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Dieter Pachner

«Lieber mehr Uhren für 1000 als für 500 Franken»

Seit einem Jahr ist Dieter Pachner CEO von Certina. Wohin will er mit der Marke? Macht er die Uhren jetzt teurer? Das Interview.

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Certina-CEO Dieter Pachner: «Es wäre unverantwortlich, mit der Brechstange expandieren zu wollen.» Filmriss GmbH

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Herr Pachner, man nennt Certina manchmal «die Uhr der Schweizer». Was machen Sie, damit Certina auch die Uhr der globalen Kundschaft wird?

Richtig ist, dass Certina bei den Schweizerinnen und Schweizern besonders beliebt ist. Sie schätzen robuste, hochwertige Produkte, die Qualität ausstrahlen, ohne aufdringlich zu sein. Und sie lieben Marken, die ihrer Tradition verpflichtet sind und nicht zu laut auftreten.

Soll Certina nun lauter auftreten?

Das habe ich nicht gesagt. Ich glaube, Certina ist vor allem wegen ihrer Robustheit die Schweizer Uhr. Dazu gibt es eine wunderbare Geschichte: Ein Juwelier in Willisau warf einst eine Certina DS vom Kirchturm, um zu zeigen, wie widerstandsfähig sie ist. Solche Geschichten haben das Image der Marke geprägt.

Und was haben Sie jetzt vor?

Wir müssen diese Stärken international noch besser vermitteln. An den Kernwerten von Certina will ich nichts ändern: Qualität, Robustheit und eine aussergewöhnliche Geschichte. Die Marke hat Meilensteine gesetzt und Innovationen hervorgebracht, die in der Uhrenindustrie ihresgleichen suchen.

Zur Person

Dieter Pachner ist ein langjähriger Manager der Swatch Group. Der gebürtige Österreicher begann seine Karriere im Vertrieb bei Swatch Group Austria, übernahm die Funktion des Brand Manager für Union Glashütte sowie Glashütte Original und dann als Vice President of Sales für Glashütte Original. Vor einem Jahr wurde er zum CEO von Certina berufen.

Konkret?

Unser Ziel ist es, neue Zielgruppen zu erreichen, ohne die DNA von Certina zu verändern. Tauchen, Cross-Country und Paddel – in diesen Bereichen kommunizieren wir – stehen für den sportlichen Charakter der Marke: für Abenteuer, Ausdauer und Dynamik. Mit einer modernen Kommunikation wollen wir diese Werte einer jüngeren Generation näherbringen und zeitgemäss interpretieren.

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Auch neue Märkte öffnen? Für Certina gibt es ja nach wie vor einige weisse Flecken auf der Landkarte.

Die wird es auch weiterhin geben. Es wäre unverantwortlich, mit der Brechstange expandieren zu wollen. Wir wollen Schritt für Schritt wachsen, ohne die DNA von Certina aus den Augen zu verlieren. Die Marke steht wie gesagt für Sportlichkeit, Schweizer Qualität, Robustheit und das Double-Security-Konzept. Darauf können wir aufbauen.

Und womit beginnen Sie?

Unser klarer Fokus liegt zunächst auf der konsequenten Stärkung unserer Position in Europa. In mehreren Märkten sehen wir weiterhin signifikantes Potenzial, insbesondere in Italien, wo wir gezielt zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten erschliessen wollen. Auch in Deutschland werden wir verstärkt an unsere bisherigen Erfolge anknüpfen und vorhandenes Potenzial noch konsequenter nutzen. Entscheidend ist für uns, unsere strategischen Prioritäten in Europa mit Disziplin und Klarheit umzusetzen. Gleichzeitig behalten wir internationale Chancen fest im Blick. Besonders die USA sehen wir mittel- bis langfristig als einen Markt mit sehr attraktivem Entwicklungspotenzial und hoher strategischer Relevanz.

Das war bisher Neuland.

Wir sind vor gut einem Jahr mit dem E-Commerce in den USA gestartet. Seither sehen wir, dass die Marke dort sehr gut wächst. Besonders unsere Taucheruhren entwickeln sich hervorragend. Das Modell PH1000 geht in den USA sprichwörtlich durch die Decke.

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Bleiben Sie in Bezug auf die Preise bei Uhren im Kerngeschäft zwischen 400 und rund 1500 Franken? Oder planen Sie eine höhere Preispositionierung?

Da müssen wir vorsichtig sein. Mit der DS PH2000M präsentieren wir jetzt eben eine neue Uhr für 1235 Franken – fast 300 Franken mehr als die DS-Action, unser bisheriger Bestseller. Grundsätzlich will ich in unserer Preisrange bleiben: Wir fangen mit 400 Franken für eine Quarz-DS mit Kautschukband an, das teuerste Modell – etwas über unseren Gepflogenheiten – ist die DS Action Diver Chrono mit Silizium-Spirale für 1800 Franken. Innerhalb der Preisspanne möchte ich im Durchschnitt sehr wohl etwas höher gehen, mittelfristig also lieber mehr Uhren für 1000 als für 500 Franken verkaufen. Ich möchte Certina von der Heritage her wieder als Marke etablieren, für deren hochwertige Produkte Kunden bereit sind, diesen Preis zu bezahlen.
Die neue Taucheruhr ist bis 2000 Meter Tiefe wasserdicht.
Die neue Taucheruhr ist bis 2000 Meter Tiefe wasserdicht.zVg
Die neue Taucheruhr ist bis 2000 Meter Tiefe wasserdicht.
Die neue Taucheruhr ist bis 2000 Meter Tiefe wasserdicht.zVg

Damit bleiben Sie in einer der härtesten Preisregionen des Marktes. Wer Uhren für 800’000 Franken verkauft, braucht nur wenige Kunden. Bei 1200 Franken hingegen ist man auf hohe Stückzahlen angewiesen. Sie schaffen das mit der neuen Uhr?

Der Markt ist dafür bereit. Vor einem Jahr hiess es noch, der Trend gehe zurück zur klassischen, eleganten Uhr. Wenn ich den Markt heute anschaue, sehe ich das anders. Das Momentum liegt klar bei den Taucheruhren. Entscheidend ist aber, dass man sich unterscheidet. Einfach noch einmal dieselbe Uhr mit einem grünen Zifferblatt zu bringen, reicht nicht. Unsere Certina DS Super PH2000M hat ein Titangehäuse, ist bis 2000 Meter wasserdicht, verfügt über ein Heliumventil, eine Keramiklünette und das Powermatic-80-Kaliber. Das ist eine eigenständige, hochwertige Uhr.

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Und sie kommt an?

Unser Team hat hier ein sehr starkes Produkt geschaffen. Ob die Farben oder das Design gefallen, entscheidet am Ende der Kunde. Aber es ist eine andere Taucheruhr mit Charakter. Sie trägt die DNA von Certina in sich – und sie polarisiert. Genau daran glaube ich.

Zur Uhr

Die DS SUPER PH2000M hat ein 43 Millimeter grosses Titangehäuse, ist bis 2000 Meter Tiefe wasserdicht und wird vom Automatikkaliber Powermatic 80.611 mit 80 Stunden Gangreserve angetrieben. Erhältlich ist sie mit schwarzem, weissem oder gelbem Zifferblatt. Dazu gibt es – in Partnerschaft mit der Schildkröten-Schutzorganisation Sea Turtle Conservancy – eine limitierte Edition mit türkisfarbenem Zifferblatt. Zur Ausstattung gehören eine Keramiklünette, ein Heliumauslassventil und entspiegeltes Saphirglas. Der Preis beträgt 1235 Franken.
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zVg
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Was war Ihre wichtigste Entscheidung bisher bei Certina?

Die wichtigste Entscheidung war, in den ersten drei Monaten vor allem zuzuhören. Ich kam aus einem völlig anderen Uhren-Universum, in dem allein ein Metallband 1500 Franken kostet, Schrauben bei 290 Grad gebläut werden und man über eine Schwanenhals-Feinregulierung diskutiert. Rückblickend war es eine weise Entscheidung, sich Zeit zu nehmen, um die Certina-Welt im Kern zu verstehen. Sonst hätte ich mich mit manchen Entscheiden wahrscheinlich verrannt.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Uhr?

Ja, das war eine Swatch – eine grüne, transparente Swatch mit einem grauen Kunststoffband.

Ein Zufallskauf? Oder waren Sie ein Swatch-Jäger?

Ich würde sagen: Ich war mittendrin im Swatch-Taifun. Als die ersten Swatch-Uhren 1986 oder 1987 nach Österreich kamen, habe ich mir von meinem Taschengeld eine gekauft – die erste Uhr, die ich mir selbst leisten konnte. Lustig war, dass wir in der Schule dafür einen Rüffel bekamen. Ein Lehrer meinte damals, wir würden mit diesen Plastikuhren die Schweizer Uhrenindustrie zerstören. Damals konnte sich niemand vorstellen, welche Erfolgsgeschichte daraus entstehen würde.

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Wann wurde aus dieser Begeisterung eine Berufung?

Nach meiner Meisterprüfung arbeitete ich bei einem Händler, der Swatch und Certina führte. Swatch boomte damals, und ich habe praktisch nur Swatch-Uhren verkauft. Diese Zeit hat mich geprägt. Der eigentliche Einstieg in die Swatch Group kam dann über den Swatch Kollektorclub. Ich hatte so viele Mitgliedschaften verkauft, dass Swatch Österreich auf mich aufmerksam wurde. Ab 1993 begann ich als Aussendienstmitarbeiter bei Swatch Österreich, ein Jahr später wurde ich von der damaligen SMH übernommen. So nahm meine Karriere in der Swatch Group ihren Anfang.

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