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Uhren aus Vorbesitz

«Der Kunde bekommt genau das, wofür er bezahlt»

Odilo Lamprecht, CPO-Pionier bei Bucherer, spricht über Vertrauen im Handel mit Uhren aus Vorbesitz, Preisbildung – und warum die gleiche Rolex nicht immer denselben Wert hat.

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Odilo Lamprecht ist der Mann, der das CPO-Geschäft von Bucherer seit 2017 aufgebaut hat.
Odilo Lamprecht ist der Mann, der das CPO-Geschäft von Bucherer seit 2017 aufgebaut hat.zVg

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Als Odilo Lamprecht das Dossier für Uhren aus Vorbesitz bei Bucherer übernahm, war das Team dafür genau zwei Personen gross. Heute beschäftigt Bucherer allein am Hauptsitz zehn Mitarbeitende für das Thema, dazu kommen in den einzelnen Ländern eigene Organisationen mit jeweils fünf bis sieben Personen, wie Lamprecht erzählt.
Diese Entwicklung spiegelt einen Markt, der sich in wenigen Jahren von einem Nischen- zu einem Milliardengeschäft gewandelt hat. Diese Metamorphose wiederspiegelt sich in den Zahlen im «Market Movement Report 2026» von EveryWatch: Demnach hat der globale Sekundärmarkt für Uhren 2025 ein Transaktionsvolumen von 16,73 Milliarden US-Dollar erreicht, 36,4 Prozent mehr als 2024. Der Grossteil der Uhren aus Vorbesitz wurden via Händler und Onlinemarktplätze verkauft (15,65 Milliarden Dollar), der Rest via Auktionen.
So wie Rolex das Geschäft mit Neuuhren dominiert, gibt die Marke mit der Krone auch im Geschäft mit zertifizierten Uhren aus Vorbesitz den Ton an. Das hauseigene Certified-Pre-Owned-Programm (kurz RCPO) erzielte 2025 einen Umsatz, den EveryWatch für das vergangene Jahr auf 590 Millionen Dollar schätzt, was einem Plus von 204 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht – und gut zehn Prozent des gesamten Rolex-Sekundärmarktvolumens von 5,8 Milliarden Dollar.

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Auf Modellebene bleibt das Bild ähnlich eindeutig: Im ersten Halbjahr 2026 führte die Daytona-Kollektion den internationalen Secondhand-Markt mit 962 Millionen Dollar Handelsvolumen an, dicht gefolgt von der Datejust mit 940 Millionen Dollar, was einem Plus von 44 Prozent entspricht. Auch diese Zahlen stammen aus dem aktuellen EveryWatch-Report.
In diesem von Rolex dominierten Segment wiederum ist Bucherer (2023 von Rolex übernommen) die klare Nummer eins. Das Unternehmen verfügt laut einer Analyse von Morgan Stanley heute über das weltweit grösste RCPO-Inventar, mit dem Vernehmen nach einigen Tausend Uhren zum Verkauf in Europa und in den USA. Nach eigenen Angaben betreibt Bucherer inzwischen rund 50 CPO-Standorte in acht Ländern, ergänzt durch dedizierte Rolex-CPO-Lounges etwa in Genf und Zürich.
Odilo Lamprecht ist der Mann, der das CPO-Geschäft von Bucherer seit 2017 aufgebaut hat und das Ganze heute als Global Director of Watch Service and Certified Pre Owned steuert. Im Interview gewährt der CPO-Pionier einen Rückblick auf die Anfänge, einen Blick in die Tiefe des Geschäfts und einen Ausblick darauf, wohin sich der Handel mit Uhren aus zweiter Hand entwickelt.

Herr Lamprecht, hält das Geschäft mit den sogenannten Certified-Pre-Owned-Uhren, also mit Uhren aus zweiter Hand, was Sie sich davon versprochen haben?

Ja. Es entwickelt sich super. Man geht davon aus, dass der Handel mit gebrauchten Uhren in den nächsten drei bis fünf Jahren das Umsatzvolumen der neuen Uhren übersteigen wird. Entsprechend interessant ist dieser Markt auch für die Marken selbst.

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Eine Blitzumfrage in meinem Umfeld hat ergeben, dass längst nicht jeder weiss, wofür «certified» steht? Was bedeutet es?

Die Uhren werden bei Bucherer von einem zertifizierten Uhrmacher authentifiziert und revidiert. Bei uns steht es also dafür, dass die Uhr erstens echt ist und zweitens einwandfrei läuft. Darauf geben wir eine zweijährige internationale Bucherer-Garantie.
Lamprecht hat das CPO-Programm bei Bucherer revolutioniert.
Lamprecht hat das CPO-Programm bei Bucherer revolutioniert.zVg
Lamprecht hat das CPO-Programm bei Bucherer revolutioniert.
Lamprecht hat das CPO-Programm bei Bucherer revolutioniert.zVg

Warum die Betonung auf «bei uns»?

Ich kann nicht für andere sprechen, die den Zusatz «certified» verwenden. Mir scheint es grundsätzlich ratsam, sich auch beim Kauf einer Uhr aus zweiter Hand an die offiziellen Partner der Uhrenhersteller zu halten, denn da besteht ein gegenseitiges Interesse. Wir bieten für alle Marken Serviceleistungen, haben die Fachleute, Zugang zu originalen Ersatzteilen und Zugriff auf Informationen, die nur ein offizieller Brand-Partner haben kann.

Heisst das, dass man bei nicht offiziellen Partnern Gefahr läuft, übers Ohr gehauen zu werden?

Sagen wir es so: Bei zertifizierten Händlern ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Fälschung oder ein defektes Produkt kauft, gleich null. Der Kunde bekommt genau das, wofür er bezahlt. Jede Uhr, die uns angeboten wird, durchläuft den gleichen Prozess, ganz egal, in welchem Zustand sie ist und ob mit oder ohne Papiere.

Wie viel kostet Ihr «certified»?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Bei einer CPO-Uhr hängt das von vielen weiteren Faktoren ab: vom Zustand, vom Alter, von der Herkunft, den vorhandenen Ersatzteilen, der Häufigkeit des Service und so weiter. Das alles zahlt auf den Preis ein. Sehen Sie sich um: Hier gibt es vom gleichen Modell gleich mehrere, zu verschiedenen Preisen. Für Sie sehen die Uhren identisch aus, sind sie aber nicht. Die eine ist älter, die andere zu 100 Prozent original, und die dritte hat eine besondere Historie. Das alles hat Einfluss auf den Preis.

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Schnäppchen gibts also keine.

Uhren zum Discountpreis? Nein. Aber wir haben immer wieder rare Modelle zu spannenden Preisen. Kürzlich war das ein sehr seltenes Modell der Marke IWC, ein für Liebhaber sehr interessanter Zeitmesser. Wir haben die Uhr in unseren Newsletter aufgenommen. Sie war innert fünf Minuten weg. Noch den ganzen Tag haben wir Anrufe von Kundinnen und Kunden erhalten, die gefragt haben, ob wir nochmals so eine hätten.

Wie machen Sie die Preise für die Uhren?

Sowohl für den Ver- als auch für den Ankauf haben wir dafür eine eigene Software für die Kalkulation entwickelt. Zudem wird jede Uhr noch von einem Spezialisten inspiziert, bevor der Preis final gesetzt wird.

Angenommen, ich habe eine Rolex Submariner und will sie verkaufen. Wie gehe ich vor?

Sie kommen mit der Uhr in eines unserer Verkaufsgeschäfte. Dort nehmen wir die Uhr entgegen und überprüfen Referenz- und Seriennummer. Diese Informationen benötigen wir zwingend, um einen Ankauf vorzunehmen. Danach prüfen wir Zustand, vorhandene Ersatzteile und ob Box und Papiere vorhanden sind. Diese Informationen erfassen wir in unserem eigens entwickelten Ankauf-Tool. Innerhalb von zwei bis drei Minuten erhalten Sie ein Angebot. Sollte es sich um ein ganz spezielles Modell handeln, würden wir die Uhr entgegennehmen und Ihnen innerhalb der kommenden Tage ein Angebot machen. Denn gerade ältere oder seltene Modelle müssen genauestens überprüft werden, damit ein faires und aussagekräftiges Angebot gemacht werden kann.

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Das Angebot liegt nun bei 10’000 Franken. Und dann?

Sie haben die Wahl: Entweder überweisen wir Ihnen die 10’000 Franken auf Ihr Bankkonto, oder Sie entscheiden sich für einen Bucherer-Gutschein. In diesem Fall würde der Ankaufpreis etwas höher ausfallen. Den Gutschein können Sie jederzeit in jedem Bucherer-Geschäft einlösen – er gilt für das ganze Sortiment.

Wer kauft CPO-Uhren?

Ganz verschiedene Leute. Sammler finden rare Modelle oder limitierte Editionen, die sonst nicht mehr zu haben sind. Mit einer guten Pre-Owned-Auswahl erschliessen wir uns zudem neue Kunden, für die Secondhand-Uhren zum Einstieg in die Luxusuhrenwelt werden.

Im Erdgeschoss bei Bucherer an der Bahnhofstrasse Zürich kann man keine Rolex kaufen, und zwei Etagen höher, in der CPO-Abteilung, ist sie viel teurer als der Retailpreis. Befremdlich.

Ich kann nur wiederholen: Wir richten uns bei den Preisen am aktuellen Marktwert aus, und der generiert sich aus Angebot und Nachfrage. Und aus der CPO-Abteilung können Sie die Uhr sofort mitnehmen.

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