Nach grosser Inszenierung bei der PrΓ€sentation und nach der Taufe auf Β«BoatOneΒ» wird das Rennboot des Schweizer Teams Alinghi Red Bull Racing im April in Barcelona ins Wasser gelassen. Red Bull Media House
Heute, Donnerstag, dem 22.βAugust, findet in Barcelona die ErΓΆffnungszeremonie fΓΌr den 37.βAmericaβs Cup statt, das Rennen um die Γ€lteste internationale SporttrophΓ€e der Welt: Β«The Auld MugΒ». Es gibt sie seit 1851, gestiftet hat sie damals KΓΆnigin Victoria. 132 Jahre lang gewann Regatta fΓΌr Regatta der New York Yacht Club. Und dann, 1983, holte der ewige Challenger Australien den Wanderpokal nach Downunder.
Der Titelverteidiger 2024 ist Neuseeland. Sechs Teams treten gegeneinander an, darunter Alinghi Red Bull Racing aus der Schweiz. Als Hauptsponsorin mit im Boot taktiert die Rolex-Tochter Tudor. Β«Als wir im Jahr 2022 hΓΆrten, dass Alinghi sich mit Red Bull Racing zusammentut, um am 37.βAmericaβs Cup teilzunehmen, wussten wir, dass das Projekt sehr gut zu uns passtΒ», heisst es von offizieller Stelle mit Verweis auf den Markenclaim Β«Born to dareΒ» (frei ΓΌbersetzt: Β«Wer nichts wagt, der nichts gewinntΒ»).
Tudor ist wie Rolex eine Erfindung von Hans Wilsdorf. 1946 grΓΌndete er Montres Tudor β mit Rolex im Lead in Sachen Technik, Look und Funktionen. Registriert hatte er die Marke allerdings bereits 1926, und zwar mit der Idee, Zeitmesser herzustellen, die so solid und prΓ€zis sind wie seine Rolex-Uhren, aber weniger kosten. Im Effekt ist Tudor als BrΓΌckenkopf zu Rolex konzipiert. An der Hand der grossen Schwester ist Tudor erwachsen, stark und selbstbewusst geworden, was sich nicht zuletzt in der Wahl der Markenbotschafter zeigt: David Beckham zΓ€hlt dazu und auch der Schweizer Radprofi Fabian Cancellara, der heute als Chef des Teams Tudor Pro Cycling Erfolge feiert.
Von daher wΓ€re die Uhrenmarke auch schon vor 20 Jahren ein guter Match gewesen: 2003 gewann das Schweizer Team als bislang erstes und bis heute einziges aus einer Binnennation die legendΓ€re SegeltrophΓ€e und 2007 gleich nochmals. Damals segelte die Luxusuhrenmarke Audemars Piguet mit, bis Ernesto Bertarelli, GrΓΌnder und Besitzer des Alinghi-Teams, sich 2010 nach einem verlorenen KrΓ€ftemessen gegen das US-Team Oracle aus dem prestigiΓΆsen Rennen zurΓΌckzog. Nicht sang- und klanglos, sondern mit dem Versprechen eines Comebacks, sobald alles perfekt sein wΓΌrde. Das ist nun offenbar der Fall.
Das Werkzeug, mit dem die Teams ins Rennen steigen, ist ein Boot der Segelklasse AC75: ein mΓ€chtiger Cupper mit futuristischem Design, den zu beherrschen ein Dutzend starke MΓ€nner erfordert. Es ist 75 Fuss (rund 20,7 Meter) lang und 6,4 beziehungsweise 7,8 Tonnen schwer. Und es schafft ein Tempo von bis zu 50 Knoten (um die 100 km/h), wenn der Wind die Segel blΓ€ht, der tonnenschwere Rumpf sich aus dem Wasser hebt und eineinhalb Meter ΓΌber dem Meeresspiegel dahinrast. Das Wahnsinnstempo ermΓΆglichen TragflΓΌgel unter der WasseroberflΓ€che, sogenannte Foils. Sie sind so konstruiert, dass das Boot viel weniger Wasser verdrΓ€ngt, ergo viel schneller vorankommt.
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PrunkstΓΌck
Das AC75-Boot ist Vorgabe, eine Art Β«RohlingΒ». Den lΓ€sst jedes Team von eigenen Designern und Bootsbauern ausfeilen, verbessern und verfeinern. Der Prototyp des Schweizer Boots wurde vom Spanier Marcelino Botin entwickelt und dann in den WerkstΓ€tten in Ecublens VD unter hΓΆchster Geheimhaltung gebaut. Anfang April prΓ€sentierte Alinghi das PrunkstΓΌck in Barcelona und taufte es mehr versprechend Β«BoatOneΒ». Tags darauf wurde es ins Wasser gelassen. Seither wird trainiert.
GemΓ€ss Bertarelli ist Β«BoatOneΒ» mit mehr KΓΌhnheit zwecks mehr Tempo konstruiert. Es wurde offenbar alles getan und manches gewagt, um die TrophΓ€e zu holen, nun muss das nur noch gelingen. Bertarelli gibt sich siegessicher: Β«Wir werden gewinnenΒ», prognostizierte der 57-jΓ€hrige MilliardΓ€r in einem Interview mit der Β«NZZΒ». Β«Wir sind in den meisten Bereichen unseres Bootes etwas weiter gegangen als die anderen.Β» Musik in den Ohren von Β«Born to dareΒ»-Tudor. Und sowieso ist man dort happy, beim wild entschlossenen Herausforderer mit im Boot zu sitzen auf der Jagd nach der 68ββZentimeter grossen, versilberten Kanne mit einem so starken ideellen Wert, dass gestandene Unternehmer wie Bertarelli entgegen jeder GeschΓ€ftslogik Millionen investieren, um sie zu ergattern. Allein das Startgeld betrΓ€gt 1,5 Millionen Dollar. Das Budget fΓΌr das ganze Unterfangen liegt weit jenseits von 100 Millionen.
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Red Bull Media House
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Die Bootscrew von Alinghi besteht aus 14 Personen, unter ihnen ein Bahnradfahrer und zwei Ruderer, alles Schweizer BΓΌrger, wie es die Satzung des Cups fordert. Die Crew besteht aus den Funktionen Taktiker, Steuermann, Foil-Trimmer, Segel-Trimmer und Grinder, wobei Letztgenannte als Teil der Power Group dafΓΌr zustΓ€ndig sind, mit ihrer Muskelkraft gewisse Bordsysteme am Laufen zu halten, die nach Reglement manuell betrieben werden mΓΌssen. Dazu gehΓΆrt alles, was mit dem Verstellen der Segel zu tun hat. Die Driving Group ihrerseits kontrolliert das mehr fliegende denn schwimmende Boot und taktiert β mit Wind und Wetter und gegen die Konkurrenz.
Ab der letzten Augustwoche werden die sechs Wettbewerber die ersten Rennen bestreiten, bei denen es auf jeden Meter Vorsprung oder RΓΌckstand ankommt und auch auf jede Sekunde, denn es sind keine DauerlΓ€ufe, sondern eine Serie von Sprints von je rund 20ββMinuten Dauer. Ohne eingespieltes Team ist da nichts zu wollen. Bertarelli hat Hochkarat mit dieser Aufgabe betraut: Seitens Red Bull holte er den legendΓ€ren ΓΆsterreichischen Tornado-Segler Hans-Peter Steinacher ins Board, und als Cheftrainer amtet der Schweizer Nils Frei, einer der weltbesten Segler.
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Auch hier leistet Tudor einen Beitrag. Die Rolex-Tochter hat mehrere Projekte am Laufen, um die Alinghi-Crew zu stΓ€rken: Die Profis des Teams Tudor Pro Cycling β alles Nachwuchstalente unter den Fittichen des Tudor-Markenbotschafters und Ex-Radprofis Fabian Cancellara β haben mit der Alinghi-Crew pedalend trainiert. Und mit Morgan Bourcβhis, dem dreifachen Weltmeister im Freitauchen (auch er ein Tudor-Markenbotschafter), haben sich die Segler aufs Thema Atmung eingelassen und geΓΌbt, den eigenen Schnauf als Tool zur Leistungssteigerung zu nutzen. Alles in allem erscheint Alinghi Red Bull Racing als gut geΓΆlte Maschine, fΓΌr deren einwandfreies Funktionieren mehr als 150 Personen alles geben und nach Barcelona umgesiedelt sind, fΓΌr Training, Feintuning und Akklimatisierung.
Geben und nehmen
Tudor gibt mehr als Geld β und holt fΓΌr sich auch einiges mehr heraus, als einfach das Markenlogo auf dem schwarzen Segel, dem Hightech-Boot und unzΓ€hligen Merchandising-Artikeln wie T-Shirts, Taschen und Caps zu platzieren. Denn dank dem Sponsoring gibt es zwei neue Modelle des Bestsellers Pelagos FXD. Sie wurden mit denselben Materialien hergestellt, aus denen die AC75-Boote gefertigt sind: Karbon, Edelstahl und Titan. Herausgekommen sind eine Dreizeigeruhr und ein Chronograph.
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RMSPD
Die Voraussetzungen fΓΌr einen Triumph der Schweizer gelten als super. Nun mΓΌssen sie nur noch in den sieben Rennen, die vom 12. bis zum 20.βOktober stattfinden, als Erste vier fΓΌr sich entscheiden. Dann kommt Β«The Auld MugΒ» wieder nach Genf.