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Der stille Aufstieg von Formex

Wie Raphael Granito aus einer kaum beachteten Marke eine der spannendsten Stories der Schweizer Uhrenszene machte.

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Der Chef: CEO Raphaël Granito. zVg

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Familiären Druck gab es keinen – ganz im Gegenteil. Raphaël Granito hätte nicht zwingend in die väterlichen Fussstapfen treten müssen, sprich ins Uhrenbusiness. Sein Vater habe ihm stets geraten, so berichtet er, den eigenen Interessen zu folgen. Und doch muss ihn die Welt der Präzisionsfertigung schon früh in ihren Bann gezogen haben, das Ambiente der Fabrikationshallen, der Geruch von Kühlöl, das Surren der Décoltage-Maschinen.
Schon als Sechsjähriger trieb er sich neugierig in den Ateliers herum, verdiente später mit Ferienjobs im väterlichen Betrieb sein Taschengeld und stieg nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums 2014 endgültig ins Unternehmen ein. Dexel heisst dieses – ein Zulieferbetrieb für namhafte Uhrenmarken. Dort stiess er bald auf eine familiengeführte Marke, mit der Dexel schon länger arbeitete: Formex. Damals ein ungeschliffener, blasser Diamant – heute strahlt er wieder. Und das ist Raphaël Granitos Verdienst.

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2016 übernahm man die Marke. Raphaël Granito wurde CEO und bald Mehrheitsbesitzer – und gewann mit den Produkten rasch eine wachsende Fangemeinde. Letztes Jahr war man bereits bei einer Jahresproduktion von 4000 Stück angelangt, 40 Prozent mehr als 2024 – ein fulminantes Wachstum in einer wirtschaftlich schwierigen Landschaft.
Dabei bleibt es nicht: Einen wichtigen Schritt konnte die Marke diese Woche verkünden; Formex – der Name kommt von «forme extrême» – verfügt fortan über ein eigenes Uhrwerk. Entwickelt wurde das Kaliber der Spitzenklasse mit dem Unternehmen Horage, man ist schon seit Jahren freundschaftlich verbunden.
Aufmerksame Branchenbeobachter und eingefleischte Uhrenfans haben allerdings Formex schon länger auf dem Radar. Und auch in den sozialen Medien sowie auf YouTube gibt es regelmässig begeisterten Applaus. Die Uhren gelten als cool, robust, ästhetisch eigenständig – und zugleich erstaunlich fair bepreist. Das Kernsortiment bewegt sich zwischen 1000 und 4500 Franken.

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Auf sich aufmerksam machte Formex zunächst mit seinem sogenannten Case-Suspension-System, einer patentierten Gehäusefederung mit vier Federn und vier Schrauben, die auch das Uhrendesign massgeblich beeinflusst haben. «Wir suchen gezielt nach Dingen, die es so noch nicht gibt, und versuchen sie so kompromisslos wie möglich umzusetzen», pflegt Raphaël Granito zu sagen.
Klassiker der Marke: Modell Essence.
Klassiker der Marke: Modell Essence.zVg
Klassiker der Marke: Modell Essence.
Klassiker der Marke: Modell Essence.zVg
Er sitzt im Showroom eines würfelförmigen Industriegebäudes am Bieler Stadtrand. Auf dem Tisch vor ihm die wichtigsten Uhren aus dem Formex-Katalog. Derzeit zählt das Sortiment im Wesentlichen vier Kollektionen: Essence, das Herz der Marke, umfasst moderne, sportlich-elegante Uhren mit klarer Linienführung und den charakteristischen vier Gehäuseschrauben. Reef punktet als Taucheruhr mit wechselbaren Lünetten und Armbändern, derweil Field als robuste Outdoor-Uhr daherkommt – mit hart beschichtetem Titangehäuse, verschraubter Krone und bewusstem Vintage-Touch. Komplettiert wird das Angebot mit Stratos, einer technisch anspruchsvollen GMT-Uhr für Vielreisende und Luftfahrt-Enthusiasten.

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FORMEX Swiss Made Watches - Reef 39.5 mm Automatic COSC 300M - Green Dial.jpg
FORMEX Swiss Made Watches - Stratos UTC 41 mm Automatic - Grey Dial.jpg
FORMEX Swiss Made Watches - Field 40 mm Automatic - Petrol Blue Dial.jpg
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Und neu jetzt also dazu die Uhr mit dem eigenen Kaliber. Ihr Name: Aria Manufacture Chronometer. Ihr Charakter: ein flacher, nur gerade 6,9 Millimeter hoch bauender Titan-Chronometer mit integriertem Armband und Mikrorotor-Manufakturwerk. Ihr Herzstück: das Kaliber FX01 mit COSC-Chronometer-Zertifizierung und über 72 Stunden Gangreserve. Ästhetisch fallen die konkav gestalteten Zifferblätter in den Farben namens Selva Green, Ardesia Grey und Denso Blue auf. Und vor allem der Blick durch den Saphirglasboden auf eine ausgesprochen moderne Kaliber-Architektur.
Die Neuheit mit eigenem Kaliber: Aria Manufacture Chronometer.
Die Neuheit mit eigenem Kaliber: Aria Manufacture Chronometer.zVg
Die Neuheit mit eigenem Kaliber: Aria Manufacture Chronometer.
Die Neuheit mit eigenem Kaliber: Aria Manufacture Chronometer.zVg
Geboren wurde diese nur sieben Autominuten von Formex entfernt, zwischen dem Ufer des Flüsschens Schüss und der Bieler Ausfallstrasse Richtung Solothurn. Hier ist Horage domiziliert: lichtdurchflutete Hallen, Hightech-Maschinen, Industrieästhetik – das Reich von Andi Felsl, der das Unternehmen mit seiner Ehefrau Tzuyu Huang gegründet hat. Ihre Philosophie folgt einem dezidiert ingenieurgetriebenen Ansatz und hebt sich damit bewusst von der klassischen Uhrmacherei ab. «Die Art und Weise, wie Horage Werkarchitekturen denkt und Dinge von Grund auf neu entwickelt, hat mich immer fasziniert», sagt Raphaël Granito.

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Tatsächlich setzt das Kaliber FX01 konsequent auf moderne Technik: Vollsilizium-Ausstattung, optimierte Hemmung, deutlich reduzierte Reibungsverluste. Im Vergleich zu Standardlösungen benötigt das 2,9 Millimeter hohe Werk rund 28 Prozent weniger Energie – eine der Voraussetzungen für die hohe Gangautonomie trotz der sehr flachen Bauweise.
Formex, das ist klar, gäbe es nicht ohne Dexel, das väterliche Zulieferunternehmen, ebenfalls im Industrie-Würfel am Bieler Stadtrand gelegen. 120 Personen stehen auf der Lohnliste des 1984 von Elio Granito gegründeten Unternehmens. Man produziert Schliessen, Bänder und Gehäuse, verarbeitet Stahl, Titan, Keramik und Karbonfasern. Geliefert wird an die ganze Branche, vor allem auch an Highend-Marken. Und natürlich an Formex. Profitieren kann Raphaël Granitos Marke zudem vom familieneigenen Zifferblatt-Unternehmen Cadranor, das auf hochwertige Zifferblätter und anspruchsvolle Oberflächenfinissierungen spezialisiert ist.

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Ursprünglich war Formex als eine Art Spielwiese oder Labormarke konzipiert, ein Ort, um Neues zu entwickeln und um nach aussen zu zeigen, was man technisch draufhat. Seine erste spektakuläre Duftmarke setzte Raphaël Granito dann mit einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne zur Lancierung der neu entwickelten Essence-Linie: 600 Uhren wurden auf Anhieb verkauft, über 400’000 Franken eingenommen.
Gut möglich, dass die Erfolgssaga erst begonnen hat. Fest steht jedenfalls: Aus kindlicher Faszination für Maschinen und Präzision wuchs eine der derzeit spannenderen Geschichten der Schweizer Uhrenindustrie.

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