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Favre Leuba

Rückkehr eines Pioniers

Die Uhrenlegende hat mehr zu bieten als ihr Gründungsdatum 1737: Die Marke schrieb mit Höhen- und Tiefenmessern Uhrengeschichte. Heute versucht sie, daraus wieder ein klares Profil zu formen.

Tom Wanka

Die Bivouac von 1962 gilt als erste mechanische Armbanduhr mit Aneroidbarometer zur Anzeige von Höhe und Luftdruck.
Die Bivouac von 1962 gilt als erste mechanische Armbanduhr mit Aneroidbarometer zur Anzeige von Höhe und Luftdruck.© Favre Leuba

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Viele Marken in der Schweizer Uhrenindustrie stellen sich gern stolz mit ihrem Alter vor. Das ist bequem, greift aber zu kurz. Interessant an Favre Leuba ist nicht nur, dass der Name bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, sondern auch, dass die Marke in ihren besten Jahren dort stark war, wo Uhrmacherei über Repräsentation hinausging: bei funktionalen Instrumentenuhren für Höhe, Tiefe und härtere Einsätze.
Das Lehrlingsbuch von Abraham Favre.
Das Lehrlingsbuch von Abraham Favre.© Favre Leuba
Das Lehrlingsbuch von Abraham Favre.
Das Lehrlingsbuch von Abraham Favre.© Favre Leuba
Der Ursprung reicht bis 1718 zurück, als Abraham Favre im Alter von 16 Jahren bei Daniel Gagnebin eine Lehre begann. 1737 wurde er in Le Locle erstmals als selbstständiger Uhrmacher erwähnt – dieses Datum gilt bis heute als historischer Ausgangspunkt der Marke.
Abraham Favre wurde 1737 erstmals als selbstständiger Uhrmacher in Le Locle erwähnt, 1749 war er dann Maître horloger.
Abraham Favre wurde 1737 erstmals als selbstständiger Uhrmacher in Le Locle erwähnt, 1749 war er dann Maître horloger.© Favre Leuba
Abraham Favre wurde 1737 erstmals als selbstständiger Uhrmacher in Le Locle erwähnt, 1749 war er dann Maître horloger.
Abraham Favre wurde 1737 erstmals als selbstständiger Uhrmacher in Le Locle erwähnt, 1749 war er dann Maître horloger.© Favre Leuba
Um 1749 war Favre bereits Maître horloger du Locle. Das zeigt, wie früh sich der Name in einer Region etablierte, die später zu einem Zentrum der Schweizer Uhrmacherei werden sollte.

Frühe Internationalisierung

Im 19. Jahrhundert wuchs aus der Werkstatt ein Unternehmen mit internationalem Horizont. Der Urenkel Henry-August Favre reiste durch Europa, Russland sowie Nord- und Südamerika, um die Taschenuhren des Hauses in entfernten Märkten bekannt zu machen.
Henry-Auguste Favre, der Urenkel des Firmengründers, trieb die Internationalisierung voran.
Henry-Auguste Favre, der Urenkel des Firmengründers, trieb die Internationalisierung voran.© Favre Leuba
Henry-Auguste Favre, der Urenkel des Firmengründers, trieb die Internationalisierung voran.
Henry-Auguste Favre, der Urenkel des Firmengründers, trieb die Internationalisierung voran.© Favre Leuba
Hinzu kamen Auszeichnungen auf internationalen Ausstellungen, etwa in London, New York und Paris. Favre Leuba war also schon früh mehr als ein lokaler Hersteller aus dem Neuenburger Jura.

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In den 1760er-Jahren begann unter anderem eine Zusammenarbeit mit Abraham-Louis Breguet.
In den 1760er-Jahren begann unter anderem eine Zusammenarbeit mit Abraham-Louis Breguet.© Favre Leuba
In den 1760er-Jahren begann unter anderem eine Zusammenarbeit mit Abraham-Louis Breguet.
In den 1760er-Jahren begann unter anderem eine Zusammenarbeit mit Abraham-Louis Breguet.© Favre Leuba
Besonders wichtig wurde Indien. 1865 brachte Fritz Favre die Marke als erste Schweizer Uhrenfirma auf den indischen Markt.
Favre Leuba war 1865 die erste Schweizer Uhrenmarke in Indien.
Favre Leuba war 1865 die erste Schweizer Uhrenmarke in Indien.© Favre Leuba
Favre Leuba war 1865 die erste Schweizer Uhrenmarke in Indien.
Favre Leuba war 1865 die erste Schweizer Uhrenmarke in Indien.© Favre Leuba
Dieser Schritt war von erheblicher Tragweite, weil Favre Leuba dort nicht nur früh präsent war, sondern sich über lange Zeit eine aussergewöhnlich starke Position aufbaute. Um die heutige Stellung der Marke zu verstehen, muss dieser indische Strang ihrer Geschichte mitgedacht werden.
1896 zog Favre Leuba von Le Locle nach Genf um.
1896 zog Favre Leuba von Le Locle nach Genf um.© Favre Leuba
1896 zog Favre Leuba von Le Locle nach Genf um.
1896 zog Favre Leuba von Le Locle nach Genf um.© Favre Leuba
Unter Henri Favre Leuba, der 1908 die Führung übernahm, wurde die internationale Ausrichtung weiter gestärkt. 1896 zog die Marke von Le Locle nach Genf um. Nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte das Unternehmen von seiner festen Stellung in Indien und baute zugleich die Präsenz in anderen Märkten wieder aus.
Favre Leuba erhielt viele internationale Auszeichnungen: London (1851), New York (1853), Paris (1855), Bern (1857) und Porto (1865).
Favre Leuba erhielt viele internationale Auszeichnungen: London (1851), New York (1853), Paris (1855), Bern (1857) und Porto (1865).© Favre Leuba
Favre Leuba erhielt viele internationale Auszeichnungen: London (1851), New York (1853), Paris (1855), Bern (1857) und Porto (1865).
Favre Leuba erhielt viele internationale Auszeichnungen: London (1851), New York (1853), Paris (1855), Bern (1857) und Porto (1865).© Favre Leuba
Niederlassungen in Hamburg, London, Rangoon, Karachi, Singapur und New York zeigen, dass Favre Leuba damals eine andere Grössenordnung hatte, als man heute vermuten würde.
Das Handaufzugskaliber FL 101 war mit drei Hertz getaktet und besass eine grosse Unruh.
Das Handaufzugskaliber FL 101 war mit drei Hertz getaktet und besass eine grosse Unruh.© Favre Leuba
Das Handaufzugskaliber FL 101 war mit drei Hertz getaktet und besass eine grosse Unruh.
Das Handaufzugskaliber FL 101 war mit drei Hertz getaktet und besass eine grosse Unruh.© Favre Leuba
In technischer Hinsicht wurde die Marke vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren interessant. 1955 stellte Favre Leuba mit dem FL101 ein eigenes Kaliber vor, das unter anderem in den Modellen Sea Chief, Sea King und Sea Raider eingesetzt wurde. Schon diese Namen verraten die Richtung: Favre Leuba suchte das Profil nicht in der feinen Abenduhr, sondern in robusten, funktionsorientierten Zeitmessern.

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Ihre erste Taucheruhr präsentierte Favre Leuba 1960 mit der Water Deep.
Ihre erste Taucheruhr präsentierte Favre Leuba 1960 mit der Water Deep.© Favre Leuba
Ihre erste Taucheruhr präsentierte Favre Leuba 1960 mit der Water Deep.
Ihre erste Taucheruhr präsentierte Favre Leuba 1960 mit der Water Deep.© Favre Leuba
1960 erschien mit der Water Deep die erste Taucheruhr der Marke, 1964 folgte die bis 200 Meter wasserdichte Deep Blue. Den Platz in der Uhrengeschichte verdankt Favre Leuba aber der Bivouac von 1962. Sie gilt als die erste mechanische Armbanduhr mit Aneroidbarometer zur Anzeige von Höhe und Luftdruck.
Das war keine dekorative Komplikation, sondern ein echtes Werkzeug für Alpinisten, Fallschirmspringer und Expeditionsreisende. Namen wie Walter Bonatti oder Paul-Émile Victor verleihen dieser Uhr zusätzliche historische Schärfe, entscheidend ist aber etwas anderes: Favre Leuba hatte damals eine klare technische Idee dessen, was eine Armbanduhr leisten kann.
Die Bathy aus dem Jahr 1968 hatte einen Tiefenmesser.
Die Bathy aus dem Jahr 1968 hatte einen Tiefenmesser.© Favre Leuba
Die Bathy aus dem Jahr 1968 hatte einen Tiefenmesser.
Die Bathy aus dem Jahr 1968 hatte einen Tiefenmesser.© Favre Leuba
Noch konsequenter wirkte 1968 die Bathy. Sie zeigte nicht nur die Tauchzeit an, sondern auch die aktuelle Tauchtiefe – mechanisch. Genau in solchen Uhren liegt die historische Bedeutung der Marke. Favre Leuba dachte Komplikation nicht als Selbstzweck, sondern als Lösung für konkrete Anforderungen. Das unterscheidet die Marke bis heute von vielen Heritage-Erzählungen, die sich vor allem auf schöne Archive und gefällige Zitate stützen.

Schwestermarke von Jaeger-LeCoultre

Auch die 1970er-Jahre sind einen zweiten Blick wert. 1969 wurden Favre Leuba und Jaeger-LeCoultre Schwesterunternehmen, nachdem Georges Favre die SAPIC-Gruppe übernommen hatte. Laut Markenchronik entstanden in diesem Zusammenhang auch Modelle mit Reverso- und Memovox-Bezug unter Favre-Leuba-Signatur.

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In einem Katalog erscheinen Uhren von Jaeger-LeCoultre und Favre Leuba unter beiden Marken.
In einem Katalog erscheinen Uhren von Jaeger-LeCoultre und Favre Leuba unter beiden Marken.© Favre Leuba
In einem Katalog erscheinen Uhren von Jaeger-LeCoultre und Favre Leuba unter beiden Marken.
In einem Katalog erscheinen Uhren von Jaeger-LeCoultre und Favre Leuba unter beiden Marken.© Favre Leuba
Gleichzeitig bewegte sich die Gestaltung deutlich in Richtung jener kantigen, kissenförmigen Formensprache, die für die 1970er typisch war: Modelle wie Sea Raider, Memo Raider oder Sea Sky versuchen diesen Zeitgeist bis heute weiterzutransportieren. Dann kam der Bruch. Wie viele Schweizer Hersteller geriet auch Favre Leuba in der Quarzkrise unter Druck. Die Familie verkaufte die Marke in den 1980er-Jahren, danach wechselten die Eigentümer mehrfach. Genau darin liegt ein wichtiger Unterschied zu den grossen, durchlaufend gepflegten Namen der Branche: Favre Leuba verfügt zwar über eine starke Vergangenheit, aber nicht über eine ungebrochene moderne Entwicklungslinie. Das macht die Marke historisch spannend, strategisch aber auch anspruchsvoll.

Ein erster Versuch des Neustarts

Ein neuerer Wiederbelebungsversuch begann 2016 mit der Raider Harpoon und wurde 2017 mit der Bivouac 9000 fortgesetzt.
Zum 280. Geburtstag stellte Favre Leuba die Bivouac 9000 vor.
Zum 280. Geburtstag stellte Favre Leuba die Bivouac 9000 vor.© Favre Leuba
Zum 280. Geburtstag stellte Favre Leuba die Bivouac 9000 vor.
Zum 280. Geburtstag stellte Favre Leuba die Bivouac 9000 vor.© Favre Leuba
Der eigentliche Neustart erfolgte jedoch 2024 an den Geneva Watch Days. Dort trat Favre Leuba mit mehreren Kollektionen an, die deutlich auf das historische Material der Marke zurückgriffen: Chief, Deep Raider und Sea Sky.
Mit der Chief Tourbillon betrat Favre Leuba 2025 wieder die internationale Bühne.
Mit der Chief Tourbillon betrat Favre Leuba 2025 wieder die internationale Bühne.© Favre Leuba
Mit der Chief Tourbillon betrat Favre Leuba 2025 wieder die internationale Bühne.
Mit der Chief Tourbillon betrat Favre Leuba 2025 wieder die internationale Bühne.© Favre Leuba
2025 kamen unter anderem die Chief Tourbillon Sablier Dial in Zusammenarbeit mit Jean‑François Mojon sowie die Chief Skeleton hinzu. 2026 folgte das Debüt bei Watches and Wonders mit den Linien Harpoon und 1737. Heute wird Favre Leuba via die Schweizer Silvercity Brands AG gehalten, die seit 2025 mehrheitlich von der indischen KDDL-Gruppe kontrolliert wird. An der Spitze der Marke steht Patrik Hoffmann als CEO und Chairman.

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Die Favre Leuba Sea Sky Revival besitzt eine Telemeter- und eine Tachymeterskala.
Die Favre Leuba Sea Sky Revival besitzt eine Telemeter- und eine Tachymeterskala.© Favre Leuba
Die Favre Leuba Sea Sky Revival besitzt eine Telemeter- und eine Tachymeterskala.
Die Favre Leuba Sea Sky Revival besitzt eine Telemeter- und eine Tachymeterskala.© Favre Leuba
Das ist insofern bemerkenswert, als sich in der heutigen Struktur zwei historische Konstanten spiegeln: Schweizer Management und die anhaltende Bedeutung Indiens für die Marke. Damit ist Favre Leuba heute vor allem ein Fall für die genaue Beobachtung. Die Marke hat genügend Substanz für weit mehr als blosse Heritage-Rhetorik.
Das automatische Chronographen-Werk FLC01 von Favre Leuba entstand in Zusammenarbeit mit La Joux-Perret.
Das automatische Chronographen-Werk FLC01 von Favre Leuba entstand in Zusammenarbeit mit La Joux-Perret.© Favre Leuba
Das automatische Chronographen-Werk FLC01 von Favre Leuba entstand in Zusammenarbeit mit La Joux-Perret.
Das automatische Chronographen-Werk FLC01 von Favre Leuba entstand in Zusammenarbeit mit La Joux-Perret.© Favre Leuba
Bivouac, Bathy, Sea Sky oder Deep Blue sind keine nachträglich erfundenen Legenden, sondern reale Ankerpunkte einer eigenständigen Geschichte. Entscheidend wird sein, ob daraus mehr entsteht als eine gut kuratierte Rückschau – nämlich eine zeitgemässe Kollektion mit erkennbarem Profil und langem Atem.
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