Wie zeigt man Zeit an, wenn man auf die klassischen Regeln der Uhrmacherei verzichtet? Dieser Frage widmete sich die 28. Ausgabe des Β«Prix Cartier Talents Horlogers de DemainΒ». Der Wettbewerb wurde 1995 von Cartier initiiert, um junge Uhrmachertalente aus Frankreich, Belgien und der Schweiz herauszufordern.
Jedes Jahr gibt Cartier ein Thema vor. 2026 lautete es: Β«Eine Neudefinition des Gleichgewichts: Die Zeit anders lesen und begreifenΒ».
Was auffΓ€llt: Keine der prΓ€mierten Arbeiten will die Zeit mΓΆglichst prΓ€zise oder effizient anzeigen. Stattdessen hinterfragen die jungen Uhrmacherinnen und Uhrmacher die Beziehung des Menschen zur Zeit selbst: Zeit wird verborgen, verzΓΆgert, zum Vorschein gebracht, hΓΆrbar gemacht oder neu inszeniert.
Die Mechanik dient dabei nicht mehr nur der Messung, sondern wird zum erzΓ€hlerischen Medium. Trotz ihrer unterschiedlichen AnsΓ€tze verbindet die Gewinnerwerke, dass sie traditionelle Uhrmacherei mit philosophischen Fragen verbinden. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Zukunft der Haute Horlogerie nicht allein in technischer Innovation liegt, sondern zunehmend auch in der FΓ€higkeit, Emotionen, Geschichten und neue Formen der Zeitwahrnehmung zu schaffen.
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An der Preisverleihung diese Woche wurden sechs Jungtalente ausgezeichnet: drei Lehrlinge und drei Techniker. Sie erhielten eine FΓΌhrung durch die Cartier-Manufaktur in La Chaux-de-Fonds und je eine Uhr von Cartier. Den Erstplatzierten wird zudem ein Praktikum bei der Maison angeboten.
Und nun Vorhang auf fΓΌr die prΓ€mierten Werken. Enjoy!
Auszubildende
1. Preis: Aymeric Peters β Silence Choisi
Der Gewinner ist der Belgier Aymeric Peters. Seine Tischuhr misst Zeit nicht permanent, sondern erst auf Verlangen. Die Zeiger verharren bewegungslos, bis der Besitzer einen SchlΓΌssel betΓ€tigt. Erst dann zeigt die Uhr die aktuelle Zeit an. Die Poesie dahinter: Zeit existiert nur dann, wenn wir ihr Aufmerksamkeit schenken.
Mit Nymphea verwandelte die Belgierin Layla Sluysmans die Uhr in eine blΓΌhende Seerose. Die mechanische Skulptur ΓΆffnet und schliesst sich in einem Rhythmus von zwei Stunden und gibt den Blick auf das schlichte, emaillierte Zifferblatt frei. Eine Einladung zur Entschleunigung.
Die Tischuhr des Franzosen Edouard Nicod lebt vom Spiel der GegensΓ€tze. Das Zifferblatt wird zur tragenden Struktur, die Zeiger bewegen sich kam, das Uhrwerk hingegen schon. Dem permanent arbeitenden Mechanismus steht als Gegengewicht ein ruhender Panther gegenΓΌber. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen Bewegung und Stillstand, Dynamik und Ruhe. Eine eine schΓΆne, geradezu philosophische Auseinandersetzung mit der Suche nach Balance.
Bei den Technikerinnen und Technikern setzte sich Arthur Choquet aus Rennes durch. Seine Uhr zitiert die Architektur von Paris β von Haussmann-Fassaden bis zu historischen Strassenlaternen β und verbindet die Geschichte der Maison Cartier mit einer neuen Interpretation von Zeit und Gleichgewicht.
Adrien Stefenelli verzichtet ganz auf die visuelle Zeitanzeige. Seine Uhr macht Zeit hΓΆrbar: Ein Repetiermechanismus erzeugt KlΓ€nge, die an fallende Wassertropfen erinnern. Statt Stunden und Minuten abzulesen, soll der Betrachter Zeit erleben und wahrnehmen.
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