einem Ziffer­blatt aus Türkis kostet 1995 Franken.
Die Classics Manchette von 2025 denkt die Uhr als Schmuck und hat daher im Innern ein Quarzwerk. Das neuste Modell mit einem Zifferblatt aus Türkis kostet 1995 Franken.PR

Das nächste Ziel

Also: weiter so? Ja, aber stehen bleiben will Niels Eggerding nicht. Das zeigt auch der Worldtimer. Seit der Lancierung vor zehn Jahren wurde das Werk weiterentwickelt, verfügt nun über 72 statt 38 Stunden Gangreserve. Dafür setzte man auf möglichst wenige Anpassungen im Werk, damit Montage, Service und Wertung unkompliziert bleiben. «Kleine Eingriffe mit grosser Wirkung», nennt Eggerding das. Zum Zehnjährigen kommt das zur Geltung: Frederique Constant präsentiert neue Versionen des Worldtimers.
Am anderen Ende der Kollektion bleiben die Einstiegspreise wichtig, die bewusst bei um die 1000 Franken liegen – um Marktanteile zu gewinnen. Derweil stärkt komplizierte Mechanik laut Eggerding das Image, das Storytelling und die Differenzierung. Mit Rückwirkung auf das günstigere Segment: «Kunden sehen die Kompetenz und übertragen dieses Vertrauen auf günstigere Uhren.»
Doch nicht alles lief glatt bei Frederique Constant. «Teilweise haben wir Innovationen zu schnell auf den Markt gebracht», sagt Eggerding selbstkritisch. Gewisse Innovationen wie das monolithische Hemmungssystem erwiesen sich als problematisch. Und: «Möglicherweise sind wir bei einigen Innovationen zu schnell vorgegangen, obwohl der Ausbau der Fertigungskapazitäten hätte im Vordergrund stehen sollen.» Doch wie heisst es so schön? Fehler bringen Erkenntnisse, von denen man in Zukunft profitiert. Sein Ziel sind weiterwachsende Stückzahlen und in den nächsten fünf Jahren der Aufstieg im Ranking der Schweizer Uhrenmarken: «Wenn wir dann zu den Top 25 gehören würden, wäre das ein schöner Erfolg.»

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Preiswürdig

Nivada Grenchen

1926 gegründet, war die Marke vor allem von den 1950er- bis zu den 1970er-Jahren bekannt, ging dann unter und tauchte 2018 mit dem Franzosen Guillaume Laidet wieder auf. Seine Idee: Ikonen möglichst originalgetreu zurückbringen, aber zu Preisen, die bewusst im bezahlbaren Segment bleiben. In dieses Konzept passt die neue Antarctic Erotic 38 mm (Bild): vorne vertraute Toolwatch, hinten ein witziger Pinguin-Automat. Ein Teil des Verkaufspreises von 1350 Franken fliesst in den Schutz von Pinguinkolonien.
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Raymond Weil

Die unabhängige Genfer Uhrenmarke Raymond Weil wird 50. Gefeiert wird das mit The Fifty (Bild), einer auf 50 Exemplare limitierten Edition. Die Uhren tragen Geschichte in sich: Im 37-Millimeter-Gehäuse aus Edelstahl mit Lünette aus Weissgold steckt das Säulenrad-Chronographenwerk Valjoux 23-6 von 1976. Jedes ist vollständig restauriert und von Hand veredelt. Das gilt auch für das vierteilige Zifferblatt, das vom Look her an die Millesime anknüpft, für die die Genfer 2023 am Grand Prix d’Horlogerie einen Award gewonnen haben. Die Sonderedition ist handwerklich und für einmal auch preislich luxuriös: Die Uhr kostet 8650 Franken.
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Louis Erard

Louis Erard wurde 1929 gegründet, hat sich aber völlig neu ausgerichtet. Der Fokus liegt heute auf Design und Kreativität. Dafür wird mit renommierten Uhrmachern und Designern zusammengearbeitet. Jüngstes Beispiel: Die Automatikuhr Louis Erard × Alain Silberstein Smile-Day Blue (Bild) für 4000 Franken. Diese Partnerschaften ermöglichen es, gestalterisch anspruchsvolle und teils an die Haute Horlogerie angelehnte Konzepte zu Preisen anzubieten, die weit unter dem Niveau vergleichbarer Marken liegen. Für die Kaliber setzt Louis Erard auf Zulieferer wie Sellita.
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Eberhard & Co

Die 1887 in La Chaux-de-Fonds gegründete Firma ist vor allem für Chronographen bekannt. Eine Besonderheit ist der Chrono 4 mit horizontal angeordneten Totalisatoren, ausgestattet mit bewährter Schweizer Mechanik von ETA und Sellita sowie eigenen Modulen. Der neue Scafograf 200 MCMLIX (Bild) ist ein 39-Millimeter-Update des Taucheruhrenklassikers der Marke von 1959. Technisch ist sie mit einem Heliumventil auf Sättigungstauchen getrimmt – ein Feature, das heute eher Liebhaber fasziniert als echte Tauchgänge begleitet. Die Uhr ist bis 200 Meter wasserdicht, wird mit ihrem Milanaise-Stahlband wohl als «Desk Diver» Karriere machen. Preis: 3620 Franken.
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